Demenz, Bayreuth

Demenz spielerisch verstehen: Bayreuth erprobt das Escape Game „ReMind Journey“

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 20:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ausstellungen in mehreren Städten verbinden historische, medizinische und wissenschaftliche Inhalte mit Rätseln, Experimenten und digitalen Spielwelten.

Museen machen Geschichte und Wissenschaft mit interaktiven Spielen erlebbar
Steinernes Gewölbe eines historischen Klosters mit rustikalen Holzbalken und atmosphärischem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Kultureinrichtungen setzen zunehmend auf interaktive Formate, um die passive Wissensaufnahme aufzubrechen. Aktuelle Ausstellungen und Veranstaltungen in mehreren Museen verdeutlichen, wie spielerische Elemente genutzt werden, um Besucher zu einer aktiven kognitiven Auseinandersetzung mit historischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Themen zu bewegen.

Von rollenspielartigen Parcours über handwerkliche Experimente bis hin zu zielgerichteten Lernspielen reicht die Bandbreite moderner Vermittlungsansätze.

Das Mittelalter als begehbare Spielwelt in LĂĽbeck

Im Europäischen Hansemuseum in Lübeck verwandelt die Sonderausstellung „Let's play Mittelalter“ das historische Burgkloster in eine begehbare Spielwelt. Die Schau, die bis zum 31. Oktober 2027 täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist, bindet das Publikum aktiv in den Handlungsverlauf ein.

Besucher erstellen an einem Touchscreen einen Avatar, lösen Rätsel, sammeln Erfahrungspunkte und bestimmen ihren Weg selbst. Der Spielstand wird auf einem Armband gespeichert, während Tonspuren über Kopfhörer laufen und Bodenpfeile Orientierung bieten.

Inhaltlich folgt die Ausstellung der Erzählung einer fiktiven Spieleentwicklerin namens Zoey, aus deren digitaler Welt sich die Gäste durch das Lösen von Aufgaben befreien müssen. Zu den Stationen zählen unter anderem ein Turnierplatz, ein Bankett im Grünen und eine Drachenhöhle.

Jeder Raum fungiert als eigenes Level, in dem insgesamt sechs Gegenstände sowie digitale Trophäen gesammelt werden können. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Agentur Liquid. Kuratorin Franziska Evers und Direktorin Dr. Felicia Sternfeld verweisen dabei auf Computerspiele als zentrales Vermittlungsprinzip und deren prägende Rolle für moderne Geschichtsbilder.

Unterstützt wird das Projekt von der Possehl-Stiftung, die Schirmherrschaft hat Bundesforschungsministerin Dorothee Bär inne. Zu den hochkarätigen Exponaten zählen ein Hörnerhelm aus dem Richard-Wagner-Museum Bayreuth und ein Ritter-Aquamanile aus der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. Neben Bezügen zu Titeln wie „Catan“, „Pentiment“ und „The Witcher“ stehen vier Konsolen bereit, ergänzt durch das Webvideo-Format „Ein Umtrunk mit“.

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Experimentieren und Begreifen in Mannheim und Lemgo

Auch andere Häuser setzen auf handlungsorientierte Konzepte. Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim zeigen im Museum Weltkulturen D5 die Mitmach-Ausstellung „Leonardo da Vinci – Erfindungen erleben“ mit einer Laufzeit bis zum 30. Mai 2027. An 30 Mitmach-Stationen können Gäste Modelle nach da Vincis Skizzen ausprobieren, darunter archimedische Schrauben, einen Selbst-Aufzug und einen Flügeltester.

Hauptkuratorin Giulia Worf hebt hervor, dass von da Vinci lediglich 15 bis 20 Gemälde, jedoch über 2500 Skizzen überliefert sind. Das Projekt basiert auf der Initiative „DaVinci 500“ der Hochschule Bielefeld.

Das Weserrenaissance-Museum Schloss Brake widmet sich in der Ausstellung „Staying alive. Medizingeschichte(n) mit Risiken und Nebenwirkungen“ 2000 Jahren Heilkunst. Bis zum 2. Mai 2027 können Besucher neben historischen Exponaten wie Aderlass-Instrumenten und chirurgischem Besteck eine nachgebildete Arztpraxis mit Anamnesebögen erkunden, Heilkräuter riechen und Proben mikroskopieren.

Popkulturelle Zugänge und zielgerichtete Spiele

Populäre Spielwelten dienen ebenfalls als Anker für Wissenstransfer. Das Deutsche Museum Nürnberg kombiniert bis zum 30. April 2027 Raumfahrtforschung der ESA mit einer Foto-Safari zu acht versteckten Pokémon in seinen Themenräumen. In Wien lädt die „Minecraft Experience: Villager Rescue“ in der Metastadt bis zum 27. Februar 2027 zu einem rund einstündigen Parcours ein, bei dem Teilnehmende mit digitalen Würfeln als Controller interagieren.

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Dass spielerische Methoden auch über Ausstellungsräume hinauswirken, zeigte die Stadt Bayreuth während der Aktionswoche Demenz 2026. Dort erprobte die Kommune das an der Hochschule Coburg entwickelte Serious Escape Game „ReMind Journey“. Entwickler Ivo Feuerbach betonte, dass das Spiel keine Erkrankung simuliere, sondern einen Perspektivwechsel ermögliche, um die alltäglichen Herausforderungen von Demenz kognitiv erfahrbar zu machen.

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