Claude-Diebstahl: China extrahierte 151 Mio. Exchanges von Anthropic
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 14:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic beschuldigt mehrere chinesische Technologiekonzerne und Forschungslabore, die Fähigkeiten seines Sprachmodells Claude in großem Stil systematisch extrahiert zu haben.
Einem aktuellen Bericht zufolge wurden zwischen Frühjahr und Sommer 2026 umfangreiche Kampagnen zur sogenannten Wissensdestillation identifiziert, bei denen Antworten des Modells Claude abgegriffen wurden, um die Leistungsfähigkeit eigener chinesischer Modelle zu steigern.
Massives Ausmaß der Datenextraktion durch Alibaba und Moonshot AI
Die Vorwürfe richten sich gegen namhafte Akteure der chinesischen Tech-Branche. Laut Anthropic sei insbesondere das Umfeld von Alibaba durch eine großangelegte Kampagne aufgefallen.
Zwischen Mai und Juli 2026 seien über 151 Mio. Claude-Exchanges verzeichnet worden. Dabei seien mehr als 3.500 Betrugskonten eingesetzt worden, um die Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen. In einem weiteren Berichtsteil wird die Zahl der genutzten Konten im Zusammenhang mit Alibaba sogar auf über 5.000 beziffert.
Auch Moonshot AI stehe im Fokus der Vorwürfe. Demnach seien über 23 Mio. Exchanges sowie rund 300.000 Kundenanfragen innerhalb von nur zehn Tagen über Claude abgewickelt worden. Anthropic-Angaben zufolge soll Moonshot insgesamt 17 US-Modelle destilliert haben, darunter auch die Version Claude Fable 5 für das eigene Modell Kimi K3.
Weitere namentlich genannte Unternehmen sind DeepSeek mit über 12,1 Mio. Exchanges innerhalb von 14 Tagen im Juli 2026 sowie Zhipu (Z.AI) mit über 3,4 Mio. Exchanges über 273 Konten im Zeitraum von Juni bis Juli 2026. Auch Xiaomi wird mit über 400.000 Exchanges in einem Zeitraum im Frühjahr 2026 aufgeführt.
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Strategien zur Umgehung von Sicherheitsbarrieren
Jacob Klein, Leiter der Bedrohungsanalyse bei Anthropic, bezeichnete die Vorgänge als Teil eines illegalen Ökosystems, das den Zugang zu Claude-Modellen erzwinge. Die Akteure nutzten laut Bericht gefälschte Identitäten, Kreditkarten und API-Schlüssel sowie Graumarkt-Transferstationen, um geografische Sperren zu umgehen. Teilweise seien Antworten von Claude direkt als eigene Leistungen der chinesischen Modelle ausgegeben worden.
Ein aktuelles Regierungs-Advisory von NSA, CISA und FBI stützt die Erkenntnisse und nennt sechs betroffene Firmen. Die CISA erklärte, dass chinesische Unternehmen die industrielle Wissensdestillation als Kern ihrer Strategie betreiben würden. Das chinesische Handelsministerium wies die Vorwürfe hingegen als grundlos und rechtlich unhaltbar zurück.
Schwindender Vorsprung der US-Technologie
Die Auswirkungen dieser Praktiken auf den globalen Wettbewerb werden in der Branche intensiv diskutiert. Ein führender Mitarbeiter von Anthropic erklärte bereits im Juli 2026, dass sich der technologische Vorsprung der USA gegenüber China deutlich verkürzt habe.
Lag der Abstand zuvor bei schätzungsweise 12 bis 18 Monaten, so werde er nun auf nur noch 6 bis 9 Monate taxiert. Bei einer Fortsetzung dieses Trends sei eine Parität der Modellfähigkeiten bis Mitte 2027 möglich.
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Aidan Gomez, CEO von Cohere, bezeichnete chinesische Modelle als Weltklasse und warnte, dass der US-Vorsprung sehr schnell schwinde. Er gab jedoch zu bedenken, dass der Fortschritt nicht allein durch Destillation erklärbar sei, da einige chinesische Modelle US-Konkurrenten in Benchmarks bereits übertreffen würden.
Der Analyst Neil Shah von Counterpoint ergänzte, dass die bestehenden Chip-Beschränkungen China dazu gezwungen hätten, effizientere Architekturen zu entwickeln.
In den USA führte die Debatte bereits zu ersten Konsequenzen in Behörden. Die National Archives entfernten Mitte September 2026 eine KI-Suchfunktion von ihrer Website, nachdem bekannt wurde, dass diese auf dem Qwen-Modell von Alibaba basierte.
US-Präsident Trump betonte die Bedeutung der Technologieführerschaft und erklärte, dass derjenige, der die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz gewinne, letztlich den globalen Wettbewerb für sich entscheide. Ein Treffen zwischen Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi in Washington ist für Ende September 2026 geplant.
