Cloud-Wende: Erstmals mehr Workloads extern als im Eigenbetrieb
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Erstmals laufen mehr Unternehmens-Workloads in externen Infrastrukturen als in eigenen Rechenzentren. Das zeigt die Uptime-Studie 2026, für die zwischen April und Mai mehr als 1.600 Teilnehmer befragt wurden. 46 Prozent der IT-Last entfallen demnach auf Cloud-Dienste, Colocation oder Hosting – der klassische Eigenbetrieb sinkt auf 44 Prozent. Branchenanalysten erwarten bis 2028 einen weiteren Anstieg auf 48 Prozent.
KI treibt die Auslagerung
Haupttreiber ist der enorme Bedarf an Rechenleistung für KI-Anwendungen. Während herkömmliche Serverumgebungen rund 11 kW pro Rack leisten, benötigen spezialisierte KI-Rechenzentren über 30 kW. Diese Leistungsdichte lässt sich intern oft kaum abbilden – die Auslagerung wird zur logischen Konsequenz.
Managed Services gegen den Fachkräftemangel
Die Verlagerung ist längst auch eine Personalstrategie. Eine Lünendonk-Studie aus 2025 zeigt: Zwei Drittel der befragten Unternehmen stufen Managed Services als strategisch relevant ein. 72 Prozent wollen damit Arbeitsspitzen abfedern, 60 Prozent suchen Zugang zu externem Fachwissen.
Der Bedarf ist enorm: 70 Prozent der Fachbereichsleitungen sehen erhebliche Rückstände in der Aufgabenbearbeitung. Standardisierte Dienste und KI-gestützte Triage-Systeme sollen helfen. Doch die Personalsituation verschärft sich – mehr als die Hälfte der Rechenzentrumskunden meldete im Frühjahr 2026 Probleme bei der Personalbeschaffung.
Hybride Modelle und moderne Netzwerke
Deutsche Firmen setzen bei der Umgestaltung auf Hybrid-Clouds. Laut ISG Provider Lens 2026 laufen hochsensible Systeme bevorzugt in privaten oder hybriden Umgebungen, während öffentliche Cloud-Ressourcen selektiv zum Einsatz kommen.
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Parallel modernisieren Unternehmen ihre Netzwerkarchitekturen. Softwaredefinierte Netzwerke ersetzen zunehmend veraltete Systeme. Ansätze wie SASE und Zero-Trust-Architekturen erhöhen das Sicherheitsniveau. Die Budgets folgen dem Trend: 55 Prozent der Unternehmen erhöhen ihre IT-Ausgaben, wobei Cybersecurity und Modernisierung die höchste Priorität genießen.
Regulierung und digitale Souveränität
Das regulatorische Umfeld wird komplexer. Seit dem 2. August gilt der EU AI Act für Hochrisiko-Systeme – Unternehmen müssen ihre KI-Anbieter genau prüfen. Dazu kommen NIS2, das seit Ende 2025 rund 30.000 deutsche Firmen betrifft, und DORA im Finanzsektor.
Die Abhängigkeit von US-Anbietern sorgt für Unruhe: 85 Prozent der Unternehmen sehen laut Bitkom Cloud Report 2026 eine zu große Abhängigkeit von amerikanischen Providern. Das EU Cloud Sovereignty Framework soll Abhilfe schaffen. Erste Anbieter reagieren mit souveränen Cloud-Lösungen, die rechtlich und operativ von US-Mutterkonzernen getrennt sind.
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Ausfälle werden teurer
Trotz aller Vorteile bleiben Baustellen: Für 79 Prozent der Betreiber sind die Kosten das zentrale Problem. Die Ausfallsicherheit rückt ebenfalls in den Fokus – schwere Ausfälle werden seltener, aber teurer. In 71 Prozent der Fälle überstiegen die Kosten 100.000 US-Dollar. Experten warnen zudem vor blinden Flecken bei KI-Abhängigkeiten: Die meisten Führungskräfte können die Folgen eines Ausfalls ihrer primären KI-Partner kaum abschätzen.
