Curcumin bei COPD: Studie zeigt 72 Prozent weniger Entzündungsbotenstoff IL-17
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.dePflanzliche Wirkstoffe stehen zunehmend im Fokus der klinischen Entzündungsforschung. Besondere Aufmerksamkeit erfährt dabei Curcumin, das biologisch aktive Polyphenol aus der Kurkumawurzel.
Eine Untersuchung der indonesischen Lampung University lenkt den Blick nun auf die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Wie das Forschungsteam aufzeigte, kann eine standardisierte Gabe des Pflanzenextrakts spezifische Entzündungsparameter bei betroffenen Patienten deutlich senken.
Deutlicher Rückgang von Interleukin-17 bei COPD-Patienten
Die an der Lampung University durchgeführte Untersuchung war als dreifach verblindete, randomisierte und kontrollierte Studie angelegt. Insgesamt 68 männliche COPD-Patienten nahmen daran teil. Die Probanden erhielten über einen Zeitraum von 60 Tagen täglich ein Gramm einer Kombination aus Kurkumaöl und wässrigem Kurkumaextrakt oder ein Placebo. Die Ergebnisse wurden am 20. Oktober 2026 auf der Fachtagung CHEST 2026 vorgestellt.
Dabei zeigte sich eine messbare Wirkung auf das Immungeschehen: Der Serumspiegel des Entzündungsbotenstoffs Interleukin-17 (IL-17) sank in der Curcumin-Gruppe um 72 Prozent, während er in der Placebo-Gruppe anstieg. Nach zwei Wochen lag der IL-17-Wert bei 42,34 pg/mL.
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Trotz der beobachteten Veränderungen weisen die Studienautoren auf methodische Grenzen hin. Da ausschließlich Männer untersucht wurden und die Kohorte vergleichsweise klein war, bedürfen die Resultate einer Bestätigung durch größere klinische Studien.
Begleitende Befunde im Magen-Darm-Trakt und im Immunsystem
Die Resultate reihen sich in breitere wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirkung von Curcumin ein. Ende August 2026 publizierte eine japanische Studiengruppe aus 26 Zentren in The American Journal of Gastroenterology eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie an rund 600 Patienten.
Nach der endoskopischen Entfernung von Dickdarmadenomen nahmen die Probanden zwei Jahre lang hochresorbierbares Curcumin (Theracurmin) oder ein Scheinmedikament ein.
In der Curcumin-Gruppe lag die Rate großer Adenome mit einem Durchmesser von mindestens sechs Millimetern bei 7,5 Prozent, verglichen mit 13,3 Prozent unter Placebo. Dies entsprach einem relativen Risiko von 0,56 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,33–0,95) und damit einer Risikoreduktion von rund 44 Prozent.
Zudem waren Anzahl und Größe der Adenome signifikant geringer, ohne dass vermehrt Nebenwirkungen auftraten. Bei Patienten mit mindestens sechs entfernten Adenomen betrug das Risikoverhältnis für mindestens vier neue Adenome 0,40, während die Gesamtadenomrate keinen signifikanten Unterschied aufwies.
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Auf zellulärer Ebene lieferte zudem eine iranische Laborstudie im Iranian Journal of Allergy, Asthma and Immunology Einblicke in immunmodulierende Effekte.
An Blutproben von 24 Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose – zehn im Schub und 14 in Remission, bei einem Frauenanteil von 58,3 Prozent – sowie 15 Gesunden zeigte die Kombination von Curcumin und Vitamin D eine stärkere Senkung CXCR3-positiver CD4-T-Zellen als die jeweiligen Einzelsubstanzen. Auch hier mahnen die Autoren aufgrund der geringen Fallzahl zu weiterer Forschung.
Pharmakologische Wirkungsweisen und Risiken von Wechselwirkungen
Grundsätzlich gilt das Polyphenol Curcumin als entzündungshemmend und antioxidativ, da es proinflammatorische Mediatoren hemmt und den Nrf2-Signalweg aktiviert. Häufig wird der Wirkstoff zusammen mit Piperin verabreicht, um die Bioverfügbarkeit im Organismus zu verbessern.
Gleichzeitig weisen Mediziner auf Risiken bei der unkritischen Einnahme hochdosierter Präparate hin. Ein Kardiologe warnte davor, konzentrierte Nahrungsergänzungsmittel mit normalen Küchenmengen gleichzusetzen. Curcumin könne bei gleichzeitiger Anwendung von Diabetes-Medikamenten wie Metformin oder Insulin die Blutzuckerwerte beeinflussen.
Zudem könne beigemengtes Piperin den Abbau und die Konzentration von Antibiotika wie Ciprofloxacin, Blutdrucksenkern wie Amlodipin sowie Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac verändern. Fachleute raten daher, vor dem Einsatz entsprechender Präparate Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker zu halten.
