Darmstoffwechsel, Schwerelosigkeit

Darmstoffwechsel: Schwerelosigkeit löst Proteinfermentation aus

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine neue Studie zeigt: Schwerelosigkeit beeinflusst die Darmtätigkeit von Raumfahrern erheblich. Die Ergebnisse könnten auch für die Behandlung immobilisierter Patienten auf der Erde relevant sein.

Weltraumforschung: Mikrogravitation verändert Darmflora und Stoffwechsel von Astronauten
Ein Astronaut arbeitet konzentriert in einem wissenschaftlichen Labor an Bord einer Raumstation. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Kopenhagen und der NASA geben neue Einblicke in die physiologischen Herausforderungen von Langzeitaufenthalten im Weltraum.

Eine am 16. August 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Studie belegt signifikante Veränderungen im Stoffwechsel von Raumfahrern, die unmittelbar mit dem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit zusammenhängen. Im Zentrum der Forschung steht die Erkenntnis, dass die Mikrogravitation die Prozesse im menschlichen Darm tiefgreifend beeinflusst.

Die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf das Mikrobiom

Für die Untersuchung analysierten die Forschenden Blutproben von insgesamt 52 Astronauten, die an Missionen auf der Internationalen Raumstation (ISS) mit einer Dauer von zwei bis neun Monaten teilnahmen.

Die Ergebnisse zeigen, dass bereits innerhalb weniger Wochen nach der Ankunft auf der ISS eine erhöhte Proteinfermentation im Darm einsetzt. Dieser Prozess, bei dem Proteine durch Darmbakterien zersetzt werden, hielt laut der Studie über den gesamten Zeitraum des Aufenthalts bis zur Rückkehr der Astronauten an.

Als primäre Ursache für diese Veränderung identifizierten die Wissenschaftler die Mikrogravitation. Diese führt offenbar zu einer verlangsamten Darmpassage der Nahrung. Durch die längere Verweildauer des Speisebreis im Verdauungstrakt haben Bakterien mehr Zeit, Proteine zu fermentieren, was den Stoffwechselhaushalt messbar verändert.

An der Studie waren neben Professor Lars Ove Dragsted von der Universität Kopenhagen auch die Lektorin Giorgia La Barbera, der Adjunkt Jan Stanstrup sowie Henrik Roager beteiligt.

Mögliche Risiken für Nieren und kognitive Leistungen

Die erhöhte Proteinfermentation ist aus medizinischer Sicht nicht unbedenklich. Die Studie der NASA und der Universität Kopenhagen weist auf potenzielle Auswirkungen hin, die über den Verdauungstrakt hinausgehen. So könnten die bei der Fermentation entstehenden Stoffwechselprodukte die Nierenfunktion belasten.

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Darüber hinaus sehen die Forscher einen Zusammenhang zwischen den Stoffwechselprozessen im Darm und der mentalen Verfassung der Besatzungsmitglieder. Es gebe Hinweise darauf, dass die veränderte Darmaktivität negativen Einfluss auf die Stimmung sowie die Konzentrationsfähigkeit der Astronauten haben könnte.

Da kognitive Höchstleistungen und psychische Stabilität Grundvoraussetzungen für den Erfolg von Weltraummissionen sind, stellt die Stabilisierung des Darm-Stoffwechsels eine wichtige Aufgabe für die künftige Missionsplanung dar.

Präventive Ansätze und klinische Relevanz auf der Erde

Um den negativen Effekten der Mikrogravitation entgegenzuwirken, schlagen die beteiligten Wissenschaftler gezielte ernährungsphysiologische Maßnahmen vor. Der Einsatz von Ballaststoffen und Präbiotika könnte dazu beitragen, die Darmpassage zu regulieren und die Proteinfermentation auf ein gesundes Maß zu reduzieren.

Lars Ove Dragsted, Professor an der Universität Kopenhagen, betonte in diesem Zusammenhang, dass die Erkenntnis über die fundamentale Bedeutung der Schwerkraft für die Darmfunktion einen neuen Forschungsaspekt darstelle.

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Die Bedeutung der am 16. August 2026 veröffentlichten Daten reicht jedoch über die Raumfahrt hinaus. Die Forschenden weisen darauf hin, dass die Ergebnisse auch für die Medizin auf der Erde von hoher Relevanz sein könnten.

Insbesondere bei bettlägerigen Patienten, die sich über längere Zeit in einer physischen Inaktivität befinden, könnten ähnliche Prozesse der verlangsamten Darmpassage und veränderten Fermentation auftreten. Die im Weltraum gewonnenen Erkenntnisse könnten somit dabei helfen, neue Ernährungsstrategien für die klinische Versorgung von Patienten mit eingeschränkter Mobilität zu entwickeln.

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