Demenz-Beratung, Millionen

Demenz-Beratung: 1,8 Millionen Betroffene finden regionale Anlaufstellen

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 13:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Regionale Initiativen verbinden Beratung, angepasste Klinikabläufe und Begegnungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.

Demenzhilfe vor Ort: Kliniken, Vereine und Kommunen bauen Angebote aus
Ein heller, freundlicher Gemeinschaftsraum mit bequemen Sesseln in einem Kreis und Blick in einen grünen Garten. Illustration mit AI erstellt.

In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Um den Betroffenen sowie ihren Familien verlässliche Orientierung zu bieten, setzen zahlreiche Kommunen, Vereine und regionale Träger auf wohnortnahe Beratungsangebote, strukturierte Trainingsprogramme und gezielte Entlastungskonzepte.

Die Bandbreite der Maßnahmen reicht von neu formierten Fachgesellschaften über spezifische Angebote im Klinikalltag bis hin zu niedrigschwelligen Zusammenkünften und Informationsreihen.

Vereinsgründungen und ehrenamtliche Strukturen schaffen lokale Anlaufstellen

Um Lücken in der Versorgung zu schließen, entstehen kontinuierlich neue Anlaufstellen auf regionaler Ebene. So erfolgte die Neugründung der Alzheimer Gesellschaft Emsland mit der Zielsetzung, direkte Hilfe bei Demenzerkrankungen zu leisten. In Lilienthal stellte sich die Alzheimer Gesellschaft Lilienthal und Umzu personell neu auf.

Im Rahmen einer Mitgliederversammlung in den Räumen der Gesundheitsschule des Kreiskrankenhauses Osterholz wurde Jessica Weiland zur ersten Vorsitzenden gewählt, womit das Leitungsgremium wieder vollständig besetzt ist. Dem Vorstand gehören ferner Saskia Nötzel als zweite Vorsitzende, Cornelia Plötz als Schriftführerin, Marion Zimmermann als Kassenwartin und Eckhard Schlöbcke als Beisitzer an.

Petra Reiß, Geschäftsführerin des Vereins, betonte, dass der Verein mit Weiland eine starke Kraft für die Vorstandsarbeit gewinne. Die Vereinigung stellt Beratung sowie Unterstützung für Menschen mit Demenz und deren Angehörige bereit.

Ebenfalls auf praktische Hilfen setzt ein Demenz-Training in Schärding, das sich kostenfrei an Betroffene und Familien richtet. Weitere Orientierungshilfen entstehen im grenznahen Raum: Im Rahmen eines Tags der Demenz unter dem Leitgedanken des Dialogs gegen Einsamkeit im Landespflegezentrum Bad Radkersburg präsentierten südoststeirische Einrichtungen in Bad Gleichenberg die Broschüre „Demenz Wegweiser Südoststeiermark“.

Neue Wege in der klinischen Versorgung und Informationsarbeit

Auch im stationären Sektor passen Einrichtungen ihre Abläufe an kognitive Einschränkungen an. Das Agaplesion Evangelische Krankenhaus Gießen erprobt seit einigen Monaten den Einsatz eines gelben Armbands, um Patienten mit Demenz im Klinikbetrieb eindeutig zu kennzeichnen.

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Das Anlegen erfolgt ausschließlich mit Zustimmung der Betroffenen oder Angehörigen; Case-Managerin Susanne Markert verwies hierbei auf positive Zwischenergebnisse. Ergänzt wird die Versorgung durch Rooming-in-Möglichkeiten für Angehörige, Zimmertür-Piktogramme, stützpunktnahe Zimmerbelegungen, geschützte Aufnahmebereiche und Delir-Prophylaxen sowie das Fingerfood-Konzept „Eat by Walking“.

Überdies werden Flüssigkeitszufuhr und Medikamenteneinnahme standardisiert überwacht. Ergänzend vertreibt der Arbeitskreis Demenz der Region Gießen die Broschüre „Klinikaufenthalt für Menschen mit Demenz“, die unter anderem über die Initiative Demenzfreundliche Kommune bezogen werden kann.

Parallel dazu gewinnen mediale und rechtliche Informationsformate an Bedeutung. Das Bistum Würzburg publizierte auf YouTube den Imagefilm „Verständnis schafft Teilhabe“, der von der Arbeitsgemeinschaft Demenz des Bundesforums Katholische Seniorenarbeit und dem Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz erarbeitet, von der how2 AG produziert und über die Christa Stockh-Stiftung finanziert wurde.

Rechtliche Beratung zu Vorsorgevollmachten und Betreuungsverfügungen stellte die Betreuungsstelle des Landkreises Würzburg im Kontext der bayerischen Demenzwoche in der Stadtbücherei zur Verfügung.

Begegnungsformate, Chöre und interaktive Parcours

Ein Schwerpunkt regionaler Netzwerke liegt auf Formaten, die soziale Teilhabe ermöglichen. In Köln richtete das Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz für Köln und das südliche Rheinland mit Unterstützung der Rundschau-Altenhilfe die Veranstaltung „Demenz Meet“ aus.

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Das Format basiert auf einer Schweizer Idee; Organisatorin Änne Türke formulierte das Anliegen, das Leben trotz der Erkrankung zu feiern, ohne diese zu beschönigen. Neben Vorträgen im VHS-Forum und Beratungsständen im AOK-Haus traten dort die Gartentherapeutin Carmen Feldhaus mit Besuchs-Hühnern sowie der Chor „Unvergesslich“ unter Leitung von Tobias Hebbelmann auf.

Zugleich stellte Antje Köhler monatliche Stärkungsbriefe für Pflegende vor. Kai, der mit 58 Jahren seit einer Dekade mit der Diagnose lebt, unterstrich dabei, dass Aufgeben keine Option darstelle.

Für gemeinschaftliche Impulse sorgten andernorts ein ökumenischer Gottesdienst unter dem Titel „In Bewegung gebracht“ in der katholischen Kirche Denkendorf mit rund 25 Teilnehmern, gestaltet von Pfarrer Alfred Kirsch und der örtlichen Projektgruppe, sowie ein von der Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz organisierter Denkparcours mit über 30 Stationen und einem Impulsvortrag von Christof Wölk in der Koblenzer Versöhnungskirche Arenberg am 19.10.2026.

Für die zweite Monatshälfte sind zudem strukturierte Fachreihen terminiert: Eine kostenfreie, dreiteilige Veranstaltungsreihe der VHS und des Demenzverbunds Ludwigshafen unter Leitung der Fachergotherapeutin Johanna Köhler startet am 22.10.2026. Das Diakoniezentrum Lahn-Dill hält am 26.10.2026 einen Angehörigen-Gesprächskreis in Wetzlar ab, gefolgt von einem offenen Treffen des Demenznetzwerks Eifelkreis und des Pflegestützpunkts Bitburg unter der Regie von Melanie Bischof und Siegfried Kalkes am 29.10.2026 im Sozialamt der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm.

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