Datenschutz-Offensive: New Jersey erhebt Rekordgebühren bis 1,5 Mio. Euro
Veröffentlicht: 03.07.2026 um 18:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Mehrere US-Bundesstaaten ziehen die Daumenschrauben für Datenhändler und Tech-Konzerne an – mit drastischen Konsequenzen für Unternehmen.
Ende Juni und Anfang Juli 2026 haben gleich mehrere US-Bundesstaaten wegweisende Datenschutzgesetze verabschiedet. Besonders brisant: New Jersey erhebt künftig Registrierungsgebühren von bis zu 1,5 Millionen Euro für große Datenhändler. Die Entwicklung betrifft auch europäische Unternehmen, die in den USA geschäftlich aktiv sind.
New Jersey: Rekordstrafen für Datenmissbrauch
Am 30. Juni 2026 trat in New Jersey ein neues Gesetz für Datenhändler in Kraft. Es ist das siebtes seiner Art in den USA. Das Gesetz verlangt von Datenhändlern und Datensammlern eine jährliche Registrierung mit gestaffelten Gebühren. Für die größten Akteure können diese bis zu 1,5 Millionen Euro betragen – laut Branchenbeobachtern die höchsten Gebühren landesweit.
Der Verkauf sensibler Daten wird komplett verboten. Verstöße kosten bis zu 50.000 Euro pro Datensatz. Das Register soll am 27. März 2027 starten. Juristen rechnen mit Klagen gegen die hohen Gebühren und den weiten Anwendungsbereich.
Zusätzlich hat New Jersey den "Fair Price Protection Act" verabschiedet, der noch der Unterschrift des Gouverneurs bedarf. Das Gesetz verbietet sogenannte "Surveillance Pricing" – also Preise, die sich an persönlichen Daten orientieren.
Connecticut: Kinder besonders geschützt
Seit dem 1. Juli 2026 gelten in Connecticut verschärfte Datenschutzregeln. Die Änderungen des Connecticut Data Privacy Act (CTDPA) erweitern den Anwendungsbereich und schaffen neue Pflichten für Profiling, automatisierte Entscheidungen und den Umgang mit Daten Minderjähriger.
Generalstaatsanwalt William Tong stellte am 2. Juli klar: „Es ist illegal, wenn Tech-Konzerne Kinder mit süchtig machenden Funktionen ködern." Ab dem 1. August 2026 müssen Unternehmen zudem Profiling-Folgenabschätzungen vorlegen.
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Bereits im Mai hatte Connecticut ein Datenhändler-Register eingeführt. Die Registrierung startet am 1. Januar 2027. Bis zum 1. Juli 2028 müssen Verbraucher Daten mit einem Klick löschen können.
Vermont und Louisiana: Zwei weitere Bundesstaaten ziehen nach
Vermont wurde im Juni 2026 zum 23. Bundesstaat mit einem umfassenden Datenschutzgesetz. Gouverneur Phil Scott unterzeichnete das Gesetz am 16. Juni. Es tritt am 1. Januar 2028 in Kraft und enthält eine Besonderheit: Unternehmen müssen offenlegen, wenn sie persönliche Daten für KI-Training nutzen. Neuronale Daten gelten als besonders schützenswert.
Louisiana war am 29. Mai vorausgegangen und wurde zum 22. Bundesstaat mit einem Datenschutzgesetz. Das Louisiana Data Privacy Act (LDPA) gilt ab dem 1. Januar 2027 für Unternehmen mit mindestens 25 Millionen Euro Umsatz, die Daten von über 100.000 Verbrauchern verarbeiten. Banken und Versicherungen sind ausgenommen.
Massachusetts: Kampf gegen die Suchtmaschine
Anfang Juli brachten Senatoren in Massachusetts einen Gesetzesentwurf ein, der süchtig machende Social-Media-Funktionen für Minderjährige verbieten soll. Betroffen sind unendliches Scrollen, Autoplay und algorithmisch kuratierte Feeds. Auch Nutzungs-Erinnerungen und strengere Privatsphäre-Einstellungen sind vorgesehen. Eine Debatte ist für den 9. Juli angesetzt.
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EU und USA: Datenfluss auf dem Prüfstand
Die Entwicklungen haben auch internationale Auswirkungen. Anfang Juli kündigte die EU-Kommission an, die jüngste US-Urteile des Supreme Courts zur Macht des Präsidenten über die Federal Trade Commission zu prüfen. Die Frage: Gefährdet das die Angemessenheit des EU-US-Datenschutzrahmens? Bisher bleibt die Entscheidung in Kraft – doch Bürgerrechtsgruppen fordern bereits den Entzug des Angemessenheitsbeschlusses.
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