Cyberangriffe: +58 Prozent und verdreifachte Account-Übernahmen
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 15:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die niederländische Datenschutzbehörde verzeichnete 2025 insgesamt 39.407 Meldungen von Datenpannen. Besonders alarmierend: Gezielte Cyberangriffe legten um 58 Prozent auf über 2.400 Fälle zu. Account-Übernahmen haben sich mit 1.742 Vorfällen sogar verdreifacht.
KI-Kits machen jeden zum Phisher
Haupttreiber dieser Entwicklung sind KI-Phishing-Kits. Sie erlauben Angreifern ohne tiefgehende Technik-Kenntnisse, täuschend echte Nachrichten zu erstellen. Die Vizepräsidentin der Behörde fordert: Cybersicherheit muss Chefsache werden. Verstöße gegen die DSGVO kosten Unternehmen bis zu 20 Millionen Euro. Mitte August steht zudem die NIS2-Richtlinie an – sie bringt strengere Vorgaben für kritische Sektoren.
Sprachklonen und Phishing-as-a-Service
Die Methoden werden raffinierter. Plattformen wie „Forg365“ vermarkten Phishing-as-a-Service (PhaaS) gezielt an Microsoft-365-Nutzer. Device-Code-Phishing und Adversary-in-the-Middle-Angriffe umgehen selbst moderne Sicherheitsmechanismen.
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Noch perfider: Stimmenklonen. Wenige Sekunden Audiomaterial reichen, um täuschend echte Sprachaufnahmen zu generieren. Kriminelle geben sich als Geschäftsführer aus und starten mehrschichtige Social-Engineering-Angriffe.
Der Schaden ist gigantisch. Die UN schätzt weltweite Betrugsverluste auf fast 500 Milliarden US-Dollar jährlich. In Österreich verursachten Schockanrufe zwischen 2022 und 2025 Schäden von 53 Millionen Euro. Auch das Saarland meldet eine neue Welle falscher Polizeibeamter.
Datenlecks als Brandbeschleuniger
Große Datenabflüsse heizen das Problem an. Unbekannte erbeuteten Kundenstammdaten des Lidl-Onlineshops – Namen, E-Mails, Telefonnummern, Geburtsdaten. Zahlungsdaten und Passwörter blieben zwar sicher. Doch Sicherheitsexperten warnen: Diese Informationen sind ideal für personalisierte Phishing-Versuche.
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Parallel verbreitet sich die Infostealer-Malware „Odyssey“ weltweit. Sie stiehlt Browser-Zugangsdaten, Cloud-Konfigurationen und Krypto-Wallets. Auch Netzwerkgeräte bleiben im Visier: Bei Ubiquiti wurden 25 Sicherheitslücken geschlossen – die schwersten ermöglichten eine vollständige Geräteübernahme.
Behörden ziehen die Zügel an
Die Hongkonger Wertpapieraufsicht SFC verbietet Einmalpasswörter via SMS oder E-Mail als alleinigen Login-Schutz bei Online-Brokern und Krypto-Plattformen. Anbieter haben zwölf Monate Zeit, auf Passkeys oder Hardware-Sicherheitsschlüssel umzustellen. Hintergrund: Krypto-Phishing verursachte allein im ersten Halbjahr 2026 Verluste von 366 Millionen US-Dollar. Bei unzureichenden Kontrollen haftet künftig die Geschäftsleitung direkt.
International gibt es Erfolge. Die Interpol-Operation „First Light“ mit 97 beteiligten Ländern führte zu fast 6.000 Festnahmen und beschlagnahmte 293 Millionen US-Dollar. Die Ermittlungen enthüllten zudem Verbindungen zwischen Online-Betrug und Menschenhandel.
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