Demenz: 36% der FÀlle wÀren durch PrÀvention vermeidbar
14.06.2026 - 11:34:21 | boerse-global.de
Ehepartner tragen die Hauptlast â und stoĂen immer hĂ€ufiger an ihre Grenzen.
Wenn die Belastung eskaliert
Ein Prozessauftakt vor dem Landgericht Köln zeigt die extreme Seite der Ăberforderung. Eine 76-jĂ€hrige Frau steht unter dem Vorwurf, ihren 83-jĂ€hrigen, demenzkranken Ehemann in einem Streit erstochen zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht von Totschlag aus, die Angeklagte spricht von einem Unfall. Das Urteil wird Anfang Juli erwartet.
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Holger Schirotzek pflegt seine Frau Gisela zu Hause. Sein Ziel: die Betreuung so lange wie möglich selbst stemmen. Doch die tĂ€gliche Belastung gehe an die Substanz, rĂ€umt er ein. Ein 79-jĂ€hriger Ehemann schilderte Mitte Juni im Magazin âTag 7â Ă€hnliche Erfahrungen. Paare mĂŒssen ihren Alltag mit der fortschreitenden Erkrankung völlig neu organisieren.
Jeder dritte Fall wÀre vermeidbar
Die Wissenschaftsakademien Leopoldina, Union der deutschen Akademien und Acatech sehen groĂes PrĂ€ventionspotenzial. Rund 36 Prozent der DemenzfĂ€lle lieĂen sich durch die gezielte Beeinflussung von zwölf Risikofaktoren vermeiden, so ihre aktuelle Stellungnahme.
Die Rechnung der Experten: Eine Senkung der Erkrankungsrate um nur 15 Prozent könnte bis 2050 etwa 170.000 FĂ€lle verhindern. DafĂŒr fordern sie eine bessere Erhebung und Auswertung von Gesundheitsdaten.
Hilfe aus dem Garten und aus dem Netz
Gartentherapeutin Susanne BĂŒssenschĂŒtt empfiehlt pflegenden Angehörigen das GĂ€rtnern als Stressabbau. Lavendel oder Geranien auf dem Balkon stĂ€rken die Selbstwirksamkeit und schaffen Entspannungspausen.
In WĂŒrzburg startete Mitte Juni eine Online-Reihe zum Umgang mit Demenzkranken, geleitet von Referentin Felicia Wunder. Das Zentrum fĂŒr psychische Gesundheit in SchwĂ€bisch Hall bietet ab Anfang Juli eine modulare Schulungsreihe in zehn Einheiten an.
Der Film âDer verlorene Mannâ von Welf Reinhart thematisierte im Mai die emotionalen Verwerfungen einer Alzheimer-Erkrankung â mit Harald Krassnitzer und Dagmar Manzel in den Hauptrollen.
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Die finanzielle Schattenseite
Wer mindestens zehn Stunden pro Woche bei einem Patienten mit Pflegegrad 2 pflegt, kann sich als offizielle Pflegeperson registrieren lassen. Das sichert RentenbeitrÀge zwischen 139 und 736 Euro monatlich sowie Unfall- und Arbeitslosenversicherung. Hinzu kommt ein jÀhrlicher Anspruch auf Verhinderungspflege von bis zu 3.539 Euro.
Doch der finanzielle Druck wĂ€chst. In Bielefeld startete im Juni eine Petition gegen steigende Heimplatzkosten. Die Eigenanteile erreichen teilweise 5.000 Euro. Selbst Bezieher solider Renten droht dann die Armut â wenn hĂ€usliche Pflege nicht mehr möglich ist.
