Claude Opus 5: KI-Modell automatisiert Cyberangriff auf OpenAI
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 11:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsforscher des in San Francisco ansässigen Startups Hacktron AI haben demonstriert, wie fortgeschrittene KI-Modelle zur Automatisierung komplexer Cyberangriffe eingesetzt werden können.
In einer autorisierten Untersuchung nutzte das Team Modelle des Typs Claude Opus 4.8 und Opus 5 von Anthropic, um in die Systeme des Wettbewerbers OpenAI einzudringen. Dabei gelang es den Experten, weitreichenden Zugriff auf interne Infrastrukturen, Kommunikationskanäle und Quellcode-Verzeichnisse zu erlangen.
Technischer Ablauf und die Rolle der KI-Modelle
Die Forscher Harsh Jaiswal, Mohan Pedhapati und Rahul Maini identifizierten im Juli eine kritische Schwachstelle im Bild-Upload-Bereich der Website community.openai.com. Es handelte sich dabei um einen sogenannten Heap-Buffer-Overflow in der Bibliothek libheif, der mit einem CVSS-Wert von 8.8 eingestuft wurde. Diese Lücke ermöglichte eine Remote Code Execution (RCE), also das Ausführen von beliebigem Programmkode aus der Ferne.
Das Team setzte Claude Opus 5 ein, um einen funktionsfähigen Exploit für die ARM64-Architektur zu entwickeln. Laut den beteiligten Forschern lieferte die KI den fertigen Exploit innerhalb weniger Stunden. Der gesamte Prozess – von der Identifizierung der Schwachstelle bis zum Erlangen des Systemzugriffs – dauerte weniger als 72 Stunden.
Neue KI-Gesetze, neue Cyberrisiken: Was kommt wirklich auf Ihr Unternehmen zu? Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt kennen müssen. Kostenloses E-Book zu Cyber Security Awareness Trends herunterladen
Nach dem ersten Eindringen nutzten die Forscher einen Fehler im Single-Sign-On-Verfahren (SSO) von OpenAI aus. Dadurch verschafften sie sich Zugriff auf ChatGPT- und Codex-Accounts, wobei auch das Konto eines OpenAI-Mitarbeiters kompromittiert wurde. In der Folge erlangte das Team Zugriff auf weitere interne Dienste wie Outlook und Slack sowie die GitHub-Organisation von OpenAI.
Eindringen in das Quellcode-Repository
Im weiteren Verlauf der als „HEIF-Heist“ bezeichneten Kampagne gelang es den Sicherheitsforschern, in das interne GitHub-Monorepo von OpenAI vorzudringen. Um den Erfolg des Zugriffs zu dokumentieren, reichten sie einen harmlosen Pull Request (PR #1186742) in das Verzeichnis openai/openai ein.
Zayne Zhang, CEO von Hacktron AI, erklärte, dass sein Team seit Juli gezielt Sicherheitslücken bei führenden KI-Unternehmen untersuche. Die Kampagne sei über einen Zeitraum von zwei Monaten von drei Personen durchgeführt worden. Dabei fielen für die Nutzung der KI-Modelle Token-Kosten von unter 3.000 US-Dollar an. Die gesamte Forschung fand im Rahmen des offiziellen Bug-Bounty-Programms von OpenAI statt.
Compliance-Experten warnen: Wer die KI-Verordnung ignoriert, riskiert empfindliche Strafen. Dieser Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act bietet einen praxisnahen Überblick über alle neuen Anforderungen und Fristen. Gratis E-Book zur EU-KI-Verordnung sichern
Reaktionen und wirtschaftlicher Kontext
OpenAI reagierte zeitnah auf die Meldung der Sicherheitsforscher. Das Unternehmen behob das Problem rund 14 Stunden nach dem Eingang der Meldung am 25. Juli und bestätigte den Abschluss der Sicherheitsarbeiten für alle gemeldeten Schwachstellen.
Für die Entdeckung und Dokumentation der Lücken zahlte OpenAI eine Prämie in Höhe von 6.500 US-Dollar an Hacktron AI. Einem Bericht zufolge blieben Details zur Dauer und den vollständigen Auswirkungen des Zugriffs zunächst teilweise unklar.
Anthropic, der Hersteller der für den Angriff genutzten Claude-Modelle, kommentierte den Vorfall mit dem Hinweis auf die generelle Leistungsfähigkeit ihrer Technologie. Demnach verfasse Claude mittlerweile rund 80 % des gemergten Codes im eigenen Haus.
Das Unternehmen hatte im Mai eine Series-H-Finanzierungsrunde über 65 Mrd. US-Dollar bei einer Bewertung von 965 Mrd. US-Dollar abgeschlossen und verzeichnete zuletzt einen Run-Rate-Umsatz von über 47 Mrd. US-Dollar.
Der Krypto-Experte Vitalik Buterin äußerte sich ebenfalls zu dem Vorfall. Er vertrat die Ansicht, dass KI-gestütztes Hacking die Grundlagen von Cybersecurity und Kryptographie zwar nicht zerstöre, die betroffenen Teams jedoch zu einer deutlich höheren Reaktionsgeschwindigkeit gezwungen seien.
