Cybersicherheit: 49% der Firmen finden keine KI-Experten
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 23:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Branchenanalysen und politische Initiativen zeichnen ein deutliches Bild: Der Bedarf an Fachkräften für Cybersicherheit und Datenanalyse steigt rasant an, während politische Forderungen nach verstärkten Schutzmaßnahmen zunehmen. Insbesondere die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in die Sicherheitsarchitektur verändert das Anforderungsprofil für IT-Profis grundlegend.
KI-Expertise als größte Hürde für Berufseinsteiger
Ein aktueller Bericht des AI Workforce Consortiums unter Federführung von Cisco verdeutlicht die Verschiebungen am Arbeitsmarkt. Laut der Analyse, für die 8.000 Security-Entscheider in 30 Märkten befragt wurden, bezeichnen 49 % der Führungskräfte praktische Erfahrung mit KI-Agenten als die am schwersten zu findende Kompetenz bei Einstiegskandidaten. Dicht darauf folgen tiefgehende technische Cybersecurity-Kenntnisse mit 48 % sowie menschzentrierte Soft Skills mit 45 %.
Die strategische Ausrichtung der Unternehmen spiegelt diesen Trend wider: 36 % der Organisationen zählen KI-gestützte Verteidigungsmaßnahmen zu ihren drei wichtigsten Sicherheitsinvestitionen der nächsten zwei Jahre. Damit rangiert dieses Feld noch vor der Verbesserung der Reaktionszeiten bei Vorfällen (32 %) und der Anwendungssicherheit (27 %).
Fady Younes von Cisco METAC betonte in diesem Zusammenhang, dass Sicherheitsexperten künftig verstärkt mit KI-Agenten zusammenarbeiten müssen, um deren Ergebnisse zu validieren und bei riskanten Entscheidungen menschliches Urteilsvermögen einzubringen.
Wachsender Fachkräftemangel und neue Rollenprofile
Der „2026 Cybersecurity Workforce Research Report“ von SANS und GIAC zeigt, dass die Qualifikationslücke innerhalb eines Jahres von 4 auf 20 Prozentpunkte angewachsen ist. Demnach führen 27 % der Unternehmen Sicherheitsverletzungen auf fehlende Expertise im eigenen Team zurück.
Infolge der zunehmenden Automatisierung entstehen neue spezialisierte Rollen wie Security Data Analysts, Automation and Detection Engineers sowie KI-Sicherheitsspezialisten. 74 % der Organisationen geben an, dass KI bereits Einfluss auf die Teamgrößen und die Rollenverteilung hat.
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Global betrachtet ist die Situation angespannt. Das Weltwirtschaftsforum (WEF) bezifferte den weltweiten Talent-Gap für das Jahr 2024 auf rund 4,8 Millionen Stellen. Für den Zeitraum von 2024 bis 2034 prognostiziert das US-Arbeitsministerium ein Wachstum von 29 % für Analysten im Bereich Informationssicherheit.
In den USA sind laut Marktbeobachtern derzeit etwa 448.000 Stellen in der Cybersicherheit unbesetzt. Besonders kritisch stellt sich die Lage in Indien dar, wo die Versorgungslücke bei spezialisierten Rollen auf 50 % gestiegen ist.
Investitionen und Gehaltsstrukturen im Branchenvergleich
Um dem Mangel entgegenzuwirken, investiert das US-amerikanische NIST über 1,7 Millionen US-Dollar in die Ausbildung von Fachkräften in acht US-Bundesstaaten. Parallel dazu kündigte das EC-Council den Ausbau seines KI-Zertifizierungsportfolios an. Hintergrund ist unter anderem die Beobachtung, dass KI-gestützte Angreifer innerhalb von nur fünf Wochen über 600 Fortinet-Firewalls kompromittieren konnten.
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Analysen des Unternehmens Wiz zur Cloud-Security-Vergütung offenbaren signifikante Unterschiede zwischen den Branchen. Während der Finanzsektor die höchsten Einstiegsgehälter für Cloud Security Engineers zahlt (Median-Gesamtvergütung 85.000 US-Dollar), bietet der Einzelhandel die attraktivsten Konditionen für Führungskräfte.
Ein Senior CISO im Bereich Retail erzielt eine Median-Vergütung von 510.000 US-Dollar und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt anderer Sektoren.
Politische Reaktionen und Marktausblick
Auch auf politischer Ebene werden Konsequenzen gezogen. Abgeordnete der US-Demokraten haben den „CISA Force Structure Assessment Act“ eingebracht, um zu prüfen, ob die Cybersicherheitsbehörde CISA nach dem Abgang von rund 1.000 Mitarbeitern noch ausreichend für Bedrohungen durch KI und Quantencomputing aufgestellt ist. Zudem plant das Weiße Haus laut National Cyber Director Sean Cairncross die Einrichtung einer Cybersecurity-Akademie.
Marktanalysten der Bank of America sehen in den anhaltenden Sicherheitsbedenken einen dauerhaften Katalysator für den Sektor. Sie hoben die Kursziele für Unternehmen wie CrowdStrike und Okta an, da KI-Sicherheitsthemen zunehmend die Investitionsentscheidungen dominieren. Dies deckt sich mit Beobachtungen von Sophos, wonach 84 % der Managed Service Provider eine steigende Nachfrage nach CISO-Dienstleistungen in den kommenden zwölf Monaten erwarten.
