Demenz-FrĂŒherkennung: VerĂ€ndertes Fahrverhalten kann erstes Warnzeichen sein
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
VerĂ€nderungen im gewohnten Fahrverhalten können Hinweise auf beginnende kognitive EinschrĂ€nkungen liefern. Wie eine Untersuchung verdeutlicht, kann eine verĂ€nderte Fahrweise als erstes Warnzeichen fĂŒr eine Demenzerkrankung fungieren.
Da das Steuern eines Kraftfahrzeugs komplexe Anforderungen an Wahrnehmung, Konzentration, Koordination und Reaktionsvermögen stellt, zeigen sich geistige VerĂ€nderungen hĂ€ufig bereits im StraĂenverkehr, noch bevor sie im hĂ€uslichen Umfeld deutlich zutage treten.
AuffÀlligkeiten am Steuer und erste kognitive Symptome
Zu den Warnsignalen gehören nicht nur Unsicherheiten bei Fahrmanövern, sondern auch allgemeine Orientierungsprobleme. Der Neurowissenschaftler Lukas Kunz vom UniversitÀtsklinikum Bonn verweist darauf, dass das Verirren auf vertrauten Wegen, das wiederholte Stellen derselben Fragen sowie das Vergessen von Absprachen ernstzunehmende Indikatoren sein können.
Nach Angaben des UniversitÀtsklinikums Bonn sei eine Àrztliche AbklÀrung insbesondere dann ratsam, wenn Vergesslichkeit neu auftritt, zunimmt oder den Alltag beeintrÀchtigt. Allerdings bedeuten GedÀchtnisprobleme nicht automatisch das Vorliegen einer Demenz; auch Schlafmangel, Depressionen oder Medikamente kÀmen als Auslöser in Betracht.
Auch in der regionalen AufklĂ€rungsarbeit wird die Thematik aufgegriffen. Dr. Martin Presch informierte im Alten Rathaus in Haltern ĂŒber frĂŒhe Warnzeichen einer beginnenden Erkrankung.
Elke Koling, ChefĂ€rztin der LWL-Tagesklinik Plettenberg, nennt neben typischen Risikofaktoren wie starkem Ăbergewicht, Bluthochdruck und Diabetes auch alltagsnahe AusfĂ€lle: So könne das Vergessen von PIN-Nummern bei der Geldabhebung ein erstes mögliches Anzeichen sein, wenngleich nicht jedes Vergessen auf eine FrĂŒhdemenz hinweise.
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Hohe Unfallbeteiligung und verkehrspolitische Debatte
Die Relevanz nachlassender Fahrkompetenzen spiegelt sich in den Unfallstatistiken wider. In Deutschland sterben Menschen ab 65 Jahren doppelt so oft im StraĂenverkehr wie 25- bis 64-JĂ€hrige.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fĂŒr das Jahr 2025 waren 1.115 der 2.832 Verkehrstoten 65 Jahre oder Ă€lter, was fast vier von zehn Getöteten entspricht. Diese Altersgruppe stellt knapp ein Viertel der Gesamtbevölkerung.
Nach Angaben des TĂV-Verbands gelten Autofahrende ab 75 Jahren bei UnfĂ€llen mit Personenschaden in rund drei von vier FĂ€llen als Hauptverursachende. AnlĂ€sslich des Internationalen Tages der Ă€lteren Menschen am 1. Oktober sprach sich der Verband dafĂŒr aus, den StraĂenverkehr stĂ€rker auf Ă€ltere Verkehrsteilnehmende auszurichten und Vision Zero als verbindliches Ziel im StraĂenverkehrsgesetz zu verankern.
Fani Zaneta, Referentin fĂŒr Verkehrssicherheit beim TĂV-Verband, plĂ€diert fĂŒr regelmĂ€Ăige und verpflichtende RĂŒckmeldefahrten ab dem 75. Lebensjahr, wĂ€hrend diese vor Erreichen dieser Altersgrenze freiwillig bleiben und gefördert werden sollten. Anlasslose, pauschal verpflichtende Fahreignungstests bewertet der Verband hingegen als nicht zielfĂŒhrend.
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Praktische PrÀventionsangebote vor Ort
Um die MobilitĂ€t Ă€lterer Menschen möglichst lange sicher zu erhalten, setzen Behörden auf gezielte Vorsorge. So veranstaltet das Polizeirevier Saalekreis am Dienstag, dem 20. Oktober, von 10 bis 15 Uhr einen VerkehrsprĂ€ventionstag fĂŒr Senioren in der Turnhalle der Grundschule im Rosental in Merseburg (Rosental 12).
Vor Ort stehen unter anderem ein Fahrsimulator der Polizei, Reaktionstests und ein von Physiotherapeuten begleiteter Rollator-Parcours bereit. An der Veranstaltung beteiligen sich neben dem Ordnungsamt der Stadt Merseburg und dem StraĂenverkehrsamt Saalekreis auch die Personennahverkehrsgesellschaft Saalekreis mobil, die AOK, ein Optiker, eine Apotheke mit einem Gesundheits-Check-up sowie das Carl-von-Basedow-Klinikum.
ErgĂ€nzend zur Verkehrssicherheit betonen Fachleute prĂ€ventive Lebensstilfaktoren. Koling hebt hervor, dass 45 Prozent des Demenzrisikos beeinflussbar seien. Vor allem regelmĂ€Ăige Bewegung, gesunde ErnĂ€hrung, ausreichender Schlaf, soziale Kontakte sowie das Erlernen von Fremdsprachen trĂŒgen dazu bei, geistigen Verfall zu verlangsamen.
