Cyberbetrug, Angeblicher

Cyberbetrug: Angeblicher Virenschutz kostet 79-Jährige in Ludwigshafen 1.000 Euro

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 17:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hessische und Berliner Ermittler gingen gegen mutmaßliche Helfer eines technischen Dienstes für Betrugsanrufe vor.

Cyberbetrug: Ermittler durchsuchen vier Landkreise und Berlin
Dunkler Serverraum mit unkenntlichen Rack-Schränken und blauen Statusleuchten. Illustration mit AI erstellt.

In Ludwigshafen ist eine 79-jährige Frau Opfer von Cyberkriminellen geworden. Nach Angaben der Polizei Ludwigshafen verlor die Seniorin 1.000 Euro durch eine Betrugsmasche, bei der die Täter einen angeblichen Virenschutz vortäuschten. Die Masche, bei der angebliche Sicherheitsmeldungen oder technische Probleme als Vorwand dienen, richtet sich vermehrt gegen ältere Internetnutzer.

Dass solche Angriffe nicht immer finanziellen Erfolg für die Kriminellen haben, zeigt ein weiterer Vorfall in Sachsen: Wie die Polizeidirektion Dresden mitteilte, folgte eine 83-jährige Seniorin in Freital-Birkigt einer gefälschten Sperrmeldung, lud daraufhin ein Programm herunter und ermöglichte den Tätern so den Fernzugriff auf ihren Computer und das Onlinebanking. Die zuständige Bank erkannte den Betrug jedoch rechtzeitig und verhinderte mehrfach versuchte Abbuchungen von den Konten der Betroffenen.

Ermittler zerschlagen Infrastruktur für Betrugsanrufe

Hinter solchen Täuschungsversuchen stehen oft organisierte Netzwerke mit umfangreicher technischer Infrastruktur. Am 13. Oktober 2026 vollstreckten das Hessische Landeskriminalamt sowie die Polizeipräsidien Nordhessen und Südosthessen drei Durchsuchungsbeschlüsse in vier Wohn- und Geschäftsräumen in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg, Rheingau-Taunus, Offenbach sowie im Rhein-Lahn-Kreis.

Der Einsatz erfolgte wegen des Vorwurfs der Beihilfe zum gewerbsmäßigen Computerbetrug zur Unterstützung eines Berliner Ermittlungsverfahrens der dortigen Staatsanwaltschaft und des Landeskriminalamts gegen einen mutmaßlichen Anbieter technischer Infrastruktur.

Nach Angaben des Hessischen Landeskriminalamts waren über den betroffenen Dienst monatlich rund 100.000 Anwahlversuche möglich, die unter anderem von falschen Bankmitarbeitern und falschen Polizeibeamten genutzt wurden.

Die Beschuldigten in Hessen sind zwischen 21 und 23 Jahre alt; Einsatzkräfte stellten digitale Datenträger sicher. Im Rahmen desselben Verfahrens wurden in Berlin 35 Durchsuchungsbeschlüsse gegen Beschuldigte im Alter von 21 bis 41 Jahren vollstreckt.

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Warnhinweise und Verhaltensempfehlungen

Trickbetrüger entwickeln ihre Vorgehensweisen kontinuierlich weiter. Wie ehemalige Polizeibeamte als Sicherheitsberater in Magdeburg erläutern, geraten besonders Senioren ins Visier, wobei gefälschte Internetseiten und Täuschungsmanöver die Angriffe zunehmend raffinierter machen.

Dass digitale Täuschungsversuche weite Teile der Bevölkerung betreffen, belegt auch eine vom 25. bis 28. September 2026 von YouGov im Auftrag der Initiative Sicher Handeln (ISH) durchgeführte Befragung unter 2.219 Personen ab 18 Jahren: 23 Prozent der Befragten gaben an, bereits Opfer von Phishing geworden zu sein, acht Prozent erlitten dabei finanziellen Schaden.

Typische Warnsignale wie die Abfrage von Zugangsdaten oder ein vermittelter Zeitdruck werden von älteren Menschen besonders häufig erkannt: Bei den über 55-Jährigen nannten 79 beziehungsweise 78 Prozent diese Merkmale als Warnzeichen, während es bei den 18- bis 24-Jährigen 48 und 41 Prozent waren.

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ISH-Sprecher Harald Schmidt erklärte, der Einsatz von künstlicher Intelligenz mache Angriffe authentischer und skalierbar, und empfahl die Verhaltensregel aus Stoppen, Hinterfragen und Schützen.

Um Nutzer vor solchen Gefahren zu sensibilisieren, bieten das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz und die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz anlässlich des europäischen Cybersicherheitsmonats am Mittwoch, 28. Oktober 2026, ab 16:00 Uhr ein kostenloses, 90-minütiges Web-Seminar zum Erkennen von Cyberangriffen an.

Die Online-Schulung behandelt unter anderem den Einsatz sicherer Passwörter, aktueller Antivirensoftware, Datensicherungen sowie richtige Reaktionen im Schadensfall.

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