Darm-Bakterien, ADHS

Darm-Bakterien schĂŒtzen vor ADHS: Neue Studie mit 969 SĂ€uglingen

Veröffentlicht: 03.07.2026 um 04:01 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen ADHS als Energiedefizit im Gehirn und identifizieren Darmbakterien sowie Stillen als mögliche Schutzfaktoren.

ADHS-Forschung: Neue Modelle und frĂŒhe Schutzfaktoren entdeckt
Abstrakte Darstellung von GehirnaktivitĂ€t und Energiefluss mit leuchtenden neuronalen Pfaden, die neurobiologische Forschung symbolisieren. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Im Fokus stehen der neuronale Energiehaushalt und frĂŒhe biologische EinflĂŒsse.

Das EDHD-Modell: ADHS als Energiedefizit?

Ein neuer Ansatz des Neurobiologen Mohammad Dawood Rahimi von der Freien UniversitĂ€t Berlin schlĂ€gt eine radikale Neudefinition vor. Im Fachjournal Neuroscience & Biobehavioral Reviews fĂŒhrt er das Modell der „Energy Deficit Hyperactivity Disorder“ (EDHD) ein.

Die Kernaussage: ADHS ist nicht primĂ€r ein Aufmerksamkeitsdefizit, sondern die Folge einer instabilen Energieversorgung der Nervenzellen. Das Modell soll die Stigmatisierung Betroffener reduzieren, indem es die Symptome auf biologische Prozesse im Gehirn zurĂŒckfĂŒhrt. Rahimi betont die Bedeutung von Schlaf, ErnĂ€hrung und Stoffwechsel fĂŒr die Stabilisierung der neuronalen Energie.

Genetische Marker verraten frĂŒhe Anzeichen

ErgĂ€nzend liefern großangelegte genetische Studien neue Einblicke in die frĂŒhe Entwicklung der Störung. Eine in Nature Human Behaviour veröffentlichte Analyse von Daten rund 80.000 SĂ€uglingen und Kleinkindern zeigt: Genetische Marker, die das AktivitĂ€tsniveau zwischen 12 und 36 Monaten beeinflussen, ĂŒberschneiden sich signifikant mit der genetischen Basis von ADHS.

Rund zehn Prozent der Varianz im AktivitĂ€tsniveau lassen sich durch hĂ€ufige genetische Varianten erklĂ€ren. Besonders das Gen RHEBL1 wurde mit niedrigerer AktivitĂ€t in Verbindung gebracht. Dieselben Marker beeinflussen auch die GenaktivitĂ€t im Kortex – ein Hinweis auf den Zusammenhang zwischen motorischer Entwicklung und neurobiologischer Veranlagung.

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Mikrobiom und Epigenetik: Schutz aus dem Darm?

Auch die Rolle des Darms rĂŒckt in den Fokus. Eine Studie in Cell Press Blue untersuchte Nabelschnurblut von 571 Neugeborenen und Stuhlproben von 969 SĂ€uglingen. Die Forscher identifizierten BakterienstĂ€mme mit potenziell schĂŒtzender Wirkung.

WĂ€hrend Lachnospira pectinoschiza mit einem Schutz vor Autismus assoziiert wurde, erwies sich Parabacteroides distasonis als Schutzfaktor gegen ADHS – bei Kindern mit entsprechender genetischer oder epigenetischer Vorbelastung. Die Studie zeigte zudem: Kaiserschnitte verĂ€ndern Methylierungsmuster in Genen, die fĂŒr Immun- und Gehirnentwicklung entscheidend sind.

Stillen als Schutzfaktor – Paracetamol entlastet

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Eine norwegische Untersuchung in Biological Psychiatry wertete Daten von ĂŒber 37.000 Kindern aus. Das Ergebnis: Ausschließliches Stillen ĂŒber sechs Monate korreliert mit geringeren ADHS-Symptomen im Alter von acht Jahren. Auf einer Bewertungsskala erreichten voll gestillte Kinder im Schnitt 3,0 Punkte, andere 3,4 Punkte. Der Effekt ist statistisch klein, doch eine Geschwisteranalyse deutet auf einen kausalen Zusammenhang hin.

Gleichzeitig entlasten neue Analysen einen umstrittenen Risikofaktor. Eine 2026 in JAMA Internal Medicine veröffentlichte Kohortenstudie der UniversitĂ€t Hongkong untersuchte Paracetamol in der Schwangerschaft. Die herkömmliche Analyse zeigte eine Assoziation mit ADHS – die jedoch in der Geschwisteranalyse vollstĂ€ndig verschwand. Die Forscher schlussfolgern: FrĂŒhere Beobachtungen erklĂ€ren sich eher durch nicht erfasste familiĂ€re Faktoren als durch das Medikament selbst.

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