Demenz-Bluttest, FDA

Demenz-Bluttest: FDA gibt PrecivityAD2 mit 90% Genauigkeit frei

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen Vorteile von Tanz und Wachruhe für kognitive Funktionen, während Diagnostik, Hormontherapie und Neuroforschung Fortschritte machen.

Demenzforschung: Tanzen, Bluttest und neue Therapieansätze im Fokus
Ein leerer, sonnendurchfluteter Parkettboden in einem historischen Festsaal, der zum Tanzen einlädt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Rahmen des Laternenfests in Halle findet eine Mitmach-Aktion der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina statt, die sich mit dem therapeutischen Potenzial des Tanzens bei Demenzerkrankungen befasst.

Die Veranstaltung, die am Nachmittag ab 14:15 Uhr beginnt, rückt ein Thema in das öffentliche Interesse, das zunehmend durch wissenschaftliche Daten untermauert wird: Die Verbindung zwischen körperlicher Aktivität, Rhythmus und der Erhaltung kognitiver Funktionen.

Tanz als kognitives Training und Sturzprävention

Wissenschaftliche Untersuchungen stützen den Ansatz, Tanz als präventives und therapeutisches Instrument einzusetzen. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023, die 29 Studien mit insgesamt mehr als 1.700 Teilnehmenden auswertete, zeigt deutliche Effekte.

Demnach verbessert Tanzen die kognitive Leistung, das Gedächtnis sowie das Gleichgewicht bei Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen. Ein abschließender Beweis für einen vollständigen Schutz vor Demenz steht jedoch noch aus.

Prominente Unterstützung findet das Konzept „Tanzen auf Rezept“ durch die Schauspielerin Esther Schweins. Die 56-Jährige absolviert derzeit in Mainz eine Ausbildung zur Fachtanzlehrerin für Senioren. Sie betont, dass Tanzen nicht nur die kognitive Leistungsfähigkeit fördere und das Sturzrisiko senke, sondern auch effektiv gegen soziale Isolation wirke.

Der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband (ADTV) hat in diesem Bereich bereits 400 spezialisierte Fachkräfte ausgebildet. Auch im medialen Kontext bleibt das Thema präsent: So schloss der Schauspieler Max von der Groeben (34) in einer Gesprächsrunde eine künftige Teilnahme an einem Tanzformat nicht aus, nachdem seine Mutter Ulrike (69) bereits im Jahr 2020 teilgenommen hatte.

Fortschritte in Diagnostik und regionaler Versorgung

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Neben präventiven Ansätzen rücken neue Diagnoseverfahren in den Fokus. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat im August 2026 den Bluttest PrecivityAD2 freigegeben. Dieser erkennt die Amyloid-Pathologie mit einer Genauigkeit von über 90 Prozent und erreicht damit Werte, die mit aufwendigen Nervenwasser-Untersuchungen oder Hirnscans vergleichbar sind. Für die Versorgung in Deutschland ergeben sich daraus vorerst keine unmittelbaren Änderungen.

Auf regionaler Ebene werden die Versorgungsstrukturen systematisch ausgebaut. Die Südtiroler Landesregierung hat für den Zeitraum 2026 bis 2028 einen Plan zur einheitlichen Versorgung und Früherkennung genehmigt.

Hierfür wurden 150.000 Euro für das Jahr 2026 sowie jeweils 300.000 Euro für die Folgejahre bereitgestellt. Hintergrund ist die Prognose, dass die Zahl der Demenzfälle in der Region bis 2050 auf 8.700 ansteigen könnte.

Ähnliche Bestrebungen zeigt die AOK Rheinland/Hamburg, die die Förderung des Projekts „Ankerpunkt Junge Demenz“ bis April 2029 verlängert hat. In Hamburg sind derzeit 1.475 Personen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren von Demenz betroffen; die Gesamtzahl der Erkrankten liegt bei 27.200. Bis zum Jahr 2060 wird ein Anstieg auf 43.000 Fälle prognostiziert, was einer Zunahme von 60 Prozent gegenüber 2020 entspricht.

Forschung zu Hormontherapien und Regenerationsphasen

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In der medikamentösen und lebensstilorientierten Forschung zeigen sich weitere Tendenzen. Eine britische Beobachtungsstudie mit 183.450 Frauen deutet darauf hin, dass eine mindestens einjährige Hormonersatztherapi (HRT) das Demenzrisiko um 10 Prozent und das Alzheimer-Risiko um 16 Prozent senken kann. Der stärkste Effekt wurde bei einem Therapiebeginn im Alter zwischen 46 und 56 Jahren festgestellt.

Zudem untersuchen Forscher die Bedeutung von Ruhephasen. Eine Meta-Analyse vom Januar 2026, die 51 Studien berücksichtigte, bescheinigt der sogenannten Wachruhe kleine bis moderate positive Effekte auf das Gedächtnis.

Insbesondere bei älteren Erwachsenen verbesserten bereits zehn Minuten Ruhe die Erinnerungsleistung nach einer Woche signifikant. Ergänzend dazu veröffentlichte das Journal Nature Neuroscience im Juni 2026 Erkenntnisse zu lokalem Schlaf in bestimmten Gehirnarealen, die bei Mäusen Schlaffunktionen übernehmen können.

Neue Ansätze in der neurobiologischen Forschung

Die Grundlagenforschung liefert weitere Impulse für künftige Therapien. Eine im August 2026 in Nature veröffentlichte Studie (DOI: 10.1038/s41586-026-10910-z) zeigt, dass Psilocybin die Netzwerke im Gehirn beeinflusst und zur Reorganisation neuer Eindrücke beiträgt. Dies könnte künftig bei Depressionen oder Abhängigkeitserkrankungen relevant werden.

An der Tohoku University wurde zudem mittels Mäusestudien nachgewiesen, dass elektrische Vagusnerv-Stimulation das motorische Lernen verbessert. Dabei wurden im Kleinhirn deutlich stärkere Blutvolumen-Schwankungen gemessen (5.373 Einheiten gegenüber 2.249 Einheiten in der Kontrollgruppe).

In der pharmakologischen Forschung wird zudem das Peptid P1642-1 untersucht, das in Studien mit Mäusen kognitive Defizite verringerte und Ablagerungen im Gehirn reduzierte.

Kritisch bewertet wird hingegen der Einsatz von Glycin zur Leistungssteigerung. Experten weisen darauf hin, dass die Evidenz für eine Verbesserung des Schlafs oder der Konzentration begrenzt ist und ein Mangel bei gesunden Menschen als unüblich gilt.

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