CIFSwitch-Lücke: Linux-Kernel-Bug von 2007 ermöglicht Root-Zugriff
29.05.2026 - 07:03:35 | boerse-global.deSicherheitsforscher haben Angriffsmethoden veröffentlicht, mit denen unprivilegierte Nutzer volle administrative Kontrolle übernehmen können. Besonders betroffen sind gängige Distributionen wie Linux Mint, CentOS und Ubuntu.
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CIFSwitch: Eine 19 Jahre alte Schwachstelle
Am 28. Mai 2026 enthüllte der Forscher Asim Manizada eine Sicherheitslücke namens CIFSwitch. Sie betrifft das CIFS-Protokoll zur Dateifreigabe und erlaubt Angreifern, durch manipulierte Schlüsselbeschreibungen schadhafte Module zu laden. Entdeckt wurde der Fehler mithilfe KI-gestützter Analyse – der zugrundeliegende Kernel-Bug existiert seit 2007.
Bestätigt betroffen sind Linux Mint 21.3 und 22.3, CentOS Stream 9, Rocky Linux 9 sowie AlmaLinux 9.7. Auch Ubuntu 18.04 bis 22.04 LTS und Debian 11 bis 13 sind verwundbar, sofern das Paket cifs-utils installiert ist und bestimmte Sicherheitsrichtlinien großzügig konfiguriert wurden.
Die Entwicklerteams haben bereits Kernel-Patches bereitgestellt. Bis zur Installation empfehlen Experten, das cifs-Modul zu blockieren oder unprivigelierte Benutzernamensräume zu deaktivieren.
Docker-Update schließt „Copy Fail"-Lücke
Einen Tag zuvor, am 27. Mai 2026, veröffentlichte Docker die Version 29.4.3 seiner Engine. Sie entschärft die als CVE-2026-31431 bekannte Schwachstelle „Copy Fail". Der Fehler im AF_ALG-Kryptosubsystem existiert seit 2017 und ermöglicht kontrollierte Schreibzugriffe auf den Seiten-Cache. Im schlimmsten Fall könnten Angreifer kritische Systemdateien manipulieren oder aus Containern ausbrechen.
Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA hatte „Copy Fail" bereits am 1. Mai 2026 in ihre Liste bekannter ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen. Während Kernel-Patches für Debian und RHEL 9 vorliegen, fehlen sie für andere Distributionen wie Ubuntu noch. Docker nutzt nun AppArmor- und SELinux-Richtlinien, um das verwundbare Subsystem vorläufig zu blockieren.
Neue Exploits für PinTheft und Dirty Frag
Ebenfalls am 27. Mai veröffentlichte das Sicherheitsteam V12 einen Proof-of-Concept-Exploit für die PinTheft-Lücke. Sie betrifft das RDS-Modul (Reliable Datagram Sockets) und ist besonders für Arch Linux relevant, wo das Modul standardmäßig aktiviert ist. Der Exploit nutzt einen Double-Free-Fehler, um den Seiten-Cache zu überschreiben und Root-Rechte zu erlangen.
Bereits Anfang Mai waren die Schwachstellen Dirty Frag (CVE-2026-43284, entdeckt am 8. Mai) und Fragnesia (CVE-2026-46300, entdeckt am 13. Mai) öffentlich geworden. Sie betreffen Logikfehler in der Kernel-Verarbeitung von ESP- und RxRPC-Protokollen. Sicherheitsanalysten bestätigen eine hohe Erfolgsrate der Exploits auf aktuellen Distributionen wie Ubuntu 24.04.4, RHEL 10.1 und Fedora 44.
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BSI warnt – Industrie reagiert
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat am 27. Mai aktualisierte Warnungen zu mehreren Linux-Kernel-Schwachstellen herausgegeben, die bereits Anfang April gemeldet wurden. Die als mittelschwer eingestuften Lücken könnten Denial-of-Service-Angriffe ermöglichen oder Sicherheitsmechanismen auf Cloud- und Unternehmensplattformen umgehen – darunter Amazon Linux 2, Red Hat und Microsoft Azure Linux.
Als Reaktion auf die systemischen Risiken haben Industrieausrüster wie Moxa vorläufige Richtlinien für ihre Produkte veröffentlicht. Sie empfehlen, bestimmte Kernel-Module wie algif_aead und rxrpc auf die schwarze Liste zu setzen, um lokale Rechteausweitungen zu verhindern – bis dauerhafte Patches für ihre eingebetteten Systeme validiert sind.
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