Cyberangriffe auf Supermärkte, IT-Sicherheit vernetzter Geräte

Cyberangriffe auf Kühlanlagen: Fischer rügt Hersteller

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 14:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Karlsruher IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer fordert verbindliche Schutzmechanismen gegen Fernzugriffe auf vernetzte Geräte. Der Lebensmittelhandel sieht die Versorgung trotz einzelner betroffener Märkte nicht gefährdet.

Forderungen an sichere Gerätetechnik

  • Christoph Fischer verlangt individuelle Passwörter bereits bei der ersten Inbetriebnahme vernetzter Anlagen.
  • Der Lebensmittelhandel meldet nur vereinzelte betroffene deutsche Märkte und eine uneingeschränkte Versorgung.
  • Fischer nennt Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Haushaltsgeräte als weitere mögliche Angriffsflächen.
In einem Supermarkt in Wetter mussten wegen des Hackerangriffs große Mengen gekühlter Lebensmittel entsorgt werden. - Bild: AWO Ennepe-Ruhr/dpa

Cyberangriffe setzen Hersteller vernetzter Kühlanlagen unter Druck

Nach Cyberangriffen auf Kühlsysteme in europäischen und deutschen Supermärkten nimmt der Karlsruher IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer die Hersteller vernetzter Geräte in die Pflicht. Der Lebensmittelhandel erklärte, die Versorgung der Bevölkerung erfolge uneingeschränkt.

Standardzugänge als gravierendes Versäumnis

Fischer kritisierte, dass Steuerungsanlagen mit unveränderten Werkseinstellungen und Standardpasswörtern ausgeliefert und betrieben würden. Das sei „völlig unverzeihlich“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Betroffene Betreiber hätten nach seiner Einschätzung längst Updates erhalten müssen, die eine zwingende Änderung solcher Standardzugänge vorschreiben. Bei der ersten Inbetriebnahme sollten Nutzer individuelle Passwörter vergeben müssen.

Fernwartung soll sicherer werden

Ein automatisierter Fernzugriff für Wartungszwecke sei grundsätzlich sinnvoll, erklärte Fischer. Für eine Absicherung gebe es inzwischen technische Möglichkeiten wie Zertifikate und asymmetrische Verschlüsselung; die erforderliche Rechenleistung sei bei modernen Steuerungsprozessoren vorhanden.

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels verwies auf den Nutzen der Internetanbindung. Sie ermögliche, Temperaturen dauerhaft zu überwachen und bei Problemen frühzeitig einzugreifen.

Angriffe betreffen nicht nur Supermärkte

Nach Angaben der Branchenorganisation waren deutsche Märkte nur in vereinzelten Fällen betroffen. Digitale und physische Widerstandsfähigkeit seien für Handelsunternehmen eine Daueraufgabe.

Fischer warnte zugleich davor, die Risiken auf den Lebensmitteleinzelhandel zu beschränken. Vernetzte Technik finde sich auch in Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und privaten Haushaltsgeräten; nicht alles müsse mit dem Internet verbunden sein.

IT-Sicherheit als Kriterium für Produkttests

Wenn ein Netzzugang unvermeidbar sei, müssten wirksame Schutzmechanismen greifen, forderte Fischer. Zudem sollten Verbraucherschutzorganisationen wie die Stiftung Warentest verbindliche Mindestanforderungen an die IT-Sicherheit in ihre Bewertungen aufnehmen.

Die Angriffe auf vernetzte Kühlanlagen zeigen ein grundsätzliches Problem der Digitalisierung: Systeme, die ursprünglich vor allem der Temperaturüberwachung und Fernwartung dienten, können bei mangelhafter Absicherung direkt in betriebliche Abläufe eingreifen. In den jüngsten Fällen wurden Kühlungen in mehreren europäischen Ländern manipuliert; auch deutsche Märkte waren betroffen.

Besonders riskant sind ältere Anlagen, die mit voreingestellten oder leicht zu erratenden Zugangsdaten betrieben werden. Ein kompromittierter Fernzugang kann nicht nur Waren beschädigen, sondern auch den Geschäftsbetrieb stören und erhebliche Entsorgungskosten verursachen. Für Verbraucher blieb die Versorgung nach Angaben des Lebensmittelhandels uneingeschränkt.

Mehr Verantwortung für Hersteller

Die Forderung nach individuellen Passwörtern bei der Erstinstallation entspricht einem zentralen Prinzip moderner IT-Sicherheit. Hersteller müssen außerdem Updates bereitstellen, sichere Fernwartung ermöglichen und Betreiber über bekannte Schwachstellen informieren. Zertifikate und asymmetrische Verschlüsselung können dabei helfen, Zugriffe eindeutig zuzuordnen und unbefugte Steuerung zu verhindern.

Das Thema reicht über Supermärkte hinaus. Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Haushaltsgeräte werden zunehmend vernetzt, obwohl ein Internetzugang nicht für jede Funktion erforderlich ist. Für Betreiber bedeutet das, vernetzte Technik regelmäßig zu aktualisieren, Zugänge zu kontrollieren und Systeme, die nicht zwingend online sein müssen, vom Internet zu trennen.

Prüfungen könnten Kaufentscheidungen beeinflussen

Verbindliche IT-Sicherheitskriterien in Produkttests würden Sicherheitsmängel sichtbarer machen und den Druck auf Hersteller erhöhen. Für den Alltag der Verbraucher bleibt entscheidend, dass vernetzte Geräte nicht nur komfortabel, sondern auch dauerhaft gegen unbefugte Zugriffe geschützt sind.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

BR: „Cyberangriff auf Kühlungen: Supermarkt in Niederbayern betroffen“ (02.11.2026)

Der Beitrag habe über einen betroffenen Markt in Niederbayern berichtet und darauf hingewiesen, dass wegen fehlender finanzieller Forderungen Sabotage vermutet werde. Im Mittelpunkt stehe damit stärker das konkrete Tatmotiv, während die dpa-Meldung die Herstellerverantwortung und technische Absicherung herausstelle.

Tagesschau: „Cyberangriffe auf Kühlanlagen auch in deutschen Supermärkten“ (03.11.2026)

Der Beitrag habe beschrieben, dass Kühlanlagen in deutschen Märkten nachts von Kühlen auf Heizen umgestellt worden seien. Er bestätige damit die konkrete Wirkung der Angriffe, während der dpa-Text den Blick auf Standardpasswörter, sichere Fernwartung und Prüfanforderungen richte.

Gemeinsam ist den Beiträgen der Befund, dass vernetzte Kühlsysteme ein reales Angriffsziel darstellen. Unterschiede bestehen beim Schwerpunkt zwischen Tatmotiv, konkreten Folgen und den Anforderungen an Hersteller; offen bleibt, wer für die einzelnen Angriffe verantwortlich ist.

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