Claude Code: China warnt vor Datenleck in Versionen 2.1.91–2.1.196
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 15:23 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die chinesische Industrieaufsicht hat eine formelle Sicherheitswarnung zu Anthropics KI-gestütztem Programmierassistenten Claude Code herausgegeben. Der Vorwurf: Eine Sicherheitslücke könnte sensible Nutzerdaten unbemerkt ins Ausland übertragen.
Datenleck befürchtet – Behörde schlägt Alarm
Die Nationale Schwachstellen-Datenbank Chinas (NVDB), eine Behörde unter dem Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT), meldete am heutigen Mittwoch konkrete Sicherheitsmängel. Demnach enthalten die Versionen 2.1.91 bis 2.1.196 von Claude Code – veröffentlicht zwischen April und Juni 2026 – Code, der Nutzer verfolgen kann. Die Regulierungsbehörde warnt, dass diese Versionen Standort- und Identitätsdaten ohne Zustimmung der Anwender an externe Server übermitteln könnten.
Das MIIT forderte die Nutzer umgehend auf, die betroffenen Versionen zu deinstallieren oder auf die aktuellste Version zu aktualisieren. Zudem empfiehlt die Behörde Unternehmen, ihre Netzwerkkontrollen zu verschärfen, um unerlaubte Datenabflüsse frühzeitig zu erkennen.
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Chinesische Tech-Konzerne reagieren mit Verbot
Der behördliche Warnruf kommt nicht aus heiterem Himmel. Bereits Anfang Juli hatten große chinesische Technologieunternehmen interne Konsequenzen gezogen. Alibaba verhängte ein Verbot der Nutzung von Claude Code für Arbeitsaufgaben. Erste Einschränkungen gab es bereits am 3. Juli, der vollständige Stopp des Tools soll bis zum 10. Juli umgesetzt sein.
Die betroffenen Entwicklerteams bei Alibaba wurden angewiesen, auf Qoder, ein alternatives KI-Programmierwerkzeug, umzusteigen. Der Schritt zeigt, wie tief das Misstrauen gegenüber ausländischen KI-Tools in sensiblen Entwicklungsbereichen inzwischen sitzt.
Anthropic: Tracking war Anti-Missbrauchs-Experiment
Anthropic, das Unternehmen hinter Claude Code, wehrt sich gegen die Vorwürfe. Ein Ingenieur des Unternehmens erklärte, die Tracking-Funktion sei Teil eines technischen Experiments gewesen. Gestartet im März 2026, sollte es unbefugte Nutzung und sogenannte „Model Distillation“ verhindern – einen Prozess, bei dem ein Wettbewerber die Ergebnisse eines bestehenden Modells nutzt, um sein eigenes System zu trainieren.
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Das Unternehmen betont, die Verfolgung habe dem Schutz des geistigen Eigentums und der Verhinderung von Missbrauch gedient – nicht der Kompromittierung von Nutzerdaten. Anthropic hatte zuvor Bedenken geäußert, dass seine KI-Technologie von anderen Branchenakteuren gezielt extrahiert werde. Nach der Sicherheitswarnung kündigte das Unternehmen an, den experimentellen Code zurückzuziehen.
Politische Dimension: China denkt über weitere Beschränkungen nach
Die Sicherheitsbedenken haben eine politische Dimension. Das chinesische Handelsministerium hat sich nach Informationen aus Regierungskreisen mit einheimischen Technologieunternehmen getroffen. Thema: mögliche weitere Beschränkungen des ausländischen Zugriffs auf heimische KI-Technologien. Begründet wird dies mit der Notwendigkeit einer verstärkten Kontrolle grenzüberschreitender Datenflüsse. Für deutsche Unternehmen, die mit chinesischen Partnern im KI-Bereich zusammenarbeiten, dürfte dies die ohnehin komplexe regulatorische Landschaft weiter verkomplizieren.
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