Demenzdiagnostik: HM Hospitales bĂŒndelt Tests in neuem Schnellpfad
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 14:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie frĂŒhzeitige und prĂ€zise Erfassung kognitiver VerĂ€nderungen gilt in der neurologischen Versorgung als zentrale Herausforderung. Angesichts langwieriger Untersuchungsschritte und steigender Patientenzahlen setzt die spanische Klinikgruppe HM Hospitales auf eine strukturierte Prozessoptimierung: Mit einem neu konzipierten Schnell-Diagnosepfad fĂŒr kognitive Verschlechterung bĂŒndelt das Unternehmen mehrere Untersuchungsschritte in einem geschlossenen Ablauf.
Das Verfahren integriert die klinische sowie neuropsychologische Bewertung, Blutbiomarker, bildgebende Verfahren des Gehirns, die Therapieauswahl und die strukturierte Nachsorge. Der Pfad startet zunÀchst am Hospital Universitario HM Sanchinarro in Madrid und soll schrittweise auf die gesamte Klinikgruppe ausgeweitet werden.
Strukturierte Prozesse und neue Screening-Instrumente
Vorgestellt wurde das Modell im Rahmen einer Fachveranstaltung der Stiftung fĂŒr Forschung von HM Hospitales. Die Notwendigkeit effizienter Strukturen verdeutlicht der zeitliche Verlauf der Erkrankung: Nach Angaben von Dr. Javier OlazarĂĄn von HM Hospitales erstreckt sich die durchschnittliche Krankheitsentwicklung ĂŒber einen Zeitraum von 19 Jahren.
Nach Prognosen der Klinikgruppe könnten bis zum Jahr 2050 weltweit mehr als 150 Millionen Menschen mit einer Demenz leben, wobei etwa zwei von drei FĂ€llen auf eine Alzheimer-Erkrankung zurĂŒckzufĂŒhren sind.
Ein zentraler Baustein des Verfahrens ist das Instrument âCogniScanâ. Dieser kognitive Kurztest umfasst neun Elemente, die gezielt Orientierung, GedĂ€chtnisleistung sowie visuell-rĂ€umliche FĂ€higkeiten prĂŒfen.
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In einer Untersuchung mit 183 Teilnehmern zeigte der Test bei einem Schwellenwert von zwei oder mehr Fehlern eine SensitivitĂ€t von 96 Prozent und eine SpezifitĂ€t von 99 Prozent zur Abgrenzung kognitiver Verschlechterungen gegenĂŒber Kontrollpersonen.
Stellenwert von Blutbiomarkern im Diagnoseprozess
Neben neuropsychologischen Tests spielen blutbasierte Marker eine SchlĂŒsselrolle in dem beschleunigten Diagnosepfad. Dr. Roberto SĂĄnchez-Soblechero von der GedĂ€chtniseinheit der HM Hospitales erklĂ€rte, dass neun von zehn der untersuchten Alzheimer-Patienten mittels einer Blutprobe korrekt diagnostiziert werden konnten.
Der Marker p-tau217 wies eine hohe diagnostische Genauigkeit auf und fĂŒhrte in 26,5 Prozent der analysierten FĂ€lle zu einer Ănderung der ursprĂŒnglichen Diagnose.
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Gleichzeitig betonte SĂĄnchez-Soblechero die Grenzen des Verfahrens: Der Biomarker p-tau217 solle nicht als allgemeines Screening-Instrument bei beschwerdefreien Personen auĂerhalb von Forschungsprojekten eingesetzt werden, sondern ausschlieĂlich in einem individualisierten klinischen Kontext Anwendung finden.
Internationale Leitlinien und methodische ErgÀnzungen
Dieser vorsichtige Ansatz spiegelt sich auch in internationalen Richtlinien wider. So formulierten die britischen Fachgesellschaften ABN und RCPsych in einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Practical Neurology 22 Empfehlungen fĂŒr den Einsatz von Alzheimer-Bluttests.
Auch diese Fachgremien befĂŒrworten Plasma-p-tau217 zwar als Marker, beschrĂ€nken den Einsatz jedoch strikt auf Personen mit objektiv nachweisbarer kognitiver BeeintrĂ€chtigung und klinischem Verdacht. FĂŒr einen eigenstĂ€ndigen Test fordern die FachverbĂ€nde prĂ€diktive Werte von ĂŒber 90 Prozent, da Begleitfaktoren wie Niereninsuffizienz oder stark abweichende Körpergewichte die Werte verzerren können.
Parallel dazu arbeiten Forschungseinrichtungen an der weiteren Verfeinerung blutbasierter Verfahren. Forschende der UniversitÀtsmedizin Halle stellten in einer Studie mit 315 Probanden in Nature Communications ein Zwei-Schritt-Verfahren vor, bei dem hirneigenes Tau-Protein vor der Messung mit einem spezifischen Antikörper isoliert wird.
Wie Prof. Markus Otto und Privatdozent Dr. Samir Abu Rumeileh darlegten, könnten solche Anreicherungsverfahren falsch-positive Ergebnisse bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen reduzieren. ErgÀnzt durch automatisierte Bildgebungsverfahren verdeutlichen diese Entwicklungen den internationalen Trend hin zu standardisierten, mehrstufigen AbklÀrungsmodellen.
