Darmentzündung, Enzym

Darmentzündung: Enzym QPRT blockiert Heilung der Schleimhaut

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kieler und US-Forschende identifizieren QPRT als Ursache gestörter Zellenergie in entzündeter Darmschleimhaut. Nicotinamid könnte neuen Therapieansatz bieten.

Darmheilung: Enzym QPRT blockiert Energieversorgung bei chronischer Entzündung
Ein medizinisches Labor mit Mikroskop und Laborgeräten zur Erforschung von Entzündungsprozessen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Chronisch entzündete Darmschleimhaut heilt oft schlecht – und ein Grund dafür scheint in einem körpereigenen Stoffwechselprozess zu liegen, der sich gegen die eigene Reparaturfähigkeit richtet.

Forschende aus Kiel und den USA haben untersucht, wie ein bestimmtes Enzym die Energieversorgung entzündeter Darmzellen stört und damit deren Heilung erschwert. Die Ergebnisse wurden in den Fachjournalen Journal of Crohn's and Colitis, Cell Reports sowie dem International Journal of Tryptophan Research veröffentlicht.

Ein Enzym als Bremse der Zellenergie

Im Zentrum der Forschung steht das Enzym QPRT, das in der Darmschleimhaut eine wichtige Rolle im Stoffwechsel spielt. Normalerweise wird aus der Aminosäure Tryptophan über mehrere Zwischenschritte der Energieträger NAD+ gebildet – ein Molekül, das Zellen für ihre Energieversorgung benötigen.

Laut den Studien blockiert QPRT bei chronischen Darmentzündungen diesen Prozess und verhindert so, dass ausreichend NAD+ entsteht. Die Folge ist eine gestörte Energieversorgung der Darmschleimhautzellen genau in jenen Bereichen, die durch die Entzündung ohnehin bereits geschädigt sind.

Dieser Mechanismus erklärt laut den Forschenden, warum entzündete Darmareale bei Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa oft nur schwer abheilen: Die Zellen verfügen schlicht nicht über genügend Energie, um Reparaturprozesse in Gang zu setzen. Damit entsteht ein Teufelskreis, in dem die Entzündung selbst die Voraussetzungen für ihre eigene Heilung untergräbt.

Bedeutung für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehören zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, bei denen Phasen akuter Entzündung mit Phasen relativer Ruhe wechseln, ohne dass die Schleimhaut vollständig ausheilt. Die neu beschriebene Blockade der NAD+-Bildung durch QPRT liefert einen möglichen Erklärungsansatz dafür, warum die Regeneration der Darmschleimhaut bei diesen Erkrankungen ausbleibt, obwohl die akute Entzündungsreaktion zurückgehen kann.

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Nicotinamid als möglicher Therapieansatz

Aus den Erkenntnissen zum gestörten Tryptophan-NAD+-Stoffwechsel leiten die Forschenden einen therapeutischen Ansatz ab: die Gabe von Nicotinamid, einer Vorstufe von NAD+, die den blockierten Stoffwechselweg umgehen könnte. Dieser Ansatz wird in der klinischen Studie ORNATUS bei Patientinnen und Patienten mit Colitis ulcerosa untersucht.

Ziel ist es zu prüfen, ob eine gezielte Zufuhr von Nicotinamid die Energieversorgung der Darmschleimhaut verbessern und damit die Heilung unterstützen kann, ohne dass die durch QPRT verursachte Blockade umgangen werden muss.

Einordnung für Betroffene

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Für Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen liefert die Forschung aus Kiel und den USA eine neue Perspektive auf ein altbekanntes Problem: die oft unvollständige Heilung der Darmschleimhaut trotz medikamentöser Entzündungshemmung.

Sollte sich der Ansatz mit Nicotinamid in der laufenden ORNATUS-Studie bewähren, könnte er künftig eine ergänzende Therapieoption darstellen, die nicht primär die Entzündung selbst, sondern die gestörte Energieversorgung der geschädigten Zellen adressiert. Bis belastbare klinische Ergebnisse vorliegen, bleibt der Ansatz jedoch experimentell.

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