Collabora-Pilot in Dänemark: Ministerium beendet Office-Alternative nach Hürden
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 04:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deDänemarks Digitalisierungsministerium hat einen Pilotversuch zur Ablösung von Microsoft Office durch die Open-Source-Lösung Collabora beendet. Wie das Branchenportal Computer Sweden in einem Bericht vom 21. Oktober 2026 darlegte, war das Projekt im Sommer 2025 mit 38 Mitarbeitern gestartet und lief gut ein halbes Jahr. Ziel der Initiative war es, die behördliche Abhängigkeit von US-Technologiekonzernen schrittweise zu verringern.
Technische HĂĽrden im Arbeitsalltag
Der praktische Einsatz im Ministerium offenbarte jedoch erhebliche Schwierigkeiten bei der täglichen Büroarbeit. Zu den ausschlaggebenden Gründen für das Ende des Vorhabens zählten laut dem Bericht wiederkehrende Fehler bei der Dokumentformatierung, das Auftreten leerer Seiten sowie Probleme mit der Änderungsverfolgung. Eine formelle Auswertung des Projekts führte das Ministerium nach dem Abbruch nicht durch.
Der Fall verdeutlicht die praktischen Herausforderungen europäischer Verwaltungen, die Arbeitsplätze auf Open-Source-Alternativen umzustellen, wenn etablierte Dateiformate und Workflows tief im Behördenbetrieb verankert sind.
Pragmatische Parallelsysteme und wachsende Nachfrage
Trotz des Rückschlags im Ministerium verfolgen andere Stellen in Dänemark weiterhin alternative Wege. Die dänische Ishøj Kommune nutzt beispielsweise Microsoft und Nextcloud mit Euro-Office parallel. Der dortige CIO Christian Koerner berichtete diesbezüglich von gewonnener Handlungsfreiheit, neuen Kompetenzprofilen und messbaren Einsparungen.
Wer sich mit dem Wechsel zu quelloffener Software befasst, findet in diesem Startpaket eine bewährte Lösung für den digitalen Büroalltag. Das kostenlose LibreOffice Startpaket zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Word, Excel & Co. ohne Lizenzkosten nutzen können. Gratis statt teuer: Word und Excel Alternative jetzt sichern
Auf dem Nextcloud Enterprise Day 2026 in Kopenhagen, der mit über 140 Teilnehmern fast doppelt so viele Besucher verzeichnete wie im Jahr 2025, stand die Reduktion von Abhängigkeiten gegenüber großen US-Anbietern ebenfalls im Fokus.
Unter anderem präsentierten Nextcloud und DTU Computerome dort eine Partnerschaft für eine auf dänischer Infrastruktur betriebene Plattform zur Einhaltung europäischer Datenschutz- und NIS2-Vorgaben.
Auch die Nachfrage nach quelloffenen Büroanwendungen bleibt auf breiter Ebene hoch: Die Document Foundation verzeichnete für LibreOffice zwischen dem 24. August und dem 18. Oktober 2026 insgesamt 9,4 Millionen Downloads – nachdem die Zahlen zuvor bei unter einer Million Abrufen pro Woche gelegen hatten.
Der Umstieg auf kostenlose Office-Alternativen gelingt besonders einfach, wenn man die passenden Tipps zur Kompatibilität mit Microsoft-Dokumenten kennt. Erfahren Sie in diesem gratis Ratgeber, wie die Software auf beliebig vielen Rechnern läuft und hunderte Euro im Jahr spart. Kostenlose Office-Alternative hier gratis herunterladen
Als Treiber dieses Anstiegs gelten neben europäischen Bestrebungen für digitale Souveränität die Einstellung von Microsoft Publisher sowie die im August 2026 erschienene Software-Version 26.8, die unter anderem erweiterte Unterstützung für Microsoft-Office-Funktionen bietet.
Kostendruck und strategische Vorgaben in Frankreich
Dass der Wechsel von Microsoft-Produkten langwierig bleibt, belegt auch ein Prüfbericht des französischen Rechnungshofs zu elf Ministerien und rund 861.000 IT-Arbeitsplätzen. Demnach bleibt Microsoft Office dort trotz jahrelanger politischer Vorgaben der behördliche Standard.
Die Ausgaben für Büro- und Kollaborationswerkzeuge stiegen von 67 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 100 Millionen Euro im Jahr 2025, wovon über die Hälfte an Microsoft floss. Obwohl Microsoft 365 seit 2021 grundsätzlich verboten ist, existieren Ausnahmen etwa für das Sozial- und das Kulturministerium.
Um die Kosten zu dämpfen und die digitale Souveränität zu stärken, empfahl der französische Rechnungshof einen mehrjährigen Migrationsplan über drei bis vier Jahre hin zu LibreOffice in einer staatlichen Cloud. Dies verspreche jährliche Einsparungen von 30 bis 65 Millionen Euro bei lokaler Nutzung beziehungsweise von bis zu 130 Millionen Euro bei einer Cloud-Bereitstellung. Dänemarks Erfahrungen unterstreichen nun jedoch, dass solchen Plänen in der operativen Praxis oft erhebliche Kompatibilitätsprobleme entgegenstehen.
