Demenz-Therapie: Bewegungsprogramm bremst kognitiven Abbau stärker
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die klinische Forschung entdeckt die ganzheitliche Medizin neu. Aktuelle Studien belegen die Wirksamkeit nicht-medikamentöser Therapien, systemischer Behandlungen und manueller Verfahren. Gleichzeitig rücken Qualitätssicherung und Arzneimitteltherapiesicherheit stärker in den Fokus.
Bewegung als Demenz-Therapie
Strukturierte Bewegungsprogramme zeigen überraschende Erfolge bei Demenzpatienten. Das an der Universität Erlangen entwickelte MAKS-Programm (motorisch, alltagspraktisch, kognitiv, sozial-kommunikativ) wurde in einer Studie mit 34 Tagespflegeeinrichtungen über sechs Monate getestet.
Die Ergebnisse sind vielversprechend: Die kognitiven Fähigkeiten der Teilnehmer blieben nahezu stabil. Der MMST-Wert sank in der Therapiegruppe nur minimal von 19,8 auf 19,4. In der Kontrollgruppe fiel er dagegen von 19,1 auf 17,9. Die beobachtete Effektstärke liegt damit über der rein medikamentöser Therapien. Spezialisierte Varianten des Programms werden mittlerweile für unterschiedliche Demenzstadien und zur Sturzprophylaxe angeboten.
Das Bindegewebe als Sinnesorgan
Die Osteopathie stützt sich zunehmend auf Erkenntnisse aus der Faszienforschung. Das dreidimensionale Bindegewebsnetzwerk gilt heute nicht mehr nur als Stützmaterial, sondern als komplexes Sinnesorgan. Mehr als 100 Millionen Sinnesrezeptoren reagieren auf Berührung, Druck, Schmerz, Temperatur und Bewegung.
Beeinträchtigungen in diesem System können Beweglichkeit, Stabilität und Körperwahrnehmung beeinflussen. Die osteopathische Behandlung setzt genau hier an – und die Forschung unterstreicht die Bedeutung dieser Ansätze für chronische Beschwerden.
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Die Darm-Hirn-Verbindung
Ein internationales Forschungsteam aus Bonn, Basel, Toronto und Yale untersuchte die Verbindung zwischen Verdauungssystem und Immunsystem. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal Science Translational Medicine, zeigen: Bestimmte Immuntherapien fördern die Wanderung schützender B-Zellen aus dem Darm ins zentrale Nervensystem.
Höhere Konzentrationen dieser regulatorischen Faktoren korrelierten mit besseren Behandlungsergebnissen bei Multipler Sklerose. Neue Therapieansätze könnten gezielt Immunzellen aus dem Darm nutzen, um Entzündungsprozesse im Gehirn zu beeinflussen.
Qualität statt Pharmawerbung
Das LMU Klinikum München hat die Datenbank „pall-OLU“ für den Off-Label-Use in der Palliativmedizin erweitert. 35 neue Therapieempfehlungen wurden per Delphi-Verfahren aufgenommen. Das Projekt, finanziert durch die Deutsche Krebshilfe bis 2028, stellt Fachkreisen evidenzbasierte Informationen abseits pharmazeutischer Werbeinteressen zur Verfügung.
Die Rolle digitaler Assistenzsysteme wird kritisch evaluiert. Eine Dissertation zur Software „Meona“ an der Universität Erlangen zeigte: Digitale Warnungen waren zwar in über 82 Prozent der Fälle fachlich korrekt, aber nur rund 20 Prozent hatten unmittelbare Patientenrelevanz. Die interprofessionelle Zusammenarbeit bleibt zentral – Stationsapotheker setzten ihre Empfehlungen zu über 92 Prozent um.
Neben der Therapiesicherheit ist das korrekte Verständnis eigener Gesundheitsdaten entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung. Dieser kostenlose 25-Seiten-Report hilft Ihnen dabei, Ihre Laborwerte selbst zu interpretieren und so aktiv zur eigenen Vorsorge beizutragen. Gratis-Report: Laborwerte richtig verstehen
Gentherapie und regulatorische Hürden
Ab Herbst 2026 wird die Gentherapie CRISPR/Cas9 (CASGEVY) in Wien für Kinder mit schweren Bluterkrankungen verfügbar sein. Gleichzeitig zeigt eine Studie im Deutschen Ärzteblatt International die Risiken neuer Therapieoptionen: Nach der Cannabis-Teillegalisierung im April 2024 stiegen cannabisbedingte Krankenhausaufnahmen bei Erwachsenen um 5,6 Prozent, bei Jugendlichen um 14,9 Prozent. Cannabisvergiftungen legten um über 37 Prozent zu.
Das BfArM greift bei formalen Mängeln in der Arzneimittelzulassung durch. Der Zulassungsstopp für Medikamente, die auf mangelhaften Studien des indischen Instituts Micro Therapeutic Research Labs basieren, wurde bis August 2028 verlängert. Betroffen sind Blutdrucksenker und Antidepressiva. Konkrete Gesundheitsschäden sind zwar nicht belegt – die Maßnahme unterstreicht aber die Bedeutung valider wissenschaftlicher Beweisführung.
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