Demenz-Früherkennung, Augenscan

Demenz-Früherkennung: Augenscan erkennt Krankheit Jahre vorher

28.05.2026 - 08:30:16 | boerse-global.de

Kündigungen in Darmstadt, Hightech-Früherkennung aus Österreich und steigende Defizite der Pflegekasse prägen die aktuelle Lage.

Demenz-Früherkennung: Augenscan erkennt Krankheit Jahre vorher - Foto: über boerse-global.de
Demenz-Früherkennung: Augenscan erkennt Krankheit Jahre vorher - Foto: über boerse-global.de

Während neue Technologien die Früherkennung revolutionieren sollen, geraten klassische Pflegestrukturen unter Druck. Vorfälle in Einrichtungen und verzögerte Reformen zeigen die Dringlichkeit.

Kündigungswelle im Heim: 16 Demenzkranke müssen gehen

Am Dienstag erschütterte ein Fall das Agaplesion Heimathaus in Darmstadt-Bessungen. Der Betreiber kündigte 16 Bewohnern eines beschützten Demenzbereichs kurzfristig die Verträge. Das Heim mit 117 Pflegeplätzen begründete den Schritt mit der Suche nach gemeinsamen Lösungen – zuvor hatte es Beschwerden von Angehörigen und Mitarbeitern gegeben. Der betroffene Bereich war erst 2022 eröffnet worden.

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Ganz anders das Modell in Weilheim: Dort feierten am Dienstag zwei Demenz-Wohngemeinschaften ihr zehnjähriges Bestehen. Die MARO-Genossenschaft fungiert als Vermieter, eine ökumenische Sozialstation als Pflegedienst. Das Besondere: Die Bewohner verwalten sich selbst. Rund 90 Prozent können bis zu ihrem Lebensende in der Gemeinschaft bleiben.

Hightech aus der Astronomie soll Demenz Jahre vorher erkennen

Ein österreichisches Start-up will die Früherkennung revolutionieren. Thyra Imaging, eine Ausgründung der MedUni Wien, nutzt eine Technologie aus der Astronomie: die Adaptive Optik. Damit macht ein zwei Sekunden dauernder Augenscan zelluläre Veränderungen der Netzhaut sichtbar – Jahre bevor erste Symptome auftreten.

Künstliche Intelligenz analysiert die Daten. Das Projekt erhielt bereits eine PreSeed-Förderung der Austria Wirtschaftsservice GmbH und wurde beim Connect Day in der Kategorie Medtech ausgezeichnet. Der Bedarf ist enorm: In Österreich könnte die Zahl der Demenzkranken bis 2050 auf 300.000 steigen.

Soziale Kontakte schützen das Gehirn

Eine Studie der Universität für Weiterbildung Krems liefert klare Erkenntnisse: Menschen über 50 mit starken sozialen Netzwerken haben ein geringeres Risiko für kognitiven Abbau. Der Zusammenhang besteht unabhängig von Bildung oder Gesundheitszustand. Veröffentlicht wurde die Untersuchung im Fachblatt Aging & Mental Health.

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Fachleute fordern deshalb mehr Demenzsensibilität in Krankenhäusern. Mangelnde Vorbereitung führt zu Stürzen oder Delirien – mit Mehrkosten und höherer Personalbelastung. Die Diakonie mahnt regelmäßige Medikationschecks und besseres Entlassungsmanagement an.

Pflegekasse tief in den roten Zahlen

Der Druck auf die Politik wächst. Im ersten Quartal verbuchte die gesetzliche Pflegeversicherung ein Defizit von 667 Millionen Euro. Bis Jahresende könnte es auf eine Milliarde Euro anwachsen. Eine Reform von Gesundheitsministerin Nina Warken verzögert sich – statt Mitte Mai wird nun im Juni gerechnet.

Diskutiert wird unter anderem eine Erhöhung des Beitragszuschlags für Kinderlose von 0,6 auf 0,7 Prozentpunkte. Auch strengere Kriterien bei der Anerkennung von Pflegebedürftigkeit stehen im Raum. Sozialverbände und Gewerkschaften kritisieren die Pläne als unzureichend. Ohne grundlegende Reform droht der Pflegeversicherung bis 2030 ein Defizit von 17,3 Milliarden Euro.

Hunderte Euro verfallen ungenutzt

Besonders bitter: Der gesetzliche Entlastungsbetrag von monatlich 131 Euro wird nur von rund 40 Prozent der Berechtigten genutzt. Dabei haben Urteile des Bundessozialgerichts vom August 2023 die Aufklärungspflicht der Kassen unterstrichen. Doch viele Ansprüche verfallen – wenn sie nicht bis zum 30. Juni des Folgejahres geltend gemacht werden.

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