Darmmikrobiom, Haustieren

Darmmikrobiom bei Haustieren: Probiotika senken Stressanfälligkeit

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 15:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachberichte untersuchen Probiotika bei Hunden und Katzen: Im Mittelpunkt stehen Darmflora, Immunfunktion und mögliche Effekte auf Stressreaktionen.

Probiotika bei Haustieren: Studien zeigen Effekte auf Darmflora
Nahaufnahme einer Petrischale mit Nährboden in einem tiermedizinischen Labor zur Erforschung des Mikrobioms. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Studien und tiermedizinische Fachberichte befassen sich verstärkt mit dem Darmmikrobiom von Haustieren. Im Fokus der Untersuchungen steht die Frage, wie Probiotika und spezifische Nahrungsergänzungsmittel das mikrobielle Gleichgewicht im Verdauungstrakt stabilisieren, das Immunsystem unterstützen und die Anfälligkeit für stressbedingte Reaktionen bei Hunden und Katzen verringern können.

Da schätzungsweise 70 Prozent der Immunzellen im Darmgewebe angesiedelt sind, gelten Störungen der Darmflora als bedeutender Faktor für chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Gastritis oder IBD sowie für ein geschwächtes Allgemeinbefinden.

Gezielter Bakterieneinsatz zur Stressreduktion

Nach Einschätzung von Dr. Miquel Montserrat von Nestlé Purina PetCare Europe können Probiotika dazu beitragen, das mikrobielle Milieu im Magen-Darm-Trakt auszugleichen und die Stressempfindlichkeit von Hunden und Katzen messbar zu dämpfen. Für diesen Zweck wird unter anderem das Präparat Purina Pro Plan FortiFlora herangezogen, das den Stamm Enterococcus faecium SF68 enthält.

Für die Verabreichung gelten abgestufte Protokolle bei einer Dosierung von einem Beutel pro Tag. Bei gastrointestinalen Beschwerden wird eine Gabe bis mindestens sieben Tage nach Abklingen der Symptome vorgesehen.

Begleitend zu einer Antibiose erfolgt die Anwendung täglich während der Medikation sowie sieben Tage darüber hinaus, idealerweise mit einem Zeitfenster von drei Stunden vor oder nach der Antibiotikagabe. Bei Futterumstellungen empfiehlt sich der Einsatz drei Tage vor und mindestens sieben Tage nach dem Wechsel.

Zur allgemeinen Immunstimulation wird eine Mindestdauer von 30 Tagen veranschlagt, während bei absehbaren Belastungssituationen ein Zeitfenster von drei Tagen vor bis drei Tage nach dem jeweiligen Ereignis angesetzt wird.

Neue Isolate und funktionelle Eigenschaften

Wissenschaftliche Arbeiten analysieren zudem neue probiotische Stämme hinsichtlich ihrer Widerstandsfähigkeit im Verdauungstrakt. In der Fachzeitschrift „3 Biotech“ wurde die Isolierung des Stammes Limosilactobacillus reuteri MKLQ3807-13 beschrieben, der aus dem Kot eines Kunming-Polizeihundes gewonnen wurde.

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Rund 70 Prozent der Immunzellen sitzen im Darmgewebe — Störungen der Darmflora gelten deshalb als Treiber von Gastritis, IBD und stressbedingten Reaktionen. Wer die Gabe von Probiotika nach Anlass staffelt, statt einfach täglich einen Beutel zu geben, kann das mikrobielle Gleichgewicht gezielter stützen. Kostenlosen Dosierplan für Hund und Katze anfordern

Die Genomanalyse ergab eine Größe von 2,05 Megabasen ohne Plasmide, Virulenzfaktoren oder übertragbare Antibiotikaresistenzen (NCBI GenBank PRJNA1393654, DOI: 10.1007/s13205-026-05070-w).

In Laborversuchen zeigte der Stamm eine Überlebensrate von 88,21 Prozent bei einem pH-Wert von 2,0 sowie von 96,43 Prozent bei 0,3 Prozent Gallensalzen. Die Zelloberflächen-Hydrophobizität lag bei 76,28 Prozent, während die Adhäsionsrate an HT-29-Zellen mit 18,71 Prozent beziffert wurde.

Zudem wies das Isolat nach 48 Stunden Fermentation eine Produktion von Gamma-Aminobuttersäure (GABA) in Höhe von 36,36 µmol/ml auf, ohne dabei Hämolyse zu verursachen oder biogene Amine zu bilden.

Mikrobiologische Befunde aus Diensthundestudien

Ergänzende Erkenntnisse zur Modulation der Darmflora lieferte eine Studie der Staatlichen Agrarakademie Samara aus dem Jahr 2018 an 30 Diensthunden im Zentrum für Hundedienst Samara. Fünfzehn Deutsche und Belgische Schäferhunde erhielten neben Standardfutter das Synbiotikum BLED-1, kombiniert mit Inulin, Selen und dem aus Lärchenholz gewonnenen Antioxidans Dihydroquercetin.

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Gegenüber der Kontrollgruppe stieg der Anteil nützlicher Kulturen von Lactobacillus delbrueckii und Bifidobacterium bifidum von 96,00 Prozent auf 97,42 Prozent, während bedingt pathogene Keime von 4,00 Prozent auf 2,58 Prozent zurückgingen.

Gleichzeitig erhöhte sich die Biofilmbildung bei Bifidobacterium bifidum in der Versuchsgruppe auf einen Wert von 80,34±2,18 gegenüber 67,38±2,64 in der Kontrolle; bei Lactobacillus delbrueckii betrug sie 86,12±3,73 im Vergleich zu 73,62±3,18. In früheren Versuchsreihen der Akademie aus den Jahren 2015 bis 2017 an erkrankten Hunden unter Vincristin-Therapie führte die Gabe des Probiotikums Baktistatin zusammen mit Dihydroquercetin ebenfalls zu einer gesteigerten Biofilmbildung beider Leitkeime auf Werte von über 90. Die Studiendaten verdeutlichen das Potenzial synbiotischer Gaben, um die Schutzbarriere des Darms gegen Fehlbesiedlungen zu festigen.

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