Cloud, Development

Cloud and AI Development Act: EU plant digitale Unabhängigkeit bis 2035

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 09:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission schlägt den Cloud and AI Development Act vor, um die digitale Souveränität zu stärken und die Dominanz amerikanischer Technologiefirmen zu brechen.

EU-Kommission will mit CADA die Cloud-Abhängigkeit von US-Konzernen reduzieren
Stilisierter Serverraum mit blauen Lichtspuren, die Datenfluss und digitale Infrastruktur in der EU symbolisieren. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Die Europäische Kommission hat Anfang Juli 2026 den „Cloud and AI Development Act“ (CADA) vorgeschlagen – ein Gesetzespaket, das die digitale Souveränität Europas massiv stärken soll. Kernziel: Die Abhängigkeit von US-Technologiekonzernen drastisch reduzieren.

Datenzentren: Kapazität verdreifachen, Genehmigung beschleunigen

Das Herzstück des Vorschlags ist ambitioniert: Bis 2035 soll sich die Rechenzentrumskapazität der EU verdreifachen. Um dieses Ziel zu erreichen, greift die Kommission ein bekanntes Problem an – die viel zu langen Genehmigungsverfahren. Künftig sollen Mitgliedstaaten neue Infrastrukturprojekte innerhalb von maximal 18 Monaten absegnen müssen. Die Frist gilt ab 2030.

Doch CADA geht weiter. Das Gesetz führt vier sogenannte „Souveränitätsstufen“ für Cloud-Dienste ein. Sie reichen von Level 1 (bloße Datenspeicherung in der EU) bis Level 4 (vollständige Abschottung von nicht-europäischer Rechts- und Betriebskontrolle). Öffentliche Einrichtungen müssen künftig Risikoanalysen durchführen und je nach Ergebnis die passende Schutzstufe wählen. Die Folge: Bei ein bis zehn Prozent aller staatlichen Cloud-Aufträge könnten Anbieter von außerhalb der EU ganz ausgeschlossen werden.

Der Markt spricht eine klare Sprache

Die Zahlen zeigen, warum die Kommission handelt. Der Marktanteil europäischer Cloud-Anbieter ist von 29 Prozent (2017) auf magere 15 Prozent (2022) eingebrochen. Drei US-Hyperscaler – Amazon, Microsoft und Google – kontrollieren inzwischen rund 70 Prozent des EU-Marktes. Noch deutlicher wird die Abhängigkeit bei digitalen Produkten: Rund 80 Prozent importiert die EU. Von den geschätzten 264 Milliarden Euro öffentlichen IT-Ausgaben fließt ein ähnlich hoher Anteil an US-Firmen.

Zum Vergleich: Der deutsche DAX-Konzern SAP kämpft ebenfalls mit der Cloud-Dominanz amerikanischer Rivalen. Und die Telekom, einer der größten europäischen Netzbetreiber, setzt zunehmend auf eigene Sovereign-Cloud-Lösungen – ein Trend, den CADA nun gesetzlich untermauert.

Trotz der düsteren Bilanz gibt es Hoffnung: Der Markt für souveräne Cloud-Dienste soll bis 2031 auf 100 Milliarden Euro wachsen. Die Kommission macht ernst – und vergab bereits im April 2026 einen 180-Millionen-Euro-Auftrag an vier Anbieter, basierend auf einem im Oktober 2025 etablierten Cloud-Souveränitätsrahmen.

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KI-Cybersicherheit: Neun Maßnahmen gegen Abhängigkeit

Nur zwei Tage nach CADA, am 7. Juli 2026, legte die Kommission einen ergänzenden Aktionsplan für KI-Cybersicherheit vor. Er enthält neun konkrete Maßnahmen – darunter einen europäischen „Blueprint“ für den strukturierten Zugang zu fortgeschrittenen KI-Modellen sowie Notfallpläne für den Fall, dass der Zugang zu ausländischen Systemen eingeschränkt wird.

Der Hintergrund: Erst kürzlich hatten die USA vorübergehend Exportkontrollen für bestimmte Anthropic-Modelle verhängt – ein Weckruf für Brüssel. Der neue Aktionsplan führt keine zusätzlichen Gesetze ein, sondern ergänzt das bestehende KI-Gesetz (AI Act), dessen Durchsetzung am 2. August 2026 beginnt. Finanziert wird das Ganze unter anderem mit 200 Millionen Euro aus Horizon Europe und 100 Millionen Euro aus dem EIC-Fonds.

Ein umfassendes Souveränitätspaket

CADA ist nur ein Puzzleteil. Das gesamte „Tech Sovereignty Package“, das die Kommission bereits Anfang Juni 2026 vorstellte, umfasst mehrere strategische Initiativen:

  • Chips Act 2.0: Die EU will bis 2030 einen globalen Marktanteil von 20 Prozent bei Halbleitern erreichen. Dazu gehört der Bau einer offenen Foundry fĂĽr Chips unter 3 Nanometern zwischen 2030 und 2033.
  • Open-Source-Strategie: Europäische Software soll gefördert werden, um mehr öffentliche IT-Ausgaben in der EU zu halten.
  • Energie-Fahrplan: Fokus auf intelligente Stromnetze und ein neues Bewertungssystem fĂĽr die Energieeffizienz von Rechenzentren.
  • Unternehmensziele: 75 Prozent aller EU-Unternehmen sollen bis 2030 Cloud-Dienste nutzen.
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Der Gesetzesvorschlag liegt nun bis zum 27. August 2026 zur öffentlichen Konsultation aus. Analysten rechnen mit einem Gesetzgebungsprozess von ein bis drei Jahren. Doch schon jetzt zeichnet sich ein härterer Kurs ab: Im Mai 2026 blockierten die Niederlande eine Übernahme von Solvinity durch Kyndryl – ein klares Signal, dass die Mitgliedstaaten die Kontrolle über ihre digitale Infrastruktur nicht kampflos aufgeben.

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