Cloud-AbhÀngigkeit: US-Anbieter kontrollieren 70% des EU-Marktes
Veröffentlicht am: 30.05.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin umfassendes âTechnologiesouverĂ€nitĂ€tspaketâ soll am 3. Juni 2026 vorgestellt werden und die Weichen fĂŒr eine digitale EigenstĂ€ndigkeit Europas stellen.
Das Paket im Detail: Gesetze und Notfallbefugnisse
Das MaĂnahmenbĂŒndel umfasst drei zentrale Gesetzesvorhaben: den Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz, einen neuen Chips Act sowie Förderprogramme fĂŒr Open-Source-Software. Besonders brisant: Die EU-Kommission soll weitreichende Krisenbefugnisse erhalten. KĂŒnftig könnte sie Hersteller per Anordnung verpflichten, bestimmte ProduktionsauftrĂ€ge zu priorisieren. Auch die gemeinsame Beschaffung kritischer Technologien fĂŒr alle Mitgliedsstaaten wĂ€re möglich.
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Der Vorstoà hat bereits internationale Reaktionen ausgelöst. Der US-Botschafter Puzder warnte vor einer Abkehr vom Freihandel und sprach von protektionistischen Tendenzen. Doch wie dringend der Schritt ist, zeigen aktuelle Zahlen: US-Cloud-Anbieter halten rund 70 Prozent des europÀischen Marktes.
Deutsche Wirtschaft besonders verletzlich
Eine Bitkom-Umfrage aus dem Winter 2025/2026 offenbart die ganze Dramatik der Lage: Neun von zehn deutschen Unternehmen sehen sich als abhĂ€ngig von digitalen Importen. WĂŒrden die USA den Technologiezugang komplett sperren, könnten die Firmen maximal ein Jahr ĂŒberleben.
Die Infrastrukturprobleme sind eklatant. Laut einer Studie von Hitachi Vantara verfĂŒgen nur 27 Prozent der europĂ€ischen Unternehmen ĂŒber eine zuverlĂ€ssige Datenmanagement-Infrastruktur. Hinzu kommt ein Sicherheitsrisiko, das viele unterschĂ€tzen: Selbst europĂ€ische KI-Modelle laufen oft auf US-Cloud-Servern. Das macht sie potenziell auslĂ€ndischer Rechtsprechung zugĂ€nglich â etwa dem US Cloud Act.
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EuropÀische Alternativen entstehen
Doch es tut sich etwas. In den Niederlanden haben KPN und Schwarz Digits â die Muttergesellschaft von Lidl und Kaufland â eine europĂ€ische Sovereign Cloud auf den Markt gebracht. Die STACKIT-Plattform soll eine echte alternative zu den US-Hyperscalern bieten. Die niederlĂ€ndische Zentralbank nutzt die Dienste bereits, um sich vom Vendor-Lock-In zu befreien.
GroĂkonzerne wie Airbus, ASML, SAP und Siemens plĂ€dieren fĂŒr einen pragmatischen Ansatz. Statt totaler Autonomie empfehlen sie eine Strategie der âKontrollpunkteâ entlang der globalen Wertschöpfungskette. Europa solle sich auf jene Segmente konzentrieren, in denen es wirklich unabhĂ€ngig sein mĂŒsse.
US-Anbieter stellen sich neu auf
Die amerikanischen Technologiekonzerne reagieren ihrerseits auf den Druck aus BrĂŒssel. Die AWS European Sovereign Cloud ist seit Januar 2026 allgemein verfĂŒgbar. Unternehmen wie T-Systems positionieren sich zunehmend als BrĂŒckenbauer zwischen US-Technologie und europĂ€ischen Compliance-Anforderungen. Atos unterstĂŒtzt den Wandel mit speziellen Studios, die KI-gestĂŒtzte Migrationen managen und die Einhaltung der EU-Datenschutzstandards sicherstellen.
Die Frage bleibt: Reichen diese Initiativen aus, oder braucht Europa einen radikaleren Kurs? Die Antwort wird die Kommission am 3. Juni liefern.
