Demenz, Nicht-medikamentöse

Demenz: Nicht-medikamentöse Therapien oft wirksamer als Medikamente

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 09:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mobile Dienste, angepasste WohnrÀume und digitale Werkzeuge sollen die Betreuung von Menschen mit Demenz zu Hause erleichtern und Familien entlasten.

Demenzversorgung: Mobile Hilfe und neue Konzepte stÀrken Angehörige
Ein helles, aufgerÀumtes Wohnzimmer mit einem bequemen Sessel und einem Blick in einen ruhigen Garten. Illustration mit AI erstellt.

Die Versorgung von Menschen mit Demenz entwickelt sich zunehmend weg von rein stationĂ€ren Modellen hin zu einer verstĂ€rkten UnterstĂŒtzung im hĂ€uslichen Umfelds. Aktuelle Berichte und Projekte verdeutlichen, dass neben mobilen FachkrĂ€ften vor allem praktische Anpassungen im Alltag und nicht-medikamentöse Maßnahmen entscheidend fĂŒr die LebensqualitĂ€t der Betroffenen und die Entlastung der Angehörigen sind.

Regionale Ausweitung mobiler Fachdienste

Im Burgenland wurde die mobile Versorgung seit April flĂ€chendeckend ausgebaut. Eine dortige Landesgesellschaft betreut im Schnitt rund 80 Personen pro Monat durch spezialisierte Teams. Nach einer Laufzeit von fĂŒnfeinhalb Monaten verzeichneten die Verantwortlichen 638 Hausbesuche sowie 530 Stunden an mobiler Demenzbegleitung.

Das Land Burgenland stellt fĂŒr dieses Versorgungsangebot jĂ€hrlich rund 260.000 Euro zur VerfĂŒgung. Hintergrund der Maßnahmen ist eine hohe Zahl an Betroffenen: Allein im Burgenland leben mehr als 5.000 Menschen mit Demenz, wobei Experten von einer noch höheren Dunkelziffer ausgehen.

Ähnliche AnsĂ€tze zeigen sich auch in anderen Regionen. In den Niederlanden begleiten Organisationen wie Het Zorgboeket, gegrĂŒndet im Oktober 2025, Betroffene in der Provinz Zeeland. Dort sind etwa 8.000 Personen von Demenz betroffen, womit die Region aufgrund der Alterung der Bevölkerung eine Spitzenposition einnimmt. Landesweit wird in den Niederlanden mit einem Anstieg auf eine halbe Million Erkrankte bis zum Jahr 2040 gerechnet.

Nicht-medikamentöse Therapie und Wohnraumgestaltung

Fachorganisationen wie die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Geriatrie (DGG) heben hervor, dass kognitive Stimulation, Ergotherapie und die Anpassung des hĂ€uslichen Umfelds zentrale SĂ€ulen der Behandlung darstellen. Auch der Einsatz von Hör- und Sehhilfen sowie logopĂ€disches Sprachtraining seien wesentliche Faktoren. In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzdiagnose.

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Die Krankenkasse AOK Nordwest verweist zudem auf Studien, wonach nicht-medikamentöse Maßnahmen oft wirksamer seien als pharmakologische Therapien. Genannt werden hier AktivitĂ€ten im Freien, Musik- sowie BerĂŒhrungs- und Massagetherapien.

Medikamente sollten demnach nur in geringstmöglicher Dosis und ĂŒber kurze ZeitrĂ€ume unter engmaschiger Kontrolle eingesetzt werden. Zur UnterstĂŒtzung der etwa 86 Prozent der PflegebedĂŒrftigen, die in Deutschland zu Hause versorgt werden, bieten Versicherer verstĂ€rkt Online-Pflegekurse fĂŒr Angehörige an.

Technologische UnterstĂŒtzung und Forschungsprojekte

Um die Dokumentation und Pflegeplanung im Alltag zu vereinfachen, kommen verstĂ€rkt digitale Lösungen zum Einsatz. Die App Nui Care nutzt beispielsweise kĂŒnstliche Intelligenz, um pflegende Angehörige bei der Erstellung von PflegeplĂ€nen und der Verwaltung von Dokumenten zu unterstĂŒtzen.

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Neben der Alltagsgestaltung spielt auch die medizinische Vorsorge eine wichtige Rolle, da viele gĂ€ngige Medikamente im Alter unerwartete Nebenwirkungen wie Verwirrtheit auslösen können. Dieser Experten-Report klĂ€rt ĂŒber kritische Wirkstoffe auf und bietet Betroffenen sowie Angehörigen eine wichtige Orientierungshilfe. Kostenlosen Ratgeber zur Arzneimittelsicherheit anfordern

Parallel dazu werden wissenschaftliche Projekte zur Entlastung des familiĂ€ren Umfelds vorangetrieben. Die UniversitĂ€t Jena erprobt derzeit das Projekt «AnDem-RoSe», das vom G-BA-Innovationsfonds mit rund 3 Millionen Euro gefördert wird. Ziel ist die Entwicklung neuer AnsĂ€tze zur UnterstĂŒtzung von Angehörigen in ThĂŒringen, wo schĂ€tzungsweise 47.000 Menschen mit Demenz leben.

Forderungen nach strukturellen Standards

Angesichts steigender Fallzahlen – fĂŒr Österreich prognostiziert der Demenzbericht 2025 eine Zunahme auf ĂŒber 290.000 Betroffene bis zum Jahr 2050 – fordern Interessenvertreter wie der PVÖ erstmals einen Rechtsanspruch auf demenzgerechte Versorgung. Dies umfasse spezialisierte Bereiche in Heimen, verbindliche QualitĂ€tsstandards in KrankenhĂ€usern sowie vollfinanzierte Entlastungstage fĂŒr pflegende Angehörige.

Experten betonen zudem die Bedeutung einer validierenden GesprĂ€chsfĂŒhrung und den frĂŒhzeitigen Kontakt zu Beratungsstellen, um die hĂ€usliche Pflege langfristig stabilisieren zu können.

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