Demenz und Kinder: Begegnungen im Betagtenzentrum Emmen werden Alltag
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 17:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Intergenerationelle Begegnungen gewinnen in der Pflege von Menschen mit Demenz zunehmend an Bedeutung. Ein etabliertes Beispiel für diesen Versorgungsansatz zeigt sich im Schweizer Kanton Luzern: Im Betagtenzentrum Emmen (BZE) verbringen Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren aus der Kita Emmen regelmäßig einen Teil ihres Alltags gemeinsam mit einer Demenzwohngruppe. Was im September 2024 zunächst als Pilotprojekt startete, hat sich mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Einrichtungsalltags entwickelt.
Das Konzept verbindet die Betreuung von Kleinkindern mit der Begleitung von Pflegebedürftigen, um soziale Teilhabe zu stärken und kognitive Ressourcen durch alltägliche Interaktionen anzuregen.
Aufgrund der Erfahrungen plant die BZE AG bereits eine Ausweitung des Modells. Im geplanten Ersatzneubau Haus Mattli beim Alp Betagtenzentrum soll ein weiteres intergenerationelles Kita-Angebot entstehen. Der Bezug des Neubaus ist für die Jahre 2030 oder 2031 vorgesehen.
Erkenntnisse zur Wirkung intergenerationeller Kontakte
Die Integration von Begegnungen zwischen Jung und Alt in stationäre Versorgungsstrukturen stützt sich auf Beobachtungen zur psychosozialen Gesundheit im Alter.
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Nach Einschätzung der Demenzforscherin Francisca Rodriguez von der Forschungsgruppe psychosoziale Epidemiologie am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) wirken soziale Kontakte generell protektiv. Zudem gebe es gezielte Hinweise auf günstige Effekte durch den Kontakt mit Kindern.
In Deutschland existieren ähnliche Ansätze bereits seit längerer Zeit in der Praxis. Im Mehrgenerationenhaus Blankenburg im Harz arbeiten eine Kita mit 100 Plätzen und ein Pflegeheim seit fast 20 Jahren unter einem gemeinsamen Dach. Mindestens einmal wöchentlich finden gemeinsame Aktivitäten wie Backen, Sitzfußball, Spaziergänge oder Übungen am Kneipp-Becken statt.
Einrichtungsleiterin Doreen Irrgang hebt hervor, dass die regelmäßigen Treffen die Bewohner aktivieren und Erinnerungen wecken. Auch an weiteren Standorten wie Weißenfels, Halle oder Cunewalde entstehen oder bestehen vergleichbare generationenübergreifende Projekte.
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Steigender Versorgungsbedarf im demografischen Wandel
Die Suche nach funktionierenden Modellen für das Zusammenleben und die Betreuung steht vor dem Hintergrund stark ansteigender Betroffenenzahlen. Berechnungen des DZNE zufolge lebten im Jahr 2023 rund 1,8 Millionen Demenz-Erkrankte in Deutschland. Bis zum Jahr 2050 könnte diese Zahl auf bis zu 2,7 Millionen Menschen ansteigen.
Auch die ökonomische Dimension der Versorgung wächst. Für das Jahr 2023 bezifferte das DZNE die direkten medizinischen Kosten auf etwa 38 Milliarden Euro. Die informelle Pflege, die zu einem großen Teil von Angehörigen erbracht wird, schlug im selben Zeitraum mit weiteren 45 Milliarden Euro zu Buche.
Konzepte wie jenes im Betagtenzentrum Emmen zeigen, wie Betreuungseinrichtungen durch die Öffnung in den Sozialraum und die Kooperation mit Kindertagesstätten neue Wege beschreiten, um den demografischen Herausforderungen im Versorgungsalltag zu begegnen.
