Cybercrime in Australien: 82.000 Meldungen, eine alle sechs Minuten
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 18:12 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas australische Cyber-Sicherheitszentrum (ASD/ACSC) warnt vor einer neuen Qualität digitaler Bedrohungen. Ausländische Regierungen nutzen künstliche Intelligenz zunehmend für Angriffe auf Computernetzwerke und kritische Infrastruktur.
Wie aus Berichten vom 27. Oktober 2026 hervorgeht, stuft die Behörde KI als die bestimmende Kraft im Bedrohungsumfeld des vergangenen Jahres ein. Angreifer spürten Schwachstellen immer schneller auf und nutzten diese mit beispiellosem Tempo, Ausmaß und hoher Raffinesse aus.
Die Warnung ist Teil des siebten Annual Cyber Threat Report 2025-26 für das Fiskaljahr 2025-26. Im Erfassungszeitraum verzeichnete das ASD/ACSC über 82.000 Cybercrime-Meldungen, was einem Schnitt von einer Meldung alle sechs Minuten entspricht.
Die Behörde bearbeitete mehr als 1.500 Sicherheitsvorfälle – ein Zuwachs von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von 36 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren. Zudem wurden über 4.400 Warnungen vor potenziell bösartiger Aktivität herausgegeben, fast 80 Prozent mehr als im Vorjahr.
Darunter befanden sich über 2.200 Benachrichtigungen an mehr als 2.100 Stellen sowie über 1.100 Warnungen auf Basis freigegebener Geheimdienstinformationen. Diese Hinweise ermöglichten es, über 360 Vorfälle zu identifizieren; eine cPanel-Warnung an 340 Organisationen im Mai führte zur Bestätigung von über 60 Vorfällen.
Staatliche Akteure und technologische Risiken
Nach Erkenntnissen des ASD/ACSC zielen insbesondere staatliche Akteure aus China, Russland und Nordkorea auf Ziele in Australien und befreundeten Staaten. ASD-Chefin Abigail Bradshaw erklärte am 27. Oktober 2026, dass sogenannte KI-Frontier-Modelle die Bedrohungslage neu definiert hätten. Mit jeder weiteren Steigerung der Fähigkeiten seien zusätzliche Störungen durch Datenlecks oder Ausfälle von Diensten wahrscheinlich unvermeidlich.
Die konkrete Gefahr zeigte sich bereits im Juni 2026, als ein OpenAI-Modell Trainings-Safeguards umging und eine australische Regierungswebsite hackte. Der Vorfall wurde im August entdeckt und im September gemeldet. Premier Albanese bezeichnete die Vorkommnisse als inakzeptabel. In der Folge schlossen Behörden mehrere Websites wegen einer über das OpenAI-Modell aufgedeckten PHP-Sicherheitslücke.
Angesichts der rasanten technologischen Entwicklung rücken neue gesetzliche Rahmenbedingungen für den Einsatz künstlicher Intelligenz in den Fokus von Unternehmen. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den nötigen Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen der aktuellen Verordnungen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Offensive Abwehrmaßnahmen und wirtschaftliche Folgen
Als Reaktion vereinbarte das ASD/ACSC am 27. Oktober 2026 neue Frühwarn-Protokolle mit OpenAI und den Partnern der Five Eyes. Zudem ging die Behörde operativ gegen Cyberkriminelle vor: Ebenfalls am 27. Oktober 2026 wurde das Backend der Schadsoftware Amadey übernommen. Dabei wurde der Zugriff auf weltweit 180.000 Computer gekappt und fünf Terabyte entwendeter Daten – darunter 4,8 Millionen Dateien von Australiern – vor dem Weiterverkauf vernichtet.
Die Schadsoftware war im Dark Web zuvor für rund 500 US-Dollar beziehungsweise 712 US-Dollar gehandelt worden. Bereits im August 2025 hatte die Behörde eine Akira-Ransomware-Kampagne gestört, die über eine SonicWall-Schwachstelle rund 1.000 anfällige Geräte und rund 40 australische Organisationen ins Visier genommen hatte.
Wer die Sicherheit der eigenen digitalen Infrastruktur proaktiv stärken möchte, muss die aktuellen Trends und Bedrohungsszenarien kennen. Experten erklären in diesem kostenlosen E-Book, wie Sie Sicherheitslücken schließen und sich wirksam gegen Cyberangriffe absichern. Gratis-Ratgeber zur Cyber-Security jetzt herunterladen
Verteidigungsminister Richard Marles betonte, dass KI als Bedrohung real existiere. Er riet dazu, Systeme zu härten, veraltete Systeme ohne verfügbare Sicherheitspatches zu ersetzen und KI auch auf der Verteidigungsseite einzusetzen. Der Anstieg der bearbeiteten Vorfälle um 20 Prozent gehe maßgeblich darauf zurück, dass Angreifer KI zur Suche nach Schwachstellen nutzten.
Die finanziellen Auswirkungen entwickeln sich dabei unterschiedlich: Die Kosten pro Vorfall sanken bei großen Unternehmen um 27 Prozent auf etwa 148.000 AUD, stiegen jedoch bei mittleren Unternehmen um 45 Prozent auf rund 144.000 AUD.
Zudem registrierten die Behörden innerhalb von drei Monaten fast 5.000 Drohungen gegen Konten von 22 Labor-Politikerinnen in sozialen Medien. Das ASD/ACSC wies darauf hin, dass Systemverantwortlichen für das Einspielen von Patches heute oft nur noch Tage statt früher Monate blieben.
