Demenz-Risiko: Fünf-Faktoren-Score kommt ohne Labor und MRT aus
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 00:12 Uhr | Redaktion boerse-global.deRund 60 Prozent der weltweiten Demenzfälle entfallen auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Dennoch fehlen in vielen dieser Regionen die diagnostischen Ressourcen, um Risikopersonen frühzeitig und verlässlich zu identifizieren.
Ein internationales Forscherteam unter Leitung der britischen Northumbria University hat im American Journal of Epidemiology ein Modell vorgestellt, das diese Lücke schließen soll: einen Fünf-Faktoren-Risikoscore, der ohne aufwendige Labor- oder Bildgebungsverfahren auskommt.
Gefördert wurde die Untersuchung mit britischen Regierungsmitteln für globale Gesundheit über das National Institute for Health and Care Research (NIHR) und zusätzlich von Dementia Australia unterstützt.
Weltweit leben nach aktuellen Schätzungen über 57 Millionen Demenzkranke. Vor diesem Hintergrund zielt das neue statistische Instrument darauf ab, das Drei-Jahres-Risiko für kognitiven Abbau mit minimalem apparativem Aufwand vorherzusagen.
Datenbasis aus sieben Ländern auf drei Kontinenten
Für die Entwicklung und Validierung der Skala analysierten die Wissenschaftler die Daten von über 11.000 älteren Erwachsenen. Die Stichproben stammen aus sieben Ländern auf drei Kontinenten: China, Kuba, der Dominikanischen Republik, Puerto Rico, Venezuela, Mexiko und Peru.
Aus den untersuchten Merkmalen destillierten die Forscher fünf zentrale Faktoren heraus:
- das Alter, wobei das Risiko ab 70 Jahren steigt und ab 80 Jahren noch steiler zunimmt,
- soziales Engagement,
- körperliche Aktivität,
- Bluthochdruck sowie
- Schwierigkeiten beim Geldmanagement.
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Die Erhebung dieser Faktoren kommt vollständig ohne Bluttest, Magnetresonanztomografie (MRT) oder andere Spezialgeräte aus. Für die Einordnung genügt ein strukturiertes Gespräch mit der älteren Person und gegebenenfalls einem Angehörigen.
Treffsicherheit und Risikoeinstufung
Der resultierende Score bewegt sich in einem Rahmen von 0 bis 9 Punkten. Ein Wert von 0 entspricht einem Demenzrisiko von etwa 1 Prozent innerhalb von drei Jahren. Bei einem Maximalwert von 9 steigt das statistische Risiko im selben Zeitraum auf fast 19 Prozent an.
In den statistischen Tests wies das Verfahren eine Genauigkeit von 0,75 auf. Damit übertrifft das Instrument die Schwelle von 0,70, ab der ein entsprechendes Prognosemodell in der Praxis als klinisch nützlich eingestuft wird.
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Einsatzschwerpunkt und weiterer Forschungsbedarf
Das Modell ist nach Angaben der Forscher primär für den Einsatz in der wissenschaftlichen Forschung und für die gezielte Rekrutierung von Teilnehmenden für klinische Studien konzipiert. Ein flächendeckendes Routinescreening der Allgemeinbevölkerung ist mit dem Instrument hingegen nicht vorgesehen.
Gleichzeitig verweisen die Autoren darauf, dass der Score noch breiter überprüft werden muss. Sie fordern eine weitergehende Validierung in weiteren Regionen des Globalen Südens, darunter in Süd- und Südostasien, im Nahen Osten und Nordafrika (MENA) sowie in Subsahara-Afrika.
