COVID-Langfolgen, Patienten

COVID-Langfolgen: 70% der Patienten zeigen Virus-Reaktivierungsmarker

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

US- und Japan-Studien zeigen: Reaktivierte latente Viren korrelieren mit schweren COVID-Verläufen und Long-COVID-Symptomen. Kausale Beweise stehen noch aus.

Virus-Reaktivierung bei COVID-19: Neue Studien zu Long-COVID und Therapieansätzen
Wissenschaftler in einem Labor bei der Arbeit mit einer Zellkultur in einer Petrischale. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen gehen der Frage nach, inwieweit die Reaktivierung bereits im Körper vorhandener, latenter Viren den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung sowie die Entstehung von Langzeitfolgen beeinflusst. Datenauswertungen aus den USA und Japan liefern hierzu detaillierte statistische Grundlagen, die insbesondere die Rolle von Herpesviren und Anelloviren beleuchten.

Umfassende Untersuchung von Klinikpatienten in den USA

Eine großflächige Studie, deren Datengrundlage auf 1.154 ungeimpften Patientinnen und Patienten aus 20 US-Kliniken basiert, untersuchte den Zeitraum von Mai 2020 bis März 2021. Die Analyse zeigt, dass bei 47,9 % der hospitalisierten COVID-19-Betroffenen innerhalb von 40 Tagen nach der Aufnahme eine Reaktivierung latenter Viren nachgewiesen werden konnte. Insgesamt identifizierten die Forscher elf verschiedene reaktivierte Viren.

Zu den am häufigsten festgestellten Erregern gehörten das Epstein-Barr-Virus (EBV), das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) sowie das Zytomegalievirus (CMV). Auch Viren aus der Familie der Anelloviridae wurden in den Proben nachgewiesen. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine solche Virusreaktivierung systematisch mit einem schwereren Krankheitsverlauf und einer erhöhten Entzündungsreaktion im Körper korreliert.

Zusammenhang mit Long-COVID und körperlichen Beeinträchtigungen

Ein wesentlicher Aspekt der Forschung betrifft die Langzeitfolgen einer Infektion. Den Analysen zufolge ist die Reaktivierung der untersuchten Viren mit typischen Long-COVID-Symptomen assoziiert. Insbesondere für die Gruppe der Anelloviren wurde eine spezifische Korrelation mit dem Auftreten von Long-COVID sowie körperlichen Behinderungen festgestellt.

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Trotz dieser statistischen Zusammenhänge betonen die Autoren der im Fachjournal Nature behandelten Studie, dass die vorliegenden Daten keinen definitiven Beweis für eine Kausalität liefern. Ob die Virusreaktivierung die direkte Ursache für Long-COVID-Symptome ist oder lediglich ein Begleitphänomen eines geschwächten Immunsystems darstellt, bleibt Gegenstand weiterer wissenschaftlicher Debatten.

Japanische Forschungsergebnisse zu SITH-1 und neurologischen Symptomen

Ergänzende Erkenntnisse liefert eine japanische Studie, die sich auf ein Kollektiv von 150 Long-COVID-Patienten konzentrierte. Bei 70 % dieser Probanden wurde das Protein SITH-1 im Blut nachgewiesen. Dieses spezifische Protein entsteht charakteristischerweise bei der Reaktivierung latenter Herpesviren.

Die Forscher untersuchten die Auswirkungen von SITH-1 zudem in Tierversuchen. Dabei zeigte sich, dass das Protein zu einem Mangel an Neurotransmittern führen kann. In der Folge wurden Symptome wie chronische Müdigkeit und Depressionen beobachtet. Diese Ergebnisse weisen auf einen möglichen physiologischen Mechanismus hin, der die neurologischen und psychischen Beschwerden bei Long-COVID-Betroffenen erklären könnte.

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Perspektiven für die therapeutische Entwicklung

Die Identifikation von Markern wie SITH-1 oder der Nachweis spezifischer Virusreaktivierungen innerhalb der ersten 40 Tage nach einer Infektion bietet neue Ansätze für die medizinische Forschung. Experten sehen darin eine Chance, zielgerichtete Therapien zu entwickeln, die frühzeitig in den Prozess der Reaktivierung eingreifen könnten.

Während die US-Studie die breite statistische Relevanz bei Klinikpatienten aufzeigt, liefert der japanische Forschungsansatz konkrete Hinweise auf biochemische Veränderungsprozesse, die als Grundlage für künftige Behandlungsstrategien dienen könnten.

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