Demenz-Prävention, Fälle

Demenz-Prävention: 36 Prozent aller Fälle durch frühe Lebensstiländerung vermeidbar

15.06.2026 - 14:46:43 | boerse-global.de

Österreich startet Demenz-Präventionsstudie LETHE-AT. Forscher betonen: Lebensstiländerungen könnten 36% der Fälle verhindern.

Demenz-Prävention: Neue Studie und Lebensstil als Schlüssel
Demenz-Prävention - Ältere Erwachsene nutzen Smartwatches und interagieren in einer modernen Umgebung, die Demenzprävention und Forschung symbolisiert. 15.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Bis 2050 könnten es 2,7 Millionen sein. In Österreich schätzt man die Zahl auf rund 170.000 Betroffene. Die gute Nachricht: Ein erheblicher Teil dieser Fälle ließe sich durch gezielte Lebensstiländerungen vermeiden.

Neue Studie startet in Ă–sterreich

Mitte Juni 2026 begann die Teilnehmerakquise für die Demenzpräventionsstudie LETHE-AT. Die multizentrische Untersuchung läuft an den Medizinischen Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck. 300 Teilnehmer zwischen 55 und 75 Jahren werden gesucht – vor allem solche mit mindestens drei Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Bewegungsmangel.

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Die Studie erprobt einen hybriden Betreuungsansatz: Physische Beratungen kombiniert mit digitalen Komponenten. Die Probanden nutzen eine spezielle App und Smartwatches, um Ernährung, Bewegung und soziale Kontakte zu optimieren. Ziel ist es, die kognitive Reserve zu stärken. Die Studie läuft über 18 Monate.

Risikofaktoren wirken schon mit 20

Forscher der Universität Leipzig haben im Mai 2026 eine wichtige Erkenntnis veröffentlicht: Prävention muss viel früher ansetzen. Ihre Studie im Fachjournal Alzheimer's & Dementia wertete Daten von 150.000 Teilnehmern der NAKO-Gesundheitsstudie aus.

Das Ergebnis: Schon bei 20- bis 39-Jährigen beeinträchtigen Rauchen, Bewegungsmangel und depressive Symptome die kognitive Leistungsfähigkeit. Bei über 60-Jährigen dominieren dagegen Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte. Ein niedriger sozioökonomischer Status verstärkt das Risiko zusätzlich. Die Forscher schätzen: Rund 36 Prozent der Demenzfälle in Deutschland wären durch frühzeitige Kontrolle dieser Faktoren vermeidbar.

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Lebensstil bleibt die wichtigste Waffe

Die Lancet-Kommission geht noch weiter: Bis zu 45 Prozent der weltweiten Demenzfälle seien auf 14 veränderbare Risikofaktoren zurückzuführen. Langzeitstudien untermauern das. Die Finger-Studie zeigte nach elf Jahren: Kombinierte Interventionen senkten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 20 Prozent, chronische Erkrankungen um 60 Prozent und Alltagsbeeinträchtigungen um 30 Prozent. Ähnliche Ergebnisse liefert die AgeWell.de-Studie aus Leipzig.

Was ist mit Medikamenten? Wirkstoffe wie Lecanemab oder Donanemab haben zwar eine EU-Zulassung – sie verzögern den kognitiven Abbau um etwa 30 Prozent. Doch das IQWiG sieht darin bislang keinen maßgeblichen Zusatznutzen. Auch Semaglutid zeigte in den EVOKE-Studien keine Überlegenheit. Bleibt also die Modifikation des Lebensstils als zentrale Strategie gegen die Demenz.

de | wissenschaft | 69544583 |