Cyberkriminalität, Malware

Cyberkriminalität: Neue Malware HOLLOWGRAPH nutzt Kalender-Trick

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 19:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Behörden legen Phishing-Plattform Kratos lahm. Zeitgleich warnt eine neue Malware vor Angriffen über Microsoft-Kalender.

Großer Phishing-Dienst Kratos abgeschaltet: Neue Malware-Gefahr
Ein Laptop-Bildschirm zeigt eine verdächtige digitale Kalendereinladung, die auf Cyber-Bedrohungen und Phishing hindeutet. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Über 200 Server wurden abgeschaltet, ein mutmaßlicher Administrator in Indonesien festgenommen. Der Dienst „Kratos“ war seit Ende 2024 aktiv und funktionierte als „Phishing-as-a-Service“. Rund 1.800 Franchisenehmer nutzten die Plattform für monatlich etwa 15.000 kriminelle Kampagnen.

Die Ermittler gehen von Hunderttausenden Opfern in über 30 Ländern aus. Der Dienst soll Einnahmen von mehr als 300.000 Euro generiert haben. Die deutschen Behörden ermitteln wegen des Verdachts auf Betreiben krimineller Handelsplattformen, Urkundenfälschung und Computerbetrug.

Neue Malware missbraucht Kalenderfunktionen

Parallel zu diesem Erfolg beobachten Sicherheitsexperten eine neue Qualität bei Phishing-Angriffen. Die Malware HOLLOWGRAPH nutzt gezielt die Infrastruktur von Microsoft 365.

Die Angreifer hinterlegen Befehle in Kalendereinträgen, die weit in der Zukunft datiert sind – in beobachteten Fällen auf Mai 2050. So bleibt die Interaktion für den legitimen Nutzer unsichtbar. Die Datenübermittlung erfolgt verschlüsselt über Cloud-Schnittstellen. Erste Analysen bringen die Kampagne mit Spionageaktivitäten gegen Organisationen im Nahen Osten in Verbindung.

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Auch im privaten Bereich nehmen Betrugsversuche zu. Auf WhatsApp werden Nutzer ungefragt zu Gruppen hinzugefügt. Unter dem Vorwand einer Sammelaktion für Geschenke werden sie aufgefordert, Geld an Unbekannte zu überweisen.

Gericht verhandelt über 180.000 Euro Schaden

Die finanziellen Folgen solcher Delikte beschäftigen auch die Justiz. In Münster begann ein Prozess gegen sechs Männer. Ihnen wird vorgeworfen, durch Phishing über gefälschte Bankseiten und anschließende Telefonanrufe mehr als 180.000 Euro erbeutet zu haben. Die Opfer stammen aus dem gesamten Bundesgebiet. Bei Hausdurchsuchungen wurden erhebliche Bargeldbestände sichergestellt – darunter 90.000 Euro unter einem Bett.

Experten registrieren zudem gezielte Kampagnen gegen Nutzer von Passwort-Managern wie LastPass und Bitwarden. Hierbei werden gefälschte Benachrichtigungen über angebliche Compliance-Anforderungen versendet, die auf täuschend echt wirkende Anmeldeseiten führen.

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Branchenexperten empfehlen, von statischen Erkennungsmethoden auf eine kontextbasierte Überprüfung von Nachrichten und Einladungen umzustellen. Nutzer sollten unerwartete Anfragen über separate Kanäle verifizieren und keine Finanztransaktionen an Personen leisten, die sie nicht persönlich kennen.

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