Chronische, Erkrankungen

Chronische Erkrankungen: 226.000 GendatensÀtze zeigen gemeinsame Netzwerke

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Analyse von rund 226.000 genetischen DatensÀtzen zeigt gemeinsame Netzwerkstrukturen; experimentelle BestÀtigung steht noch aus.
Abstrakte Darstellung eines komplexen biologischen Netzwerks aus leuchtenden Knoten und ProteinfĂ€den in einer FlĂŒssigkeit. Illustration mit AI erstellt.

Eine Untersuchung der University of East Anglia unter der Leitung von Dmitri Pshezhetskiy beschreibt gemeinsame biologische Mechanismen bei fĂŒnf verschiedenen chronischen Krankheitsbildern.

Die im Fachmagazin Journal of Translational Medicine erschienene Arbeit widmet sich der Myalgischen Enzephalomyelitis/dem Chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS), Long COVID, der posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD), Multipler Sklerose sowie rheumatoider Arthritis.

Analyse von rund 226.000 genetischen DatensÀtzen

FĂŒr die Untersuchung werteten die Forschenden der University of East Anglia genetische DatensĂ€tze von etwa 226.000 Personen aus, die von einer der five Erkrankungen betroffen sind, und stellten diese den Daten gesunder Personen gegenĂŒber. Trotz voneinander abweichender Gen-Sets machte die Interaktionsanalyse eine gemeinsame ĂŒbergeordnete Netzwerkstruktur sichtbar.

Diese biologischen Netzwerke betreffen nach Erkenntnissen der UniversitĂ€t vier wesentliche Kernbereiche: die SignalĂŒbertragung im Immunsystem, den antiviralen Schutz, den zellulĂ€ren Energiestoffwechsel sowie die Reaktion des Körpers auf Stresshormone. Vor diesem Hintergrund werten die Forschenden das Symptom der Erschöpfung nicht als isoliertes PhĂ€nomen, sondern als direkte Folge einer gestörten Immun-, Hormon- und Nervenregulation.

Anzeige

Warum fĂŒhlen Sie sich stĂ€ndig mĂŒde und haben Schmerzen? Stille EntzĂŒndungen könnten der Grund sein. Ein kostenloser Selbsttest verrĂ€t, ob Ihr Körper heimlich unter EntzĂŒndungen leidet – und was Sie dagegen tun können. 12 natĂŒrliche EntzĂŒndungs-Killer entdecken

Die Rolle von LAG3 und diagnostische LĂŒcken

Eine zentrale Funktion innerhalb dieser Netzwerke weist die Studie dem Gen LAG3 zu, das fĂŒr die Regulierung der AktivitĂ€t von Immunzellen zustĂ€ndig ist. Bei ME/CFS steht dieses Gen den Analysen zufolge in Zusammenhang mit der Erschöpfung bereits aktivierter Abwehrzellen.

Die AufschlĂŒsselung dieser molekularen Mechanismen berĂŒhrt eine gravierende VersorgungslĂŒcke. Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC verdeutlichen die Problematik: Demnach könnten bis zu 3,3 Millionen Amerikaner von ME/CFS betroffen sein, wĂ€hrend zugleich lediglich 10 Prozent von ihnen eine gesicherte Diagnose erhalten haben. FĂŒr die chronische Fatigue existiert in der klinischen Praxis bislang kein standardisierter Labortest.

Anzeige

Wer die Ursachen fĂŒr chronische Erschöpfung und Immunprobleme besser verstehen möchte, sollte seine Blutwerte im Blick behalten. Dieser kostenlose Report erklĂ€rt, welche Werte wirklich wichtig sind – und welche oft ĂŒberbewertet werden. Laborwerte-Selbstcheck jetzt kostenlos herunterladen

Perspektiven fĂŒr Diagnostik und experimentelle Grenzen

Aus den im Journal of Translational Medicine veröffentlichten Ergebnissen leitet das Team der University of East Anglia Möglichkeiten fĂŒr die Entwicklung kĂŒnftiger Bluttests ab, was insbesondere fĂŒr die Diagnostik von Fatigue-ZustĂ€nden von Bedeutung sein könnte. Zudem hoffen die Autoren auf die Erschließung gemeinsamer therapeutischer AnsĂ€tze.

Zugleich verweist die University of East Anglia auf methodische EinschrĂ€nkungen: Ein Beleg dafĂŒr, dass sich alle fĂŒnf Krankheitsbilder durch gezielte Genmanipulation heilen ließen, liege nicht vor. Da ein Großteil der ermittelten ZusammenhĂ€nge auf Computermodellen basiert, steht eine experimentelle BestĂ€tigung noch aus. Die vorgelegten Ergebnisse bedĂŒrfen daher weiterer wissenschaftlicher Validierung.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70353855 |