Demenz-PrÀvention, Kochen

Demenz-PrÀvention: Kochen senkt Risiko bei Frauen um 27%

27.05.2026 - 10:17:33 | boerse-global.de

Laut Lancet-Kommission wÀre jeder zweite Demenzfall vermeidbar. Neue Studien zeigen positive Effekte von Kochen, Bewegung und kulturellen AktivitÀten.

Demenz-PrĂ€vention: Kochen senkt Risiko bei Frauen um 27% - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Demenz-PrĂ€vention: Kochen senkt Risiko bei Frauen um 27% - Foto: ĂŒber boerse-global.de

000 Neudiagnosen hinzu. Doch laut der Lancet-Kommission wĂ€re etwa jeder zweite Fall durch prĂ€ventive Maßnahmen vermeidbar. Das betonte Mediziner Dietrich Grönemeyer am Dienstag in einem FachgesprĂ€ch.

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Die Forschung identifiziert zunehmend konkrete Verhaltensweisen, die das Risiko senken. Die Lancet-Kommission listet 14 zentrale Kriterien auf: Bewegungsmangel, Übergewicht und Rauchen vermeiden, Bluthochdruck und Diabetes frĂŒhzeitig behandeln. Auch Hörverlust, SehschwĂ€che und verarbeitete psychische Traumata spielen eine Rolle.

Kochen senkt Demenzrisiko um 27 Prozent

Besonders greifbare Ergebnisse lieferte eine japanische Langzeitstudie vom Mai 2026. Forscher untersuchten sechs Jahre lang die Gewohnheiten von ĂŒber 11.000 Senioren ab 65 Jahren. Ergebnis: RegelmĂ€ĂŸiges Kochen senkt das Demenzrisiko bei Frauen um 27 Prozent, bei MĂ€nnern um 23 Prozent. Wer erst im fortgeschrittenen Alter mit dem Kochen begann, erreichte sogar eine Vermeidungsquote von 67 Prozent.

Doch auch andere körperliche Prozesse wirken. Untersuchungen der Penn State University deuten darauf hin, dass Bauchmuskelbewegungen einen Pump-Effekt fĂŒr das glymphatische System erzeugen. Dieses System transportiert Stoffwechselprodukte aus dem Gehirn ab. Bereits zehn Stunden Bewegung pro Woche könnten das Erkrankungsrisiko um bis zu 30 Prozent senken.

Kulturelle AktivitÀten verlangsamen Alterung

Neben körperlicher BetĂ€tigung gewinnt die kognitive Reserve an Bedeutung. Eine Studie des University College London untersuchte Daten von 3.556 Erwachsenen aus den Jahren 2010 bis 2012. Das Ergebnis: Wöchentliches Singen, Tanzen, Malen oder Museumsbesuche verlangsamen die epigenetische Alterung um etwa 4 Prozent. Dieser Effekt sei mit regelmĂ€ĂŸigem Sport vergleichbar. Bereits eine AktivitĂ€t pro Monat reiche aus.

Parallel dazu liefert die Grundlagenforschung neue Einblicke. Wissenschaftler der UniversitĂ€t Leipzig identifizierten mithilfe der Mikroskopie-Technologie CODEX-CNS eine bisher unbekannte Population von Immunzellen im Gehirn. Diese HPAM-Zellen stehen in engem Zusammenhang mit Amyloid-Plaques – den Eiweißablagerungen bei Alzheimer-Patienten. Bei Erkrankten kommen sie deutlich hĂ€ufiger vor.

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Blutarmut erhöht Demenzrisiko um 66 Prozent

Eine Langzeitstudie des Karolinska Institutet belegt einen dramatischen Zusammenhang. Über neun Jahre wurden mehr als 2.200 Erwachsene ĂŒber 60 Jahre beobachtet. Ergebnis: Eine AnĂ€mie erhöht das Demenzrisiko um 66 Prozent. Liegen gleichzeitig erhöhte Werte des Proteins NfL vor, steigt das Risiko auf das Vierfache. Die Rotterdam-Studie mit ĂŒber 12.300 Teilnehmern bestĂ€tigt eine U-förmige Beziehung zwischen HĂ€moglobinspiegel und Demenzwahrscheinlichkeit.

In der Diagnostik kommen vermehrt digitale Hilfsmittel zum Einsatz. Ein KI-gestĂŒtztes Sensormodell der University of East Anglia sagt kognitiven Abbau mit 80 Prozent Genauigkeit vorher. ErgĂ€nzend werden Sensoren als Pflaster entwickelt, die Vitalparameter wie Herzfrequenz und Atmung kontinuierlich ĂŒberwachen.

Regionale Initiativen und Nanopartikel

Die praktische Umsetzung findet vermehrt in sozialen Einrichtungen statt. Der MĂŒlheimer Sportbund bietet das Programm „Sport & Demenz trotz(t) Demenz“ an. In zweiwöchentlichen Einheiten fördern Musik, BĂ€lle und TĂŒcher die Patienten – die Nachfrage fĂŒhrt zu Wartelisten. In Bochum startet am Donnerstag ein spezieller Smartphone-Kurs fĂŒr Senioren.

WĂ€hrend die PrĂ€vention im Vermögensgrund steht, schreitet die Suche nach kurativen AnsĂ€tzen voran. Forscher des IBEC Barcelona setzten supramolekulare Nanopartikel ein, um Amyloid-Ablagerungen im Gehirn von MĂ€usen signifikant zu reduzieren. Behandelte Ă€ltere Tiere zeigten kognitive Leistungen gesunder Jungtiere. Ein Transfer in klinische Studien wird in fĂŒnf bis zehn Jahren erwartet.

Die Weltgesundheitsorganisation wies darauf hin, dass weltweit nur etwa 3 Prozent der Gesundheitsausgaben in PrĂ€vention fließen – obwohl bei Krebserkrankungen fast 40 Prozent der FĂ€lle durch Risikofaktoren vermeidbar wĂ€ren. Experten plĂ€dieren fĂŒr eine Umschichtung der Mittel.

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