Demenz, Lancet-Studie

Demenz: Lancet-Studie belegt – jede zweite Erkrankung ist vermeidbar

26.05.2026 - 00:30:02 | boerse-global.de

Experten diskutieren auf kostenlosem Kongress über Prävention von Demenz. Studien belegen: Lebensstil und Früherkennung sind entscheidend.

Demenz: Lancet-Studie belegt – jede zweite Erkrankung ist vermeidbar - Foto: über boerse-global.de
Demenz: Lancet-Studie belegt – jede zweite Erkrankung ist vermeidbar - Foto: über boerse-global.de

Vom 5. bis 14. Juni 2026 läuft der kostenlose Online-Kongress „Das gesunde Gehirn“. Täglich diskutieren 37 Experten aus Medizin, Neurowissenschaft und Psychologie über Prävention von Gedächtnisverlust und Optimierung kognitiver Leistungen.

Jede zweite Demenz wäre vermeidbar

Der Mediziner und Autor Dietrich Grönemeyer verweist auf Erkenntnisse der Lancet-Kommission: Demnach ließe sich etwa jede zweite Demenzerkrankung verhindern. Forscher identifizierten 14 zentrale Risikofaktoren – darunter Bewegungsmangel, Übergewicht, Hörverlust, Rauchen und Diabetes.

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In Deutschland leben derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzdiagnose. Jährlich kommen etwa 450.000 Neuerkrankungen bei über 65-Jährigen hinzu. Die Forschung liefert immer präzisere Daten zur Wirksamkeit präventiver Maßnahmen.

Die University of East Anglia nutzt etwa ein KI-Modell, das Gedächtnisverlust anhand von sechs Metaboliten der Darmbakterien mit 79 Prozent Trefferquote erkennt. Das Karolinska Institutet stellte nach 16 Jahren Forschung an 2.200 Probanden fest: Anämie erhöht das Demenzrisiko.

Eine Yale-Studie mit 11.000 Senioren über zwölf Jahre belegt: Positive Einstellung verbessert die kognitive Leistungsfähigkeit im Alter signifikant. Und Forscher des University College London zeigen, dass kreative Aktivitäten die epigenetische Alterung um etwa vier Prozent verlangsamen.

Neue Technologien fĂĽr die FrĂĽhdiagnostik

Parallel zu Lebensstil-Erkenntnissen schreitet die Diagnostik-Entwicklung voran. Ein internationales Team identifizierte HPAM-Immunzellen, die sich an Alzheimer-typischen Amyloid-Plaques im Gehirn anreichern. Mittels hochauflösender Mikroskopie zeigte sich: Rund 40 Prozent des Immunzell-Signals an diesen Plaques stammt von HPAM-Zellen. Die Entdeckung könnte präzisere Bluttests ermöglichen.

Das EU-Projekt 2D-BioPAD arbeitet an einem graphenbasierten Biosensor. Er soll Biomarker bereits Jahre vor ersten klinischen Symptomen erfassen. An der Ruhr-Universität Bochum entwickelten Forscher einen Immuno-Infrarot-Sensor, der zwischen Alzheimer und Parkinson unterscheidet – durch Analyse von Protein-Fehlfaltungen.

Die Rheinland-Studie mit 8.000 Teilnehmern identifizierte über 50 Genregionen, die Lipide beeinflussen. Diese stehen in direktem Zusammenhang mit Alzheimer und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für den Alltag präsentierte die Northwestern University ein Hautpflaster, das Stressmarker mit 97 Prozent Sensitivität misst.

Ernährung und Bewegung als Schlüsselfaktoren

Auf dem 60. Diabetes-Kongress Mitte Mai in Berlin wurde deutlich: Lebensstil übertrifft oft genetische Veranlagungen. Eine Langzeitstudie der University of Massachusetts Amherst mit 332.000 Erwachsenen über 14 Jahre zeigte: Ungesunder Lebensstil erhöht das Erkrankungsrisiko um das Siebenfache. Über 55 Prozent der Neuerkrankungen wären durch gesunde Gewohnheiten vermeidbar.

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Eine chinesische Studie mit 17.000 Teilnehmern belegte: Wöchentliche Bewegung von 560 bis 610 Minuten senkt das Risiko für vaskuläre Komplikationen um 30 Prozent.

Bei der Ernährung rücken spezifische Inhaltsstoffe in den Fokus. Die NutriNet-Santé-Studie mit 112.000 Teilnehmern identifizierte Konservierungsstoffe (E202, E224, E250), die das Bluthochdruckrisiko um 29 Prozent steigern. Positiv hervorgehoben wurden Kakao-Flavanole – untersucht unter anderem in der COSMOS-Studie der Harvard University.

Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel wächst rasant. Das globale Volumen lag 2025 bei 517,1 Milliarden US-Dollar, bis 2033 prognostizieren Analysten 862,5 Milliarden US-Dollar. Jeder fünfte Erwachsene über 50 nutzt bereits Präparate zur Unterstützung der Gehirnleistung. Experte Gary Small von der UCLA verweist auf Curcumin und Multivitamine für das episodische Gedächtnis – betont aber: Supplements ersetzen weder Schlaf noch soziale Kontakte.

Gehirn bleibt bis ins hohe Alter lernfähig

Eine Publikation in Nature vom Februar 2026 gab der Debatte um Regenerationsfähigkeit neue Impulse. Dr. Ahmed Disouky von der Universität Illinois untersuchte Hippocampusgewebe von Verstorbenen und wies nach: Neurogenese – die Bildung neuer Nervenzellen – findet auch im hohen Alter statt. Allerdings nicht bei allen Individuen gleichermaßen.

Das beflügelt die Forschung zu sogenannten „Super-Agern“. An der Universität Jena untersuchten Wissenschaftler vom 18. bis 23. April die Hirnaktivität europäischer Go-Elite. Unter Leitung von Prof. Dr. Manja Marz maßen sie mittels funktioneller Nahinfrarotspektroskopie, wie das Gehirn unter extremer strategischer Belastung reagiert.

Auch einfache Ansätze zeigen Wirkung: Eine YouGov-Umfrage ergab, dass 63 Prozent der Deutschen eine Verbesserung ihrer mentalen Gesundheit durch Gartenarbeit verspüren. Begleitende Studien bestätigen die messbare Senkung des Cortisolspiegels.

Prominente UnterstĂĽtzung und praktische Angebote

Beim Grand Prix von Kanada am 24. Mai nutzte McLaren-Pilot Lando Norris einen speziell gestalteten Helm. Er machte auf die Initiative „Race Against Dementia“ aufmerksam, die bereits über 20 Millionen Pfund in die Forschung investiert hat.

In Deutschland bietet der AOK PLUS Erlebnistag in Dresden am 30. Mai praktische Angebote: Gehirntraining und mentale Oasen.

Regulatorische Maßnahmen wie die von der Bundesregierung verabschiedete Zuckersteuer und die fortschreitende Digitalisierung der Diagnostik werden das Feld weiter prägen. Während neue pharmazeutische Ansätze wie Retatrutid Erfolge bei Gewichtsreduktion zeigen, warnt die Stiftung Warentest vor KI-generierten Fake-Empfehlungen im Gesundheitsbereich.

Die Kombination aus technologischer Früherkennung und fundierter Aufklärung über Lebensstilfaktoren – wie sie der anstehende Online-Kongress bietet – dürfte für die Bewältigung der demografischen Herausforderungen entscheidend sein.

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