Cybersicherheit: Großbritannien reguliert Cloud-Giganten erstmals
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 14:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
London – Großbritannien verschärft den Kampf für mehr Online-Sicherheit: Teenager im Alter von 16 und 17 Jahren sollen künftig nachts von sozialen Netzwerken ausgesperrt werden können. Die freiwillige Maßnahme ist Teil eines umfassenden Pakets, das auch die Cybersicherheit kritischer Infrastrukturen stärken soll.
Die britische Regierung hat einen Vorschlag für eine nächtliche Social-Media-Sperre für ältere Jugendliche vorgelegt. Zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens sollen Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube für 16- und 17-Jährige standardmäßig gesperrt sein. Auch Funktionen wie Autoplay und der unendliche Scroll-Feed sollen für diese Altersgruppe deaktiviert werden.
Streit um Wirksamkeit der Maßnahme
Der Vorstoß folgt auf die im Juni angekündichte Social-Media-Sperre für Kinder unter 16 Jahren, die 2027 in Kraft treten soll. Minister Kanishka Narayan verweist auf Pilotdaten, wonach mehr als 90 Prozent der Teilnehmer die Beschränkungen beibehielten, wenn sie als Standardeinstellung voreingestellt waren.
Die Opposition übt jedoch scharfe Kritik. Konservative Politiker und die Kinderschutzorganisation NSPCC bezeichnen die Maßnahme als unzureichend. Sie fordern strengere gesetzliche Vorgaben statt freiwilliger Selbstverpflichtungen der Plattformen.
Neues Gesetz für mehr Cybersicherheit
Parallel dazu treibt die Regierung den Cyber Security and Resilience Bill voran. Das Gesetz modernisiert die Regulierung aus dem Jahr 2018 und soll noch in diesem Jahr die königliche Zustimmung erhalten. Die Umsetzung ist gestaffelt bis 2028 geplant.
Erstmals werden auch Managed Service Provider mit mindestens 50 Mitarbeitern und einem Umsatz von über zehn Millionen Euro erfasst. Sie müssen künftig Sicherheitsvorfälle in zwei Stufen melden: eine erste Benachrichtigung innerhalb von 24 Stunden, einen ausführlichen Bericht innerhalb von 72 Stunden. Die Aufsicht übernimmt das Information Commissioner's Office.
Wer sich mit der Stärkung der IT-Sicherheit und den neuen gesetzlichen Anforderungen befasst, findet in diesem E-Book wertvolle Unterstützung für die Praxis. Gratis-E-Book: Sicherheitslücken schließen und gesetzliche Auflagen erfüllen
Der Handlungsdruck ist enorm: Branchendaten zeigen, dass 97 Prozent der FTSE-100-Unternehmen zwischen April 2023 und März 2024 einen Sicherheitsvorfall über Drittanbieter erlitten. Bei allen britischen Unternehmen lag die Quote bei 43 Prozent, bei größeren Firmen sogar bei 69 Prozent.
Cloud-Anbieter unter Aufsicht
Auch die großen Technologiekonzerne geraten in den Fokus der Regulierer. Am 13. Juli 2026 stufte das Finanzministerium Microsoft, Amazon, Google und Oracle als „Critical Third Parties" ein – eine Premiere nach dem Financial Services and Markets Act 2023. Die Unternehmen unterstehen nun der Aufsicht der Bank of England und der Finanzaufsicht FCA. Regelmäßige Resilienz-Tests und Pflichtmeldungen von Sicherheitsvorfällen gehören zu den neuen Auflagen.
Wirtschaft zeigt sich kooperativ
Für den Schulterschluss mit der Privatwirtschaft startete die Regierung am 7. Juli 2026 den Cyber Resilience Pledge. Mehr als 60 große Organisationen haben die freiwillige Vereinbarung unterzeichnet, darunter Vodafone, Microsoft UK, Nationwide und Marks and Spencer. Die Unterzeichner verpflichten sich zu Cyber-Verantwortung auf Vorstandsebene, zur Nutzung der Frühwarnsysteme des National Cyber Security Centre und zur Umsetzung der Cyber-Essentials-Standards in ihren Lieferketten.
Angesichts der zunehmenden Bedrohungen durch Cyberangriffe bietet dieser kostenlose Report eine wichtige Orientierungshilfe für den proaktiven Schutz Ihres Unternehmens. Checkliste zur Prävention von Cyberangriffen jetzt kostenlos herunterladen
Milliarden für die Cyber-Abwehr
Die Strategie ist mit erheblichen Finanzmitteln hinterlegt: Der Government Cyber Action Plan umfasst 210 Millionen Pfund, eine neue Government Cyber Unit soll die Maßnahmen zentral koordinieren. Weitere 90 Millionen Pfund fließen in einen Fonds für Cyber-Resilienz, das Programm TechFirst erhält 187 Millionen Pfund für die Ausbildung von Fachkräften.
Die Aufsichtsbehörde ICO meldet Fortschritte bei der Durchsetzung: 95 Prozent der 1.000 meistbesuchten britischen Websites erfüllen inzwischen die Cookie-Vorschriften – das betrifft rund 40 Millionen Menschen. Parallel läuft seit Februar 2026 eine Untersuchung gegen X und xAI wegen des KI-Bildbearbeitungstools Grok.
Kritik an Lücken im Gesetz
Trotz der Fortschritte gibt es Wermutstropfen: Der CSR Bill klammert öffentliche Einrichtungen von den gesetzlichen Pflichten aus. Der frühere Digitalminister Sir Oliver Dowden fordert die Einbeziehung des öffentlichen Sektors. Er verweist auf NCSC-Daten, wonach 40 Prozent der gesteuerten Angriffe zwischen September 2020 und August 2021 öffentliche Einrichtungen zum Ziel hatten.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
