Datenschutz im Auto: 28 von 30 Hersteller-Apps senden Daten an Werbefirmen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 21:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine gemeinsame Untersuchung der Northeastern University und der Organisation Consumer Reports belegt erhebliche Mängel beim Datenschutz moderner Automobile. Demnach leiten zahlreiche vernetzte Fahrzeuge und zugehörige Smartphone-Anwendungen sensible Informationen über Fahrerinnen und Fahrer an Werbe- und Analyseunternehmen weiter. Untersucht wurden insgesamt 21 Fahrzeugmodelle von 17 Herstellern sowie 30 herstellereigene Apps.
Kopplung mit Apps verdoppelt Tracking-Aktivitäten
Die Ergebnisse der Forscher zeigen, dass 19 der 21 analysierten Fahrzeuge aus den Modelljahren 2022 bis 2025 von 19 verschiedenen Marken Kontakt zu mindestens einem Drittanbieter aufnahmen. Lediglich zwei der geprüften Modelle übermittelten keine Daten an Dritte.
Weil die fahrzeugeigenen Datenströme überwiegend verschlüsselt waren, ließ sich deren Inhalt im Auto meist nicht detailliert auslesen. Umso tiefere Einblicke ermöglichte die Analyse des Datenverkehrs der mobilen Anwendungen.
Hierbei stellte sich heraus, dass 28 von 30 untersuchten Apps Daten an externe Werbe- oder Analysefirmen übertrugen. Das Koppeln der Smartphone-App mit dem Fahrzeug verdoppelte die Werbe- und Tracking-Exposition annähernd. Fast ein Viertel der getesteten Hersteller-Apps versendete persönliche Angaben wie Namen oder Standortdaten.
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Bei sieben Anwendungen stellten die Prüfer fest, dass hochsensible Informationen – darunter die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (VIN), E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder präzise Standortdaten – an Werbe- und Trackingfirmen flossen.
Konkret teilten vier Apps von General Motors sowie HondaLink, MyNissan und Lincoln die Identifizierungsnummer in Verbindung mit E-Mail-Adressen oder Geodaten, was die Zusammenführung zu detaillierten Nutzerprofilen ermöglicht.
Breite Palette an Datenempfängern
Zu den häufig kontaktierten Zielen zählten unter anderem der Datenhändler Acxiom, Adobe Analytics sowie Contentsquare. Daten flossen zudem an große Technologiekonzerne und Plattformen wie Amazon, Google, Meta, Microsoft, Pinterest, Snap, Yahoo und Reddit.
Bei den Fahrzeugen selbst fiel insbesondere Tesla auf: Das Model 3 kontaktierte 34 verschiedene Werbe-, Tracking- oder Analysedomains, während beim Cybertruck 23 solcher Verbindungen registriert wurden. Tesla weist darauf hin, dass ein Opt-out aus der Datenerfassung zu Funktionseinschränkungen, schweren Schäden oder gar zur Nichtbetriebsfähigkeit des Fahrzeugs führen könne.
Einige Automobilhersteller begründeten die Befunde damit, dass in Apps eingebettete Webseiten über Cookies und Tracking-Pixel Daten erfassen könnten. Zudem wurden Dienste teils als freiwillig deklariert, wenngleich eine Verweigerung Funktionen unzugänglich mache.
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Konsequenzen für Hersteller und behördliche Schritte
Infolge der Untersuchungsergebnisse zog Honda Konsequenzen: Der Hersteller wies den Dienstleister Amplitude an, bereits übermittelte Standort- und Identifizierungsdaten zu löschen, stoppte die Übertragung und modifizierte die eigene Anwendung, damit künftig keine Geodaten mehr versendet werden.
Der Umgang mit Fahrdaten rückte bereits zuvor in den Fokus der Regulierer. Die US-Handelsbehörde FTC belegte General Motors wegen der Erfassung von Standort- und Fahrdaten ohne informierte Einwilligung mit Sanktionen, während Ford und Honda kleinere Geldbußen erhielten. Die vollständige Studie von Consumer Reports und der Northeastern University soll auf der ACM Internet Measurement Conference vom 12. bis 16. Oktober 2026 vorgestellt werden.
