Demenz-Prävention, Hälfte

Demenz-Prävention: Fast die Hälfte aller Fälle wäre vermeidbar

Veröffentlicht am: 06.07.2026 um 06:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien belegen: Gängige Medikamente wie Magensäureblocker erhöhen Demenzrisiko, während neue Wirkstoffklassen und Lebensstiländerungen schützen können.

Demenz-Prävention: Neue Studien zu Risiken und Schutzfaktoren
Nahaufnahme der Hand einer älteren Person, die mehrere bunte Pillen hält, die auf einen Holztisch fallen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Zu diesem Schluss kommen Fachleute angesichts aktueller Zahlen: Rund 1,84 Millionen Menschen in Deutschland leben derzeit mit einer Demenzerkrankung, etwa sechs Prozent von ihnen sind jünger als 65 Jahre. Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) sagen bis 2060 einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen voraus.

Bekannte Medikamente mit überraschenden Risiken

Eine im Juni in Nature Metabolism veröffentlichte Studie mit rund 66.000 Probanden zeigt: Die Dauertherapie mit Protonenpumpenhemmern (PPI) – weit verbreitete Magenmedikamente – ist mit einem um 44 Prozent erhöhten Demenzrisiko verbunden. Die University of California, San Diego bestätigt den Trend: In einer zehnjährigen Beobachtung wiesen ältere Patienten unter PPI-Einfluss ein um 47 Prozent höheres Risiko für kognitive Beeinträchtigungen auf.

Doch die Probleme beschränken sich nicht auf das Gehirn. Eine Analyse von über 932.000 Erwachsenen ergab eine um 18 Prozent erhöhte Rate an akuten Verschlechterungen bei Asthma und COPD. Bei Hochdosis-Therapien steigt der Wert sogar auf 25 Prozent.

Auch frei verkäufliche Mittel stehen in der Kritik. Eine Studie der University of Florida (2012 bis 2024) warnt vor Glucosamin bei bestehenden leichten kognitiven Einschränkungen. Die Einnahme korreliert mit einem um 25 Prozent erhöhten Alzheimer- oder Demenzrisiko. Bei bereits Erkrankten steigt das Sterberisiko ebenfalls um 25 Prozent.

Neue Wirkstoffklassen als Hoffnungsträger

Im Gegensatz zu den Risiken klassischer Medikamente deuten Daten des National Institutes of Health (NIH) auf schützende Effekte neuerer Wirkstoffklassen hin. SGLT2-Hemmer senken das Alzheimer-Risiko demnach um 43 Prozent, GLP-1-Rezeptoragonisten um 33 Prozent.

In den USA hat Medicare die Kostenübernahme für GLP-1-Medikamente bei Senioren ab 65 Jahren angepasst. Seit dem 1. Juli werden die Präparate für einen Festpreis von 50 Dollar pro Monat bereitgestellt – vorausgesetzt, die Patienten haben einen BMI von mindestens 30 oder Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck. Experten warnen jedoch vor möglichem Muskelabbau, der bis zu 40 Prozent des Gewichtsverlusts ausmachen kann. Empfohlen werden Protein-Supplementierung und Krafttraining.

Apotheken als neue Gesundheitslotsen

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Seit dem 1. Juli bieten Apotheken in Deutschland bundesweit assistierte Telemedizin (aTM) an. Die Dienstleistung ermöglicht Ersteinschätzungen oder Videosprechstunden – besonders für ältere Menschen und Patienten mit Behinderungen. Ausgestellte E-Rezepte können direkt vor Ort eingelöst werden.

Ein aktueller Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht zudem die Schaffung Integrierter Notfallzentren (INZ) vor. Durch eine zentrale Ersteinschätzungsstelle und bessere Vernetzung von Notaufnahme und kassenärztlichem Notdienst sollen jährlich etwa 1,21 Millionen unnötige Besuche vermieden werden.

Reformen und finanzielle Weichenstellungen

Die Gesundheitspolitik reagiert mit strukturellen Anpassungen auf steigende Kosten. Ab 2027 soll der Herstellerabschlag für die Pharmaindustrie bei 15,5 Prozent liegen. Der allgemeine Beitragssatz zur Krankenversicherung bleibt bis 2028 stabil bei 17,5 Prozent. Die Zuzahlungen steigen einmalig um 50 Prozent, sollen aber nicht dynamisch weiterwachsen.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Umweltverträglichkeit von Arzneimitteln. Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes zeigt: Für die meisten Medikamente, die Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) enthalten, existieren bereits PFAS-freie Alternativen. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) wird voraussichtlich bis Ende 2026 bewerten, ob ein EU-Gesetzesentwurf im Jahr 2027 folgt.

Lebensstil als Schutzfaktor

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Neben der medikamentösen Anpassung betonen Forscher die Bedeutung des Lebensstils. Eine schwedische Studie identifizierte eine entzündungsarme Ernährung als Faktor, der das Demenzrisiko um 29 Prozent senken kann. Auch Impfungen zeigen signifikante Effekte: Eine Gürtelrose-Impfung reduzierte das Demenzrisiko über sieben Jahre um 20 Prozent. Eine Hochdosis-Grippeimpfung senkte das Alzheimer-Risiko innerhalb von zwei Jahren um 55 Prozent.

Die Zahngesundheit wird oft unterschätzt. Eine US-Studie mit über 90.000 Teilnehmern ab 55 Jahren belegt: Finanzielle Barrieren bei der zahnärztlichen Versorgung erhöhen das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Demenz. In Deutschland sanken die Parodontitis-Behandlungen von monatlich 120.000 im Jahr 2022 auf 78.000 im Jahr 2024 – ein alarmierender Trend.

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