Claude, Code

Claude Code: Anthropic entfernt heimliche China-Tracking-Software

02.07.2026 - 11:06:56 | boerse-global.de

Sicherheitsforscher deckten verdeckte Überwachungsmechanismen in Anthropics KI-Tool auf. Das Unternehmen entfernte die Funktion nach öffentlicher Kritik.

Anthropic entfernt versteckte Tracking-Funktion aus Claude Code
Claude - Verschattete Gestalt am Computer, Codezeilen mit versteckten Anomalien, digitale Überwachung. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der KI-Entwickler Anthropic hat heimliche Tracking-Mechanismen aus seinem Tool Claude Code entfernt – nachdem Sicherheitsforscher die versteckte Software entdeckt hatten.

Die umstrittene Funktion war darauf ausgelegt, Nutzer aus China oder mit Verbindungen zu chinesischen KI-Laboren zu identifizieren. Das Unternehmen spricht von einem „Experiment“ zur Verhinderung von Modell-Diebstahl. Kritiker sehen darin einen gefährlichen Eingriff in die Privatsphäre.

Entdeckung durch Reverse-Engineering

Ende Juni entdeckten Sicherheitsforscher in Version 2.1.91 von Claude Code die versteckten Mechanismen. Die Überwachungssoftware war seit Anfang April aktiv. Sie prüfte unter anderem die Zeitzone des Nutzers – etwa Asia/Shanghai oder Asia/Urumqi – und scannte Proxy-URLs sowie Hostnamen nach bekannten chinesischen KI-Firmen und Wiederverkäufern.

Besonders perfide: Anthropic nutzte Steganographie, um die Daten unbemerkt zu übertragen. Das Tool veränderte winzige Unicode-Zeichen in System-Prompts oder Datumszeilen – etwa Apostrophe oder Gedankenstriche. Diese kaum sichtbaren Anpassungen dienten als digitale Fingerabdrücke, die den Anthropic-Servern signalisierten, ob eine Anfrage aus einer gesperrten Region oder von einem Wettbewerber kam.

Anzeige

Der Fall Anthropic zeigt, wie schnell der Einsatz von KI-Tools mit rechtlichen Grauzonen und neuen Compliance-Anforderungen kollidieren kann. Dieser kostenlose Ratgeber bietet Unternehmen einen kompakten Überblick über die Pflichten und Fristen der neuen EU-Gesetzgebung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Der Kampf gegen Modell-Distillation

„Das war ein Experiment, das im März begann“, erklärte Anthropic-Entwickler Thariq Shihipar. Ziel war die Verhinderung von Distillation – einem Verfahren, bei dem Konkurrenten die Ergebnisse eines teuren KI-Modells nutzen, um ihre eigenen, günstigeren Versionen zu trainieren.

Das Unternehmen hat mehrere chinesische Firmen identifiziert, die diese Methode einsetzen, darunter DeepSeek, Moonshot AI und MiniMax. Besonders schwerwiegend war ein Vorfall mit Alibaba zwischen dem 22. April und dem 5. Juni. Damals entdeckte Anthropic rund 25.000 betrügerische Konten, die in 28,8 Millionen Austauschvorgängen mit dem Claude-Modell einen massiven Distillations-Angriff durchführten.

Debatte um Sicherheit und Privatsphäre

Die Enthüllung der versteckten Überwachungssoftware hat eine Grundsatzdebatte ausgelöst. Einerseits argumentiert Anthropic, das Experiment sei notwendig gewesen, um den unbefugten Abfluss amerikanischer KI-Fähigkeiten zu verhindern. Andererseits sehen Kritiker das Vertrauen in die Branche beschädigt.

„Solche verdeckten Überwachungsmechanismen untergraben das Vertrauen der Nutzer“, warnte ein Datenschutzexperte. Die Frage nach der ethischen Zulässigkeit von sogenannten „Kill-Switches“ in KI-Software wird nun intensiv diskutiert.

Anzeige

Neben ethischen Fragen bringen neue Technologien auch komplexe regulatorische Vorgaben für die IT-Sicherheit mit sich. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche rechtlichen Pflichten und neuen Cyberrisiken Unternehmer jetzt kennen müssen. Kostenlosen Cyber Security Report abrufen

Rücknahme und neue Maßnahmen

Am 1. Juli entfernte Anthropic die Tracking-Funktion mit einem Software-Update. Das Unternehmen verspricht, künftig auf stärkere und vor allem transparente Schutzmaßnahmen zu setzen. Dazu gehören verbesserte Identitätsprüfungen und Abwehrmechanismen gegen Missbrauch.

Die Entwicklung kommt zu einem brisanten Zeitpunkt: Erst kürzlich lockerte das Weiße Haus bestimmte Zugangsbeschränkungen für ausländische Nutzer. Der Druck auf KI-Entwickler steigt, ihr geistiges Eigentum zu schützen – ohne auf fragwürdige Überwachungsmethoden zurückzugreifen.

de | wissenschaft | 69671311 |