Darmflora, VaccensÀure

Darmflora: VaccensÀure senkt Blutzucker und baut Fettleber ab

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 10:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Konstanzer Forschende identifizieren VaccensĂ€ure als LRH-1-Aktivator, der im Mausmodell Blutzucker und Blutfette senkte sowie Fettleber zurĂŒckbildete.

UniversitÀt Konstanz entdeckt Darmbakterien-Liganden gegen Fettleber
Mikroskopische Aufnahme einer biologischen Zellstruktur, die den Darmtrakt darstellt. Illustration mit AI erstellt.

Forschende der UniversitĂ€t Konstanz haben auf molekularer Ebene nachgewiesen, dass Stoffwechselprodukte der Darmflora systemisch auf den gesamten Organismus einwirken. Konkret sinkt der Blutzucker, und eine bestehende Fettleber, medizinisch als hepatische Steatose bezeichnet, bildet sich zurĂŒck.

Die Ergebnisse wurden laut einem Bericht von analytik.de vom 22. September 2026 veröffentlicht und liefern neue Ansatzpunkte dafĂŒr, wie mikrobielle Stoffwechselprodukte Krankheitsprozesse beeinflussen können.

Ein lange bekannter Rezeptor, ein neu entdeckter Auslöser

Im Zentrum der Untersuchung steht der nukleĂ€re Rezeptor LRH-1/NR5A2, ein Transkriptionsfaktor, der EntzĂŒndungsprozesse, metabolische Erkrankungen und die Entstehung von Tumoren reguliert.

Wie mt-portal.de berichtete, war dieser Faktor bereits seit zwei Jahrzehnten in Darm und Leber bekannt – der Ligand jedoch, der ihn aktiviert, blieb bislang unbekannt. Genau diese LĂŒcke haben die Konstanzer Forschenden nun geschlossen: Sie identifizierten erstmals einen bakteriellen Liganden fĂŒr LRH-1, die trans-FettsĂ€ure VaccensĂ€ure.

Diese FettsĂ€ure wird von Bakterien gebildet, die im Verdauungstrakt von WiederkĂ€uern leben, und gelangt ĂŒber den Verzehr von Fleisch und Milch in den menschlichen beziehungsweise tierischen Darm. Damit zeigt sich ein direkter Zusammenhang zwischen der ErnĂ€hrung, der mikrobiellen AktivitĂ€t im Darm und einem Regulator, der weit ĂŒber den Verdauungstrakt hinaus wirkt.

Deutliche Effekte im Tiermodell

Die Wirkung der VaccensĂ€ure wurde in Mausversuchen ĂŒberprĂŒft. Laut den Berichten von analytik.de und mt-portal.de fĂŒhrte die Substanz im lebenden Organismus zu einer signifikanten Reduktion von Blutglucose- und Blutfettwerten.

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Bemerkenswert ist zudem, dass eine bereits bestehende Fettleber unter dem Einfluss der VaccensĂ€ure zurĂŒckging – es handelte sich also nicht nur um eine vorbeugende, sondern um eine tatsĂ€chlich rĂŒckbildende Wirkung auf ein bereits vorhandenes Krankheitsbild.

Diese Beobachtung ist insofern von Bedeutung, als die nichtalkoholische Fettleber zu den hĂ€ufigsten metabolischen Störungen zĂ€hlt und eng mit Übergewicht, Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes verknĂŒpft ist. Ein bakterieller Metabolit, der ĂŒber einen bekannten, aber bislang ligandenlosen Rezeptor gleich mehrere dieser Stoffwechselparameter beeinflusst, liefert einen molekularen Mechanismus, der bislang nicht beschrieben war.

Einordnung in die Forschung zu Darm-Organismus-Achsen

Die Ergebnisse fĂŒgen sich in ein wachsendes Forschungsfeld ein, das die Darmflora nicht mehr nur als lokalen Akteur der Verdauung begreift, sondern als systemischen Einflussfaktor auf Stoffwechsel, EntzĂŒndung und potenziell auch onkologische Prozesse.

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Dass LRH-1/NR5A2 gleichzeitig EntzĂŒndung, Metabolismus und Tumorentstehung reguliert, macht die Entdeckung eines konkreten, ernĂ€hrungsbedingten bakteriellen Liganden fĂŒr die Grundlagenforschung besonders relevant.

Die Studie wurde von Plazzo und Kolleginnen und Kollegen verfasst und im Fachjournal EMBO Molecular Medicine veröffentlicht, unter der DOI 10.1038/s44321-026-00516-3. Die Befunde stammen bislang aus Zellkultur- und Mausmodellen; ob und in welchem Umfang sich die beobachteten Effekte auf den Menschen ĂŒbertragen lassen, lĂ€sst sich aus den vorliegenden Berichten nicht ableiten.

Dennoch liefert die Arbeit einen konkreten molekularen Mechanismus, der erklĂ€ren könnte, warum bestimmte ErnĂ€hrungsmuster – etwa der Konsum von Fleisch und Milchprodukten aus WiederkĂ€uern – mit Stoffwechselparametern wie Blutzucker und Leberfett in Verbindung stehen.

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de | wissenschaft | 70164531 |