Demenz: Ehepartner haben 74% höheres Erkrankungsrisiko
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gesundheit von Ehepartnern hängt enger zusammen als gedacht. Eine aktuelle Studie zeigt: Ist ein Partner von Demenz betroffen, steigt das Risiko für den anderen drastisch. Das geteilte Lebensumfeld und die Belastung durch die Pflege spielen dabei eine zentrale Rolle.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) untermauert die Dringlichkeit der Forschung: Waren 2021 rund 57 Millionen Menschen von Demenz betroffen, prognostizieren Experten für 2050 einen Anstieg auf 139 Millionen Fälle.
Das Risiko steigt um bis zu 74 Prozent
Eine im Fachmagazin JAMA veröffentlichte Studie liefert neue Erkenntnisse. Die Untersuchung begleitete rund eine Million Menschen in Taiwan über fünf Jahre. Die Zahlen sind alarmierend: Erkrankt ein Ehemann an Demenz, steigt das Risiko für seine Frau um 74 Prozent. Bei Männern liegt der Anstieg bei 69 Prozent.
Die Forscher um Dr. Chi-Shin Wu beobachteten konkrete Fallzahlen: Pro 100 Frauen kamen zusätzlich 2,75 Demenzfälle hinzu, pro 100 Männer 3,49 Fälle – sofern der Partner betroffen war. Ein höheres Haushaltseinkommen und starke familiäre Unterstützung senken das Risiko dagegen.
Warum Partner dasselbe Schicksal teilen
Die Wissenschaftler führen das erhöhte Risiko auf drei Hauptfaktoren zurück. Erstens: die sogenannte assortative Paarung – Partner wählen ähnliche soziodemografische Hintergründe, Bildungsniveaus oder genetische Merkmale. Zweitens: der gemeinsame Lebensstil über Jahrzehnte, inklusive Ernährung und Bewegung. Das begünstigt ähnliche Krankheitsbilder.
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Drittens: die Pflegebelastung. Rund 25 Prozent der „Partner-Demenz“-Fälle führen die Forscher auf den Stress der häuslichen Pflege zurück. Schätzungsweise 30 bis 40 Prozent der pflegenden Angehörigen leiden unter Depressionen – ein bekannter Risikofaktor für kognitiven Abbau.
Fahrverhalten verrät kognitive Einschränkungen
Neben klinischen Daten rücken Verhaltensänderungen in den Fokus. Eine Studie der Washington University mit 298 Teilnehmern über 40 Monate zeigt: Veränderungen im Fahrverhalten – selteneres Fahren oder das Meiden von Nachtfahrten – sagen kognitive Einschränkungen mit bis zu 87 Prozent Genauigkeit voraus.
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Bluttest erkennt Demenz sieben Jahre frĂĽher
Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. In Deutschland übersteigen monatliche Pflegekosten in Heimen oft 3.000 Euro – das zehrt private Ersparnisse innerhalb weniger Jahre auf. Der britische NHS verhandelt derzeit über die Einführung der Antikörper-Therapien Lecanemab und Donanemab. Sie verlangsamen den kognitiven Abbau um 27 bis 35 Prozent, kosten aber rund 20.000 Pfund pro Patient und Jahr.
Ein Durchbruch in der Früherkennung: Ein Bluttest der Ruhr-Universität Bochum weist Fehlfaltungen des Proteins Amyloid-? mit einer Genauigkeit von 92 Prozent nach – bis zu sieben Jahre vor Symptombeginn.
Die WHO weist zudem auf Diabetes-Medikamente hin: SGLT2-Hemmer und GLP-1-Agonisten senken das Demenzrisiko potenziell um 33 bis 43 Prozent. Während der Wirkstoff Ceperognastat in Studien keinen Nutzen zeigte, testet Trontinemab derzeit in Phase-III-Studien mit über 1.600 Teilnehmern seine Wirksamkeit.
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