Demenz-Diagnostik, Bluttest

Demenz-Diagnostik: Neuer Bluttest erreicht über 90% Genauigkeit

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 21:15 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Demenzdiagnose führt zur Ungültigkeit eines notariell beglaubigten Testaments. Neue Bluttests könnten künftig die Beweislage verschärfen.

Schweizer Gericht: Testament trotz Notarbeglaubigung ungültig
Eine gealterte Hand ruht auf juristischen Dokumenten, möglicherweise einem Testament, mit einer Lupe daneben. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Schweizer Bundesgericht hat ein notariell beglaubigtes Testament für ungültig erklärt – weil der Erblasser an Demenz litt. Ein Paukenschlag mit Signalwirkung.

Der Fall: Ein 93-Jähriger hatte über ein Vermögen von 2,6 Millionen Franken verfügt. Trotz notarieller Beglaubigung, die normalerweise für geistige Gesundheit spricht, kippten die Richter das Dokument. Die Folge: Nichte und Neffe gingen leer aus, auch der Bruder des Erblassers bekam nichts.

Die Botschaft ist klar: Eine notarielle Mitwirkung allein schützt nicht vor Anfechtung. Stehen medizinische Indizien gegen die freie Willensbildung, ist das Testament angreifbar.

Bluttest statt Nervenwasser: Neue Diagnostik verschärft die Lage

Parallel zur juristischen Verschärfung verbessert sich die medizinische Beweislage. Seit Anfang Juli 2026 ist in der EU ein neuer Bluttest (pTau217) zugelassen. Seine Treffsicherheit bei Demenz: über 90 Prozent.

Mit 100 bis 150 Euro ist das Verfahren günstig und kaum invasiv – anders als die bisher übliche Liquor-Untersuchung. Fürs Erbrecht ein Game-Changer: Solche Tests können künftig objektive Daten liefern, die zeitnah zur Testamentserrichtung erhoben wurden.

Fachleute warnen allerdings vor Massenscreenings. Der Test ist für klinische Anfangsverdachte gedacht, nicht für die breite Vorsorge.

Formale Fallstricke: Auch historische Dokumente zählen

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Nicht nur die geistige Fitness, auch die Formalia werden strenger geprüft. Das Oberlandesgericht Karlsruhe entschied am 6. Juli 2026 (Az. 11 W 81/24): Ein Erbscheinsantrag darf nicht allein wegen fehlender Apostillen auf historischen Dokumenten – etwa sowjetischen Geburtsurkunden – abgelehnt werden.

Die Richter betonen: Das Nachlassgericht muss alternative Beweismittel prüfen, wenn Urkunden authentisch wirken. Fehlen Unterlagen für einzelne Miterben, soll ein Teilerbschein erteilt werden.

Auch die Echtheit von Testamentskopien bleibt ein Streitpunkt. Das Kammergericht Berlin hält fest: Schriftvergleichende Analysen durch Sachverständige können die Echtheit bestätigen – wenn ausreichende Vergleichsschriften und Indizien wie erteilte Vollmachten vorliegen.

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Um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, raten Experten zur frühzeitigen Planung. Die Freibeträge im deutschen Erbrecht: 500.000 Euro für Ehegatten, 400.000 Euro für Kindern. Alle zehn Jahre können sie durch Schenkungen neu ausgeschöpft werden.

Ein bewährtes Instrument bleibt das Behindertentestament. Es kombiniert Vor- und Nacherbschaft mit Dauertestamentsvollstreckung. So kommt das Vermögen dem behinderten Erben zugute, ohne dass Sozialleistungsträger zugreifen. Allerdings müssen die Regelungen je nach bezogener Leistung (SGB XII oder SGB IX) individuell angepasst werden.

Gutes tun mit dem letzten Willen

Ein Trend zeichnet sich ab: Immer mehr Deutsche wollen mit ihrem Vermögen Gutes tun. Erhebungen aus 2025 zeigen: Fast jeder vierte Über-50-Jährige möchte eine gemeinnützige Organisation im Testament bedenken.

Die Initiative „Mein Erbe tut Gutes“ verzeichnete Rekorderbschaften von 148 Millionen Euro für 26 Organisationen. Die Hauptmotive: persönliche Werte weitergeben und das Vermögen nicht dem Staat hinterlassen. Besonders beliebt: Tierschutz sowie Umwelt- und Naturschutz.

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