Cl0p-Ransomware: Datendiebstahl bei 50 Konzernen – Shell und Philips betroffen
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 17:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die berüchtigte Ransomware-Gruppe Cl0p hat einen massiven Datendiebstahl bei fast 50 multinationalen Konzernen eingestanden – darunter Energieriese Shell und Medizintechnik-Hersteller Philips. Die Angreifer sollen sensible Unternehmensdaten im großen Stil erbeutet haben.
Unternehmen bestätigen Sicherheitsvorfälle
Philips hat den Vorfall bereits eingeräumt. Der Konzern bestätigte, einen Cyberangriff auf interne Unternehmensserver erkannt und eingedämmt zu haben. Wichtig für Kunden: Die Systeme für Patientenversorgung und medizinische Geräte seien nicht betroffen gewesen. Nach Angaben der Erpresser erbeutete die Gruppe rund 13,5 Gigabyte an Daten von Philips – überwiegend technische Zeichnungen und Konstruktionspläne.
Auch Shell reagierte auf die Vorwürfe. Der Ölkonzern hat Sicherheitsteams und externe Experten eingeschaltet, um den möglichen Vorfall zu untersuchen. Die Täter behaupten, etwa 89 Gigabyte an Material aus Shell-Netzwerken gestohlen zu haben: Fotos von Industrieanlagen, Projektzeichnungen für Energie-Standorte, technische Inspektionsberichte und Planungsdokumente.
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Der Finanzdienstleister Fiserv zeigt sich nach eigenen Angaben entspannt: Eine umfassende Prüfung habe keine Hinweise auf kompromittierte Kunden-, Bank- oder Transaktionsdaten ergeben. Auch General Electric bestätigte, die Behauptungen zu kennen und die üblichen Sicherheitsprotokolle aktiviert zu haben.
Sicherheitslücken in Unternehmenssoftware als Einfallstor
Sicherheitsforscher sehen einen klaren Zusammenhang zwischen der aktuellen Angriffswelle und Schwachstellen in weit verbreiteter Unternehmenssoftware. Eine Analyse von Google Threat Intelligence und Mandiant vom 13. August zeigt: Dutzende Organisationen wurden durch eine kritische Lücke in Oracle E-Business Suite kompromittiert.
Die Schwachstelle mit der Kennung CVE-2025-61882 und einem Schweregrad von 9,8 von 10 erlaubt Angreifern, Netzwerke zu durchbrechen und Daten abzugreifen – ohne sich seitlich durch die Unternehmensumgebung bewegen zu müssen. Bereits Ende Juli hatte das Ransomware-ISAC vor aktiven Angriffen auf Schwachstellen in den Engineering-Tools PTC Windchill und FlexPLM gewarnt.
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Diese Software wird vor allem in der Fertigungs-, Luftfahrt- und Automobilindustrie eingesetzt, um technische Daten und Produktionsprozesse zu verwalten. Die Strategie der Gruppe ist klar: schnelle Massenausbeutung internetfähiger Anwendungen, bevor Unternehmen Sicherheitsupdates einspielen können.
Erpressung statt Verschlüsselung: Der neue Cl0p-Weg
Die aktuelle Kampagne zeigt einen grundlegenden Wandel im Geschäftsmodell der Gruppe. Statt Dateien zu verschlüsseln, konzentrieren sich die Angreifer auf reinen Datendiebstahl. Das ist einfacher umsetzbar – und oft genauso effektiv. Die Drohung, sensible Daten zu veröffentlichen, setzt Unternehmen unter enormen Druck.
Die Gruppe, die vermutlich aus Osteuropa operiert, hat bereits mehrfach zugeschlagen. 2023 nutzte sie Schwachstellen in MOVEit Transfer und GoAnywhere MFT aus – damals waren weltweit Hunderte Organisationen betroffen. Die aktuelle Kampagne zeigt: Cl0p sucht gezielt nach Sicherheitslücken, die einen gleichzeitigen Zugriff auf Daten mehrerer Großkonzerne ermöglichen. Für die betroffenen Unternehmen beginnt nun ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen die Drohung, dass ihre internen Dokumente schon bald öffentlich werden könnten.
