Demenz-Prävention: 45% aller Fälle durch Lebensstil vermeidbar
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 12:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nahrungsergänzungsmittel versprechen oft Schutz vor Demenz – doch die Wissenschaft bleibt skeptisch. Während sich der Markt für Lithiumorotat und Co. prächtig entwickelt, warnen Experten vor unbegründeten Hoffnungen. Die aktuelle Forschung setzt auf andere Strategien.
Keine Belege für Lithiumorotat
Trotz wachsender Popularität: Für Lithiumorotat als Wundermittel gegen Demenz gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Der Neurowissenschaftler Prof. Kempermann stellte klar: Kein Nahrungsergänzungsmittel schützt nachweislich vor der Erkrankung. In Deutschland ist der Verkauf von Lithiumorotat sogar verboten.
Die WHO untermauert diese Position. Ihre aktualisierten Leitlinien raten von Vitamin B, Vitamin E, Omega-3-Fettsäuren oder Multivitaminen zur Demenz-Prävention ab – es sei denn, ein Mangel wurde diagnostiziert.
Lebensstil als Schlüsselfaktor
Hier liegt das eigentliche Potenzial: Bis zu 45 Prozent aller Demenzfälle ließen sich durch Lebensstiländerungen vermeiden, so die WHO. Bewegung, Rauchverzicht, weniger Alkohol, gesunde Ernährung und soziale Kontakte stehen ganz oben auf der Liste.
Besonders vielversprechend: die MIND-Diät. Prof. Gunter Eckert von der Universität Gießen beschreibt sie als Kombination aus mediterraner Ernährung und Blutdrucksenkung. Schwerpunkt: Blattgemüse, Beeren, Nüsse, Vollkornprodukte und Olivenöl. Laut Eckert kann eine konsequente Umsetzung das Risiko um bis zu 40 Prozent senken. Zucker und Alkohol dagegen gelten als klare Risikofaktoren. Eine Studie im Fachblatt JAMA Network Open bezifferte die Risikoreduktion durch antientzündliche Ernährung auf rund 29 Prozent.
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Diabetes-Medikamente zeigen Wirkung
Überraschende Ergebnisse liefert die Diabetes-Forschung. SGLT2-Inhibitoren senken das Alzheimer-Risiko bei Typ-2-Diabetikern um bis zu 43 Prozent, GLP-1-Rezeptoragonisten um bis zu 33 Prozent. Das ist besonders relevant: Typ-2-Diabetes erhöht das Alzheimer-Risiko statistisch um die Hälfte.
KI erkennt Alzheimer Jahre vor Ausbruch
Ein KI-Modell der Texas A&M University erreicht eine Genauigkeit von über 92 Prozent bei der Vorhersage einer Alzheimer-Erkrankung – bis zu sieben Jahre vor den ersten Symptomen. Eine Pilotstudie der University of Texas at Austin verfolgt einen anderen Ansatz: Rhythmische Atmung mit fünf Prozent CO? transportierte Alzheimer-typische Proteine vermehrt aus dem Gehirn in die Blutbahn.
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Cannabis gegen Unruhe
Die LiBBY-Studie untersuchte Cannabis bei krankheitsbedingter Unruhe. Bei 120 Patienten zeigte eine zwölfwöchige Behandlung mit THC und CBD deutliche Verbesserung – bei über 87 Prozent der Probanden in der Wirkstoffgruppe, verglichen mit rund 23 Prozent in der Kontrollgruppe. Eine unabhängige Begutachtung steht allerdings noch aus.
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