Demenzprävention, Risikofaktoren

Demenzprävention: 14 Risikofaktoren könnten fast jeden zweiten Fall verhindern

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 05:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien untersuchen Risikofaktoren, geistige Aktivität und Ernährung; Statintherapie bei Typ-2-Diabetes ging mit geringerem Demenzrisiko einher.

Demenzprävention: Forschung prüft Lebensstil, Training und Ernährung
Ein sonnendurchfluteter Waldweg in einem ruhigen Park, der zu einem aktiven und gesunden Lebensstil einlädt. Illustration mit AI erstellt.

Verschiedene wissenschaftliche Ansätze, darunter gezielte Ernährungsformen und bewusste Lebensstiländerungen, werden zunehmend als wirksame Strategien diskutiert, um den biologischen Alterungsprozess zu beeinflussen und das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen zu mindern. Angesichts weltweit rund 55 Millionen Betroffener gewinnt die präventive Forschung an Bedeutung.

In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft etwa 1,78 Millionen Menschen mit Demenz. Bis zum Jahr 2050 könnte diese Zahl auf bis zu 2,6 Millionen steigen. Auf Morbus Alzheimer entfallen dabei 60 bis 65 Prozent der Fälle, wobei im höheren Alter häufig Mischformen diagnostiziert werden.

Beeinflussbare Risikofaktoren und medizinische Begleitung

Fachleute betonen, dass Demenz keineswegs eine zwangsläufige Begleiterscheinung des Älterwerdens darstellt. Eine Expertenkommission der Fachzeitschrift The Lancet kam zu dem Ergebnis, dass durch die Minimierung von 14 bekannten Risikofaktoren rechnerisch nahezu jeder zweite Fall verhindert werden könnte.

Zu den zentralen Faktoren zählen Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Übergewicht, Bewegungsmangel, Schlafstörungen, Rauchen und Alkoholkonsum sowie soziale Isolation. Zwar treten seltene, familiär bedingte Formen bereits ab Mitte oder Ende 30 auf, der überwiegende Teil der Erkrankungen steht jedoch im Zusammenhang mit dem höheren Lebensalter und Gefäßgesundheit.

Auch die medikamentöse Einstellung von Grunderkrankungen spielt eine wesentliche Rolle. Dänische Forscher des Universitätsklinikums Kopenhagen zeigten in einer Auswertung von 132.585 Personen mit Typ-2-Diabetes, dass eine frühzeitige Statinbehandlung mit einem um 15 Prozent reduzierten Demenzrisiko innerhalb von zehn Jahren einherging.

Bei einem späteren Behandlungsbeginn lag die Verringerung bei 10 Prozent. Ebenso weist die Weltgesundheitsorganisation auf Hörbeeinträchtigungen als relevanten Risikofaktor hin; die Nutzung von Hörgeräten kann Betroffenen mit erhöhtem kognitiven Risiko zugutekommen.

Anzeige

Wer sich mit der Rolle von Risikofaktoren für die geistige Gesundheit befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber 11 praktische Übungen für den Alltag. Erfahren Sie, wie Sie Ihre Konzentration stärken und Demenz gezielt vorbeugen können. 11 Alltagsübungen für geistige Fitness jetzt kostenlos herunterladen

Kognitives Training und geistige Aktivität

Neben vaskulären Faktoren rückt das gezielte Training geistiger Fähigkeiten in den Fokus. Die randomisiert-kontrollierte ACTIVE-Studie mit 2.021 Teilnehmenden untersuchte langfristige Effekte spezifischer kognitiver Interventionen. Dabei erzielte eine Gruppe mit schnelligkeitsbasiertem Training und mindestens einer Auffrischungssitzung ein signifikant geringeres Risiko für alzheimerähnliche Erkrankungen. Ohne Auffrischungskurse zeigte sich dieser Schutzeffekt hingegen nicht.

Ergänzend deuten neuere Erhebungen auf den Nutzen kontinuierlicher geistiger und kreativer Betätigung hin. Eine in Nature Communications veröffentlichte Untersuchung ergab, dass Personen mit ausgeprägter Expertise in Feldern wie Tanz, Musik oder Kunst ein jüngeres biologisches Gehirnalter aufwiesen als chronologisch zu erwarten war.

An der Universität Wien untersucht das Projekt „Musik für das Gedächtnis“ zudem, inwiefern das Erlernen neuer Lieder bei bestehender Demenz andere Gedächtnisfunktionen stabilisieren kann.

Anzeige

Da Experten die Bedeutung von Prävention und frühzeitiger Erkennung betonen, bietet dieser kurze Check eine diskrete Möglichkeit zur ersten Einschätzung. Prüfen Sie mögliche Warnsignale mit sieben einfachen Fragen und erhalten Sie Ihr Ergebnis sofort per E-Mail. Kostenloser 2-Minuten-Selbsttest auf Demenz-Anzeichen

Ernährungsansätze und Mikronährstoffe im Blickfeld

In der Ernährungsforschung werden Modelle wie die von Valter Longo entwickelte, periodisch angewendete Scheinfasten-Diät (Fasting Mimicking Diet) hinsichtlich ihres Einflusses auf biologische Alterungsmarker und Entzündungswerte erforscht.

Auf Stoffwechselebene rückte zudem Spermidin in den Fokus: Während Beobachtungsdaten der Universität Innsbruck eine spermidinreiche Kost mit geringerer Sterblichkeit verknüpften, zeigte eine Charité-Studie mit isolierten Gaben von 0,9 Milligramm täglich über zwölf Monate keine Veränderung der Gedächtnisleistung. Verbraucherschützer raten von hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln ab und verweisen auf natürliche Quellen wie Hartkäse, Pilze oder Weizenkeime.

Auch bei Vitaminen mahnen Experten zur Differenzierung. Während eine Konferenzstudie bei Erwachsenen ab 60 Jahren funktionelle Alltagsvorteile durch Multivitaminpräparate verzeichnete, belegen methodisch hochwertige Studien keine Verbesserung kognitiver Leistungen durch Vitamin D bei bestehenden leichten Beeinträchtigungen.

Parallel identifiziert die Forschung neue Biomarker: So gehen erhöhte Werte des von Darmbakterien gebildeten Stoffwechselprodukts Imidazolpropionat mit einer stärkeren Plaque-Ablagerung im Gehirn einher, was neue Ansatzpunkte für die Mikrobiomforschung eröffnet.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70249640 |