Danfoss-Steuerungen: Cyberangriff legt KĂŒhlanlagen in bis zu 350 MĂ€rkten lahm
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 21:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Nacht auf Montag haben Unbekannte die KĂŒhlanlagen in rund 150 bis 350 SupermĂ€rkten in Frankreich manipuliert. Die Angreifer schalteten die Systeme in den Abtaumodus, wodurch die Temperaturen in KĂŒhl- und GefrierschrĂ€nken ĂŒber etwa sechs Stunden auf bis zu 50 Grad Celsius anstiegen.
Der Vorfall wurde am Montagmorgen bemerkt, nachdem GefrierschrÀnke teils seit Mitternacht auf den erhöhten Temperaturen gestanden hatten. Tonnenweise Lebensmittel verdarben, zudem kam es in einzelnen Filialen zu BrÀnden.
GroĂe Handelsketten melden schwere finanzielle EinbuĂen
Von der Attacke sind mehrere groĂe Handelsketten betroffen. Die Gruppe Les Mousquetaires meldete zunĂ€chst rund 150 und spĂ€ter rund 300 betroffene IntermarchĂ©-Filialen. Zudem waren 80 der 6.000 Standorte von Carrefour, 80 MĂ€rkte von CoopĂ©rative U sowie Filialen von E.Leclerc, Netto und Monoprix betroffen.
Die Schadenshöhe durch die Vernichtung der Lebensmittel belÀuft sich nach ersten Medienberichten auf mehrere Millionen Euro. Intermarché-Chef Thierry Cotillard schÀtzt den landesweiten Schaden auf einen zweistelligen Millionenbetrag und verwies darauf, dass Versicherungen derartige VorfÀlle nicht abdeckten.
FĂŒr einzelne HypermĂ€rkte bezifferte CoopĂ©rative-U-Chef Dominique Schelcher den Verlust auf 180.000 bis 200.000 Euro, wĂ€hrend ein Markt von E.Leclerc in Wasselonne Ware im Wert von rund 220.000 Euro vernichten musste.
Veraltete Steuerungssysteme im Visier der Angreifer
Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen eines groĂangelegten Cyberangriffs ein und ĂŒbergab das Verfahren an das Office anticybercriminalitĂ©. Ein Bekennerschreiben oder eine Lösegeldforderung liegen nicht vor, Daten wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP nicht entwendet. Premierminister SĂ©bastien Lecornu wies die Cybersicherheitsbehörde ANSSI an, den Vorfall zu untersuchen.
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Im Zentrum der Sabotage stehen Steuerungen des dĂ€nischen Herstellers Danfoss. Laut dem Unternehmen betraf der Angriff eine begrenzte Anzahl Ă€lterer Systeme, vor allem die Modelle AK-SM 800 und AK-SC 355. Diese haben ihr Lebensende erreicht und erhalten keine Sicherheitsupdates mehr; das Modell AK-SM 800 war bereits vor fĂŒnf Jahren fĂŒr obsolet erklĂ€rt worden.
Ein im Jahr 2025 bereitgestelltes Update war zudem nicht flÀchendeckend eingespielt. Wie Reuters am 13. Oktober unter Berufung auf Shodan berichtete, waren zuletzt mindestens 4.500 Danfoss-Schnittstellen online einsehbar. Bereits am 9. August hatte das Sicherheitsunternehmen Claroty Schwachstellen im Typ AK-SM 800A dokumentiert und 2.765 erreichbare Controller identifiziert.
Behörden mahnen zur Absicherung vernetzter GerÀte
ANSSI-Chef Vincent Strubel riet betroffenen Betreibern zur sofortigen Trennung der Systeme vom Internet oder zu starker Filterung. In Deutschland betonten Claudia Plattner, die PrĂ€sidentin des Bundesamts fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik, der Vorfall zeige die Verwundbarkeit des Alltags und hĂ€tte jedes Land treffen können.
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Das BSI empfiehlt Betreibern, direkte Internetzugriffe auf Steuerungssysteme abzustellen und ZugĂ€nge ĂŒber VPN sowie Multifaktor-Authentifizierung abzusichern. Deutsche HĂ€ndler wie Kaufland, Lidl und die REWE Group verzeichneten bislang keine vergleichbaren VorfĂ€lle.
Die VorfĂ€lle rĂŒcken zugleich die Verwundbarkeit vernetzter Hardware insgesamt in den Fokus. Forscher des KI-Unternehmens Anthropic warnten kĂŒrzlich vor mangelnden Schutzvorkehrungen in smarten GerĂ€ten. In Experimenten zeigten William Zhou und Daniel Freeman, wie sich Modelle verteilt auf 15 Android-TV-Boxen fĂŒr je rund 55 US-Dollar einrichten und replizieren lieĂen.
WĂ€hrend Anthropic-CEO Dario Amodei vor immensen wirtschaftlichen SchĂ€den durch kĂŒnftige Botnetze warnte, bezweifelten Sicherheitsexperten den praktischen Nutzen solcher KI-gestĂŒtzten Angriffe gegenĂŒber herkömmlicher Schadsoftware.
