Darmmikrobiom, Krebs

Darmmikrobiom bei Krebs: Zucker verstärkt Rückgang der Vielfalt um 24,1 Prozent

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 07:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei Stammzelltransplantationen ging Zucker unter Breitbandantibiotika mit geringerer mikrobieller Vielfalt einher; weitere Ansätze bleiben prüfungsbedürftig.

Darmmikrobiom bei Krebstherapien: Zucker, Antibiotika und neue Ansätze
Eine leere, sterile Labor-Petrischale auf einer weißen Oberfläche bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen analysieren verstärkt, wie spezifische probiotische Stämme die Wirksamkeit von Krebstherapien verbessern und Nebenwirkungen reduzieren können, während der Einsatz von Stuhltransplantationen bei entzündlichen Erkrankungen in der Fachwelt weiterhin kritisch bewertet wird.

Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses steht die Frage, wie sich die Zusammensetzung des Darmmikrobioms während intensiver onkologischer Behandlungen gezielt stabilisieren lässt, um Komplikationen abzuwenden und die Verträglichkeit von Therapien zu erhöhen.

Mikrobielle Vielfalt unter Breitspektrum-Antibiotika bei Stammzelltransplantationen

Welchen massiven Belastungen das Mikrobiom während einer Krebstherapie ausgesetzt ist, verdeutlicht eine im Fachjournal Nature publizierte Forschungsarbeit (DOI: 10.1038/s41586-026-11077-3), über die unter anderem wissenschaft.de, t-online.de und die Pharmazeutische Zeitung in Berichten vom 01.10.2026 informierten.

Für die Untersuchung wurden 9.419 Mahlzeiten von 173 Patienten mit hämatologischen Krebserkrankungen erfasst, die sich einer Stammzelltransplantation unterzogen hatten. Zudem wurden mehr als 1.000 Stuhlproben ausgewertet; für 158 der Patienten lagen 1.009 auswertbare Mikrobiomproben vor.

Die Auswertungen zeigten, dass unter der Gabe von Breitbandantibiotika die mikrobielle Vielfalt pro 100 g zusätzlich aufgenommenem Zucker durchschnittlich um 24 % sank.

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Das Berechnungsmodell sagte pro 100 g zusätzlicher Lebensmittel aus der Kategorie Zucker, Süßigkeiten und gesüßte Getränke eine um 24,1 % stärkere Abnahme der mittleren ?-Diversität voraus; eine ergänzende Makronährstoffanalyse wies für Zucker einen zusätzlichen Rückgang um 20,6 % aus.

Gleichzeitig breitete sich das Bakterium Enterococcus faecium aus. Begleitende Tierversuche an Mäusen bestätigten eine stärkere Vermehrung von Enterokokken bei gleichzeitiger Gabe von Breitbandantibiotika und Zucker, während Zucker allein die Vielfalt nicht minderte.

Die Forschenden schränken ein, dass diese Resultate eine spezielle Patientengruppe betreffen und nicht ohne Weiteres auf andere Personengruppen oder gewöhnliche Antibiotikatherapien übertragbar sind. Eine allgemeine Empfehlung zum Verzicht auf Zucker halten die Wissenschaftler derzeit für verfrüht; entsprechende Effekte müssten zunächst klinisch überprüft werden.

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Ein Beitrag der Süddeutschen Zeitung vom 01.10.2026 gab zudem zu bedenken, dass die zugrunde liegende Studie nicht direkt untersucht habe, ob eine verminderte Zuckeraufnahme das Mikrobiom tatsächlich schützt.

Mikrobiom-Modulation zur Milderung von Toxizitäten bei Magenkrebs

Einen weiteren Ansatz zur Unterstützung von Krebspatienten liefert eine Übersichtsarbeit in Supportive Care in Cancer, über die scienmag.com am 01.10.2026 berichtete. Das Review untersuchte, wie Verfahren der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) bei Magenkrebs die durch Chemotherapie bedingten Begleiterscheinungen über Veränderungen des Darmmikrobioms abschwächen können.

Präklinische und klinische Daten deuten darauf hin, dass diese Ansätze Magen-Darm-Toxizitäten und Entzündungsreaktionen senken sowie die körpereigene Immunfunktion unterstützen können.

Zu den analysierten Substanzen gehören unter anderem Kräuterpolysaccharide, Flavonoide und Rezepturen wie Shenqi Fuzheng. Da die vorhandene Evidenz jedoch teils begrenzt ist, sprechen sich die Autoren für größere randomisierte Studien und personalisierte Anwendungen aus.

Begleitende Probiotika bei medikamentösen Schäden

Über die Onkologie hinaus wird der präventive Einsatz von Probiotika diskutiert, um medikamentös bedingten Schäden der Darmflora vorzubeugen. In einem Bericht vom 02.10.2026 auf lokalanzeiger.info wird darauf hingewiesen, dass Antibiotika nützliche Darmbakterien empfindlich schädigen und etwa jeder zehnte Patient einen antibiotikaassoziierten Durchfall entwickelt.

Ein Gastroenterologe empfiehlt in diesem Zusammenhang, Probiotika bereits ab dem ersten Behandlungstag einzusetzen, und erklärt mit Bezug auf das Präparat Innovall® AB+, dass eine Kapsel täglich mit vier Lakto- und Bifidobakterienstämmen die Symptome reduzieren könne.

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