DeepPsy, Millionen

DeepPsy: 1,99 Millionen Franken für Studie mit 500 Depressiven

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 05:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Digitale Therapien und KI eröffnen neue Unterstützungswege, doch Fachleute betonen Grenzen, Kontrolle und den Wert menschlicher Begleitung.

Digitale psychische Gesundheit: Chancen, Risiken und Forschung im Überblick
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Raum mit sanften Schatten, der Ruhe und Reflexion symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Die therapeutische Versorgung bei psychischen Belastungen steht vor strukturellen Herausforderungen. Monatelange Wartezeiten auf einen Therapieplatz führen dazu, dass digitale Angebote und automatisierte Systeme zunehmend in den Fokus rücken.

Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstärkt der Frage, welche Rolle digitale Therapeutika, sprachbasierte Modelle sowie spezialisierte Trainingsverfahren für das seelische Wohlbefinden und die Belastbarkeit im Alltag und Sport einnehmen können.

Chancen und Grenzen automatisierter Gesprächsangebote

Insbesondere jüngere Menschen greifen bei Liebeskummer, Ängsten, Einsamkeit oder Zukunftssorgen immer häufiger auf Künstliche Intelligenz als emotionales Gegenüber zurück. Solche Systeme sind durchgängig verfügbar und reagieren ohne Ermüdung. Angesichts von Engpässen in der Psychotherapie stehen Betroffene mitunter vor der Wahl zwischen einer automatisierten Antwort oder gar keiner Hilfestellung.

Fachleute weisen jedoch auf deutliche Risiken hin. Der Soziologe Hartmut Rosa betont, dass echte Resonanz ein Gegenüber mit eigener Stimme erfordere, während KI antworte, ohne selbst betroffen zu sein oder das Gespräch mitzuerleben. Technologie solle daher allenfalls als Resonanzbrücke fungieren und keinen Therapeuten ersetzen.

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Auch die Wissenschaftlerin Judith Simon warnt, dass Chatbots als Freund- oder Therapeutenersatz gefährlich sein können, da ständige Bestätigung primär langen Interaktionszeiten und der Datensammlung diene. Sie fordert unabhängige Kontrollen mit Zugriff auf interne Daten sowie klare Haftungsregeln für Hersteller.

Wissenschaftliche Projekte und digitale Anwendungen

Die Erforschung und Bereitstellung digitaler Instrumente schreitet in mehreren Projekten voran:
- An der FernUniversität in Hagen entwickeln die Arbeitsbereiche von Prof. Dr. Jan Dettmers und Prof. Dr. Christian Beecks im Projekt DIAS ein Erfassungsinstrument für Branchen wie die Logistik, unterstützt durch Drittmittel in Höhe von etwa 350.000 Euro aus dem FoGA-Programm des BMAS und der BAuA.
- Das Regensburger Start-up Brainjo konzipiert eine digitale Therapie mittels VR-Brille, um Kindern mit ADHS eine spielerische Unterstützung im Alltag zu bieten.
- In der Schweiz erhält DeepPsy vom Schweizerischen Nationalfonds 1,99 Millionen Franken für eine vierjährige randomisierte Studie mit 500 depressiven Erkrankten, um Therapien anhand elektrophysiologischer Biomarker aus EEG- und EKG-Daten zu optimieren.
- Etablierte Anbieter wie das Hamburger Unternehmen Gaia stellen seit 1998 verschreibungsfähige Programme bereit.

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Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind aktuell 82 Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) gelistet. Eine gemeldete Schwachstelle auf einer Gaia-Marketingseite wurde rasch geschlossen; Technologiechef Dr. Bernhard Wellhöfer stellte klar, dass die therapeutischen Programme nicht betroffen waren.

Initiativen im Sportumfeld und Neurofeedback-Befunde

Auch im Leistungs- und Vereinssport gewinnen mentale Aspekte und technische Methoden an Bedeutung. Eine Kooperation zwischen dem Frankfurter Sozialunternehmen Tomoni und Eintracht Frankfurt schult Betreuende im Erkennen seelischer Nöte.

Bei einer dortigen Befragung von 90 Trainerinnen und Trainern gab mehr als die Hälfte an, bereits mit psychischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen konfrontiert gewesen zu sein. An der Florida International University wurde zudem ein KI-Sprachanalysesystem zur Erkennung von Gehirnerschütterungen bei Sportlern eingeführt.

Gleichzeitig werden Methoden zur mentalen Leistungssteigerung wissenschaftlich evaluiert. Untersuchungen zu Neurofeedback zeigten gemischte Resultate: Während kleine Gruppen von Golfern oder Biathleten in Studien von 2015 und 2023 punktuelle Verbesserungen erzielten, lagen diese oft auf dem Niveau von Kontrollgruppen.

Fachartikel aus den Jahren 2018 und 2024 bescheinigen Neurofeedback moderate Effekte, die sich unter streng kontrollierten Bedingungen jedoch abschwächen. Digitale Technologien bieten somit neue Möglichkeiten zur Unterstützung der psychischen Gesundheit, erfordern jedoch weiterhin sorgfältige Abgrenzung und wissenschaftliche Kontrolle.

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