DemenzprÀvention: 14 Risikofaktoren könnten 45 Prozent der FÀlle verhindern
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 07:02 Uhr | Redaktion boerse-global.deRund 45 Prozent aller Demenzerkrankungen weltweit könnten nach Berechnungen der Lancet Commission aus dem Jahr 2024 verzögert oder ganz verhindert werden, sofern 14 modifizierbare Risikofaktoren konsequent adressiert wĂŒrden.
Dieser Wert beschreibt ein populationsbezogenes Risiko und bedeutet keine garantierte individuelle Risikoreduktion. Fachleute betonen daher die Bedeutung eines frĂŒhzeitigen Beginns und einer langfristigen Beibehaltung von PrĂ€ventionsmaĂnahmen.
VerÀnderbare Faktoren und Lebensstil im Blickpunkt
Zu den 14 identifizierten EinflussgröĂen zĂ€hlen unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, ein hoher LDL-Cholesterinspiegel, Rauchen, ĂŒbermĂ€Ăiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, soziale Isolation, kognitive InaktivitĂ€t, Depression und Ăbergewicht sowie unbehandelte Seh- und Hörverluste.
Auch nach Angaben der Alzheimer Forschung Initiative gehen 45 Prozent aller Demenzerkrankungen weltweit auf verĂ€nderbare Risikofaktoren zurĂŒck. Die Expertin Anne Pfitzer-Bilsing von der Initiative erlĂ€uterte, dass Bewegung das Gehirn ĂŒber mehrere Mechanismen gleichzeitig schĂŒtze, darunter das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel und die Stimmung.
Körperliche AktivitĂ€t kann eine Demenz zwar nicht mit Sicherheit abwenden, Aktive erkranken jedoch seltener. Zudem wird geraten, soziale Kontakte zu pflegen sowie Hörprobleme und SehschwĂ€chen frĂŒhzeitig behandeln zu lassen.
Empfohlen werden Hörtests ab dem 50. Lebensjahr alle ein bis zwei Jahre sowie jÀhrliche Sehtests ab 60 Jahren. Andere wissenschaftliche EinschÀtzungen beziffern den Anteil der vermeidbaren oder hinauszuzögernden FÀlle auf bis zu 40 Prozent.
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Steigende Fallzahlen verstÀrken den Handlungsdruck
Die globale Relevanz der PrÀvention wÀchst vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Im Jahr 2021 lebten weltweit rund 57 Millionen Menschen mit Demenz.
Prognosen der Weltgesundheitsorganisation gehen von einem Anstieg auf 139 Millionen Betroffene bis zur Mitte des Jahrhunderts aus, wĂ€hrend Hochrechnungen im Fachblatt The Lancet bis zu 153 Millionen prognostizieren. Ăber 60 Prozent der Betroffenen leben in LĂ€ndern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.
In Deutschland sind nach Daten der Deutschen Alzheimer Gesellschaft derzeit rund 1,8 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, etwa 1,2 Millionen davon an Alzheimer. FĂŒr die Altersgruppe ab 65 Jahren wird bis 2050 mit einem Anstieg auf 2,3 bis 2,7 Millionen Betroffene gerechnet.
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Im Freistaat Bayern leben schÀtzungsweise 277.000 Demenzerkrankte, wobei bis 2030 etwa 300.000 erwartet werden. Zudem leben einer deutschen Studie zufolge rund 60 Prozent der Betroffenen ohne gesicherte Diagnose.
Erkenntnisse aus aktuellen Interventions- und Beobachtungsstudien
Mehrere Studien untersuchen konkrete Schutz- und Risikofaktoren. Eine am 23. Oktober 2026 im Fachjournal PNAS veröffentlichte Untersuchung analysierte die britische Schulreform von 1972, die das Mindestschulalter von 15 auf 16 Jahre fĂŒr nach dem 1. September 1957 Geborene anhob. Der Schulbesuch bis zum Alter von 16 Jahren stieg dadurch um 14 Prozentpunkte, wĂ€hrend die kumulative Demenz-Inzidenz bei den Betroffenen um rund 0,2 Prozentpunkte sank.
Die CHOICE-Studie in JAMA Neurology zeigte bei Àlteren Menschen mit leichter kognitiver Störung und Hörverlust zwar ein Verfehlen des primÀren Ziels der Demenzverhinderung, doch erreichten HörgerÀtetrÀger nach zwei Jahren rund sechsmal hÀufiger wieder eine normale Kognition.
In Australien verbesserte das HAPPI-MIND-Programm in 31 Hausarztpraxen bei Erwachsenen im Alter von 45 bis 65 Jahren ĂŒber 12 Monate durch Beratungen und eine App das Risikoprofil signifikant.
Neben ErnĂ€hrungsmustern wie der 2015 vorgestellten MIND-DiĂ€t geraten auch Umweltfaktoren in den Fokus. Eine Untersuchung im Journal Alzheimer's & Dementia mit 28.512 Teilnehmenden ermittelte bei Personen, die ĂŒber fĂŒnf Jahre an durchschnittlich mindestens 7,2 Tagen pro Jahr extremer Hitze ab 39,4 Grad ausgesetzt waren, ein um 23 Prozent höheres Demenzrisiko als bei 0,2 Hitzetagen. In sozial benachteiligten Vierteln stieg das Risiko unter höchster Hitzebelastung sogar um 40 Prozent.
